Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

April

Der „Kremser Schmidt“Künstler, Bürger und Familienvater

Martin Johann Schmidt, gen. Kremser Schmidt Familienbildnis, 1790, Öl auf Zinkblech

Martin Johann Schmidt, gen. Kremser Schmidt (1718-1801): "Familienbildnis", 1790, Öl auf Zinkblech, 72,4 x 86,4 cm
© im Kinsky Kunst Auktionen GmbH

Martin Johann Schmidt Familienbildnis, Detail mit Hufeisen

Martin Johann Schmidt: "Familienbildnis", Detail
© im Kinsky Kunst Auktionen GmbH

Martin Johann Schmidt Selbstporträt, 1754, Radierung

Martin Johann Schmidt: "Selbstporträt", 1754, Radierung
© Albertina Wien

Martin Johann Schmidt Selbstporträt mit Staffelei, 1754

Martin Johann Schmidt: "Selbstporträt mit Staffelei", 1754, Öl auf Leinwand
© Alte Galerie im Landesmuseum Joanneum

F. Hütter M. J. Schmidts Wohnhaus, 1875, Zeichnung

F. Hütter: "Wohnung des Kremser Schmidt in Stein", 1875, Zeichnung
© Städtisches Museum Krems

Historisches Foto des Wohnhauses von Martin Johann Schmidt ib Stein, 1950

Wohnhaus des Martin Johann Schmidt in der Steiner Landstraße/ Krems, historische Fotografie um 1950
© BDA

Mit Martin Johann Schmidts „Familienbildnis“ wurde ein Schlüsselwerk des bedeutenden österreichischen Barockmalers von der Ausfuhrabteilung unter Denkmalschutz gestellt

Einzigartig in seinem über 1100 Werke umfassenden Oeuvre, porträtiert sich der 72-jährige, weit über seine Heimat hinaus bekannte Maler 1790 im Kreise seiner elegant gekleideten Söhne Joseph Johann Nepomuk und Johann Martin Karl, der etwas steif und befangen am Rande sitzenden Ehefrau Elisabeth und der ungeschönt dargestellten Tochter Viktoria. Schauplatz der Szene ist ein repräsentativer Raum seines heute noch existierenden Wohn- und Atelierhauses in Stein an der Donau (heute ein Teil der Stadt Krems), für dessen originale Ausstattung das Ölgemälde wohl auch geschaffen wurde.
 
Als Martin Johann Schmidt 1755/56 sein Heim in Stein erwarb, konnte der 1718 in Grafenwörth an der Donau geborene Künstler bereits zahlreiche bedeutende Aufträge niederösterreichischer Klöster vorweisen. In den folgenden Jahrzehnten erweiterte er seinen Wirkungskreis über die Grenzen Österreichs hinaus und leitete eine äußerst produktive Werkstatt in seiner Heimatstadt. Es entstanden Altarbilder, Fresken religiösen wie profanen Inhalts, Porträts von kirchlichen Würdenträgern und Privatpersonen, Historien- und Genrebilder sowie Radierungen. Auch druckgraphische Reproduktionen seiner eigenen malerischen Werke vertrieb der stets rührige und geschäftstüchtige Schmidt direkt in der eigenen Werkstatt oder über befreundete Händler. Stilistisch blieb der für seine „Helldunkelmalerei“ berühmte Künstler auch mit dem Aufblühen des Klassizismus dem Spätbarock verhaftet und wurde von seinen Zeitgenossen als der „österreichische Rembrandt“ gepriesen.
 
Der Kremser Schmidt
 
Bereits zu Lebzeiten war der Name des Malers so untrennbar mit seiner Heimat verbunden, dass er bis heute unter dem Beinamen „Kremser Schmidt“ bekannt ist: „So wird durch Deine Kunst das kleine Krems und Stein/ Mit Rom und Urbin stolz auf den Pinsel sein,/ den gleicher Lorbeer schmückt, dem gleicher Ruhm gehörte“, dichtete etwa Karl Ludwig Reuling ein wenig holprig im Jahre 1766. Martin Johann Schmidt nahm in zahlreichen Ämtern und Ehrenstellen aktiv am sozialen und politischen Leben der Stadt Stein teil, die gemeinsam mit dem benachbarten Krems in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts den wirtschaftlichen und künstlerischen Höhepunkt ihrer Entwicklung erreicht hatte. Mit dem im Hintergrund dargestellten modischen klassizistischen Ofen oder den auf die häusliche Idylle verweisenden spielenden Kätzchen spiegelt das „Familienbildnis“ diese Verbundenheit Schmidts mit seiner bürgerlichen Lebenswelt wider. Zeitgenossen charakterisierten den Maler als einen Menschen, der „seinem Stande und seinen Einkünften gemäß [lebte], wie er denn auch das ganze Haus mit seiner Familie selbst bewohnte. Und doch war er auch wieder ein einfach bürgerlicher, sparsamer und immer tätiger Mann. (…) er lebte seiner Familie und seiner Kunst.“
 
Die private Sphäre des Hauses wird in diesem Werk – völlig neuartig für die Zeit der Aufklärung – mit Schmidts selbstbewusster Positionierung als Künstler kombiniert. Während etwa die zu Füßen des älteren Sohnes liegenden Skizzenblätter die große Wertschätzung des Künstlers für die Zeichenkunst als Grundlage der Malerei zum Ausdruck bringen, erinnert im Bildhintergrund die große Leinwand mit „Venus in der Schmiede des Vulkan“ an ein Ölgemälde gleicher Thematik, das er für seine prestigeträchtige Aufnahme in die Wiener Akademie im Jahre 1768 schuf. Das allegorische Bild im Bild spielt zudem auf sein selbst gewähltes Wappenzeichen, den Schmied, an und unterstreicht die Bedeutung der Verbindung von Handwerk und Kunst. Für Schmidt typisch, findet sich zu Füßen der Venus auch ein Hufeisen, das man eher in einer einfachen Dorfschmiede als in der die Waffen der antiken Götter fertigenden Werkstatt des Vulkan vermuten würde.
 
Ein stolzer Blick auf ein erfolgreiches Leben
 
Schmidt verbindet in seinem „Familienbildnis“ die Vergangenheit in Form einer rückschauenden Zusammenfassung des Lebenserfolgs mit der Gegenwart, aber auch der Zukunft seines künstlerischen wie persönlichen Daseins. Die mythologische Szene mit Venus und Vulkan verweist auf berufliche Höhepunkte, das Bildnis der jung an den Blattern verstorbenen erstgeborenen vier Kinder auf vergangenen privaten Schmerz. Selbstbewusst kann sich der Maler als immer noch aktiver und begehrter Künstler präsentieren, die Darstellung der vornehm gekleideten Familie in einem prächtigen Raum ihres Heimes zeugt von Wohlstand und häuslichem Glück. Doch der damals schon am Anfang seines achten Lebensjahrzehnts stehende Schmidt richtet den Blick auch noch auf die Zukunft: Mit Stolz verweist er auf die beiden von ihm unterrichteten Söhne, während die noch leere Leinwand neben ihm als Hinweis auf eigene künstlerische Vorhaben dient. Tatsächlich bis zu seinem Tod produktiv und bei den Auftraggebern beliebt, starb 1801 mit Martin Johann Schmidt der letzte große Vertreter der österreichischen Barockmalerei.
 
Das heute in Privatbesitz stehende Gemälde ist derzeit als Leihgabe im Oberen Belvedere in Wien zu sehen.
 
 
Weiterführende Literatur (Auswahl)
 
+ DWORSCHAK Fritz, FEUCHTMÜLLER Rupert, GARZAROLLI-THURNLACKH und ZYKAN Josef: Der Maler Martin Johann Schmidt, genannt „Der Kremser Schmidt“ 1718-1801. Wien: 1955
+ FEUCHTMÜLLER Rupert: Der Kremser Schmidt. 1718 – 1801. Innsbruck, Wien: 1989
+ Martin Johann Schmidt. Im Rausch der Sinne. Sein Leben – Seine Werkstatt – Sein Wirken. Katalog zur Sonderausstellung des WEINSTADTmuseums Krems: 2001
+ Meister des Hell und Dunkel. „Kremser Schmidt“ 1718 – 1801. Katalog zur gleichnamigen Sonderausstellung im Stift Seitenstetten. Seitenstetten: 2001
+ Selbstbild. Der Künstler und sein Bildnis. Katalog der Ausstellung der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Ostfildern-Ruit: 2004

Druckersymbol Druckversion