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Jänner

Das 20er-HausInternational beachtetes Denkmalpflegeprojekt der Nachkriegsmoderne

Das 20er Haus wird zum 21er Haus. Nacht der Eröffnung.

Im Zuge der Zerlegung für die Metallrestaurierung wurden die Konstruktionsdetails sichtbar.

Durch die Metallbauweise konnten viele Elemente in der Werkstatt instand gesetzt werden.

Die Verglasung im Obergeschoß spielt für den Innenraumeindruck eine besondere Rolle.

Vier Stützen tragen eine 41x41-Meter-Box. Die Stahlkonstruktion wiegt 290 Tonnen.

Auf die instandgesetzte Grundkonstruktion aus Metall können im Obergeschoß die Spezialgläser wieder montiert werden.

Die Metall-Tragkonstruktion wird vor Ort restauriert und aufgrund neuer Anforderungen statisch verbessert.

Das originale Kino konnte komplett erhalten werden.

Von außen lässt sich kaum ein Unterschied zwischen Vor-der-Restaurierung und Nach-der-Restaurierung feststellen.

Die „milchige“ Glasfassade im Obergeschoß als wesentliches Gestaltungselement.

Detail der Glassfassade Obergeschoß.

Fassaden-Außenaufnahme nach Instandsetzung.

Die originalen Holz-Türgriff-Elemente konnten trotz Fluchtweganforderungen restauriert und erhalten werden.

Der Eingangsbereich.

Durch die unterirdische Erweiterung und den integrierten, neuen Büroturm wurde der Nutzungsdruck auf die Bestandsbauten gesenkt.

„Lady in Red“, Frau Marie Colbin bei der Eröffnung des 21er Hauses.

Zur Eröffnung fanden sich neben Bundespräsident Dr. Heinz Fischer mit Gattin, Architekt Adolf Krischanitz, Belvedere-Direktorin Dr. Agnes Husslein-Arco, Dr. Alfred Weidinger (Österreichische Galerie Belvedere) und Burghauptmann HR Mag. Reinhold Sahl noch zahlreiche weitere Gäste ein.

Blick in den zur Eröffnung mit roten Teppichen dekorierten Innenraum.

„Man könnte fast glauben, die Zeit wäre um 50 Jahre zurückgedreht worden“, schreibt ein Kritiker über das berühmte 20er-Haus in Wien, nun 21er-Haus genannt, das nach einer mehrjährigen denkmalpflegerisch vorbildlichen Instandsetzung und nutzungsbedingten Erweiterung Ende 2011 wieder eröffnet wurde.

Ursprünglich als Österreich-Pavillon auf der Weltausstellung 1958 in Brüssel im Einsatz, wurde das Gebäude 1962 im Schweizergarten wieder aufgestellt. Als Museum des 20. Jahrhunderts spielte es über Jahrzehnte eine zentrale Rolle in der österreichischen Kulturlandschaft.

Sanfte Metamorphose

Nach gut einem halben Jahrhundert intensiver Nutzung galt es, für den von Architekt Karl Schwanzer geplanten Bau ein auf die neue Nutzung des Gebäudes abgestimmtes Gesamtkonzept zu entwickeln. Hierbei standen von Beginn an die für die Denkmalpflege zentralen Themen Substanzerhaltung und Erscheinungsbild im Mittelpunkt.
Als Entscheidungs- und Planungsgrundlagen wurden genaue Bestandserhebungen und Untersuchungen durch verschiedene RestauratorInnen und das Architekturbüro durchgeführt. Sämtliche Möbelstücke wurden dokumentiert und katalogisiert. Ein eigens zusammengestelltes Projekt-Team des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien unter der Leitung von Prof. Dr. Gabriela Krist und Dr. Martina Griesser-Stermscheg lieferte ein breites Spektrum an Untersuchungsergebnissen. Die dabei unter anderem durchgeführten Fassungsuntersuchungen lieferten nicht nur interessante Erkenntnisse über die Brüsseler Gestaltung des Pavillons, sondern flossen direkt in die laufende Planung mit ein.

Als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen des Projekts konnten bereits vor Baubeginn sämtliche wesentliche Leitdetails für das denkmalgeschützte Gebäude entwickelt werden. Das Team des Architekturbüros Adolf Krischanitz spielte dabei die bedeutendste Rolle. Trotz schwierigen und hohen thermischen, bauphysikalischen, sicherheits- und brandschutztechnischen Anforderungen samt dem wichtigen Erfordernis, alle Ebenen barrierefrei zu erreichen, konnten die wesentlichen denkmalpflegerischen Qualitäten des Objekts erhalten werden. Besonderes Augenmerk wurde dabei vonseiten des Bundesdenkmalamtes auf die Materialität und die Erhaltung der Raumkonfigurationen gerichtet.

Glaspalast der Moderne

Da fast alle Fassadenflächen aus Glas bestehen, nahm dieses Element einen denkmalpflegerisch hohen Stellenwert ein. Der damals innovative und neuartige Einsatz des Spezialglases Thermolux im Obergeschoß, heute besser bekannt unter dem Namen Okalux, stellte bei der Instandsetzung eine große Herausforderung dar. Es galt sowohl den für den Raumeindruck immens wichtigen „milchigen“ Lichteinfall und die Körperfarbe der Glaswand exakt zu erhalten, als auch die ursprüngliche Oberflächen-Struktur des Glases zu bewahren, um damit einhergehende unerwünschte Spiegelungen vermeiden zu können. In dieses denkmalpflegerische Anforderungspaket mussten auch noch thermische und sicherheitstechnische Aspekte integriert werden. Erst die Lösung dieser Erhaltungsfragen ermöglichte es, diese Architekturikone der Nachkriegsgeschichte für die Zukunft zu sichern.

Für die entscheidenden Außenbereiche – Sichtbetonmauern, Kopfsteinpflaster etc. - konnten wie bei vielen anderen Projektbereichen gemeinsam mit dem Team der Burghauptmannschaft Österreich um Frau Ing. Ursula Jörg denkmalpflegerisch ideale Erhaltungsschritte gesetzt werden. Dabei gelang es, einen der größten Fahnenmasten Wiens zu erhalten.

Durch die enge Zusammenarbeit und den großen Einsatz aller Beteiligten und Verantwortlichen sowie durch das akribische und umsichtige Engagement des Planungsteams konnten tausende Einzelentscheidungen im Sinne einer mustergültigen Instandsetzung getroffen werden.

50 Jahre und noch kein bisschen leise!

Die nun erfolgreich abgeschlossenen Arbeiten am 21er-Haus, welches ein vom Belvedere betriebenes Museum, die Wotruba-Stiftung und die Artothek des Bundes beherbergt, stellen eine ideale Synthese von vorbildlicher, ambitioniertester Denkmalpflege und moderner, hochwertiger Architektur dar. „Die größtenteils liebevoll erhaltenen Details“, schreibt ein Kritiker, „erzeugen tatsächlich sehr authentisch das Flair der 60er Jahre. Man atmet nun förmlich die Luft der 60er Jahre.“
 

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