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Oktober

Rauchstubenhaus wieder im LotBauernhaus vulgo Giefer im Oberen Murtal

Ca. 200 BesucherInnen nutzten am Tag des Denkmals die Gelegenheit das sanierte Rauchstubenhaus zu besichtigen.

Ansicht des Hauses von Süden 2002, mit schadhafter Dachdeckung und massiven statischen Mängeln. © Ing. Herbert Majcenovic

Die ersten Massnahmen zur Rettung des Hauses nach 2002 waren die Neudeckung mit Lärchenbrettern sowie eine Korrektur und Untermauerung des Blockbaus.

Blick in das Innere des Blockbaus im Obergeschoss. Die kleinen Festeröffnungen mit Schubläden sind noch vorhanden.

Der Blockbau informiert über historische Zimmermannskonstruktion.

Durch die statisch bedingte Neigung des gezimmerten Stubenteils kam es zum Einsturz des überwölbten Funkenhutes der Rauchstube.

Über die gehobene Bedeutung des Hauses informieren reich gestaltete Kachelbruchstücke des 17. Jahrhunderts aus der oberen Stube.

Schlichte, aber handwerklich hochwertige Details spiegeln die bäuerliche Wohnqualität des 17. Jahrhunderts wieder.

Giefer


Das hoch über dem oberen Murtal gelegene Haus war bis 2002 bereits fast zur Ruine verfallen. Durch den vorbildlichen Einsatz der Eigentümer konnte es gerettet werden.

Nach einem statischen Gutachten und ersten Sanierungsanboten durch Baufirmen war an eine Sanierung kaum zu denken. Der gezimmerte Bauteil war durch Fundamentzerfall erheblich aus dem Lot geraten, der Funkenhut der Feuerstelle dadurch eingestürzt.
Es handelte sich aber, so stellte sich heraus, um eines der letzten weitgehend intakten Rauchstubenhäuser der Steiermark aus dem 17. Jahrhundert. Die Datierung "1657" an der Fassade gab einen wichtigen Hinweis auf sein Alter, die Kernsubstanz des Hauses reicht sogar bis in das 16. Jahrhundert zurück.  

Geschichte  

Archivalisch lässt sich der Hof, dessen Vulgarname aus dem Spottnamen Giefer = Spotter, lauter Prahler abzuleiten ist, bis in das späte 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Damals zinste eine Lee Gueffer dem Stift St. Lambrecht als Hubenbauer. Seit dieser Zeit ist die bäuerliche Besitz- und adelige Eigentümergeschichte relativ genau zu verfolgen.
Wie sich aus archivalischen Zinsleistungen ablesen lässt, verfügte der Hof zeitweilig über eine respektable Wirtschaftskraft. Dies lässt sich auch in der noch erhaltenen Architektur des Hauses ablesen, dessen Erscheinungsbild weitgehend aus dem mittleren 17. Jahrhundert stammt.  

Beschreibung 

Das zweigeschossige Rauchstubenhaus auf einem längsrechteckigen, hangparallelen Grundriss setzt sich aus einem massiv in Stein gemauerten Bereich und einem gezimmerten Bauteil zusammen und trägt ein (heute) brettergedecktes Rofendach mit Schopfwalmabschlüssen.
Die Mitte bilden in den beiden Geschossen gewölbte Mittelflure, die so genannten Labn, zwischen denen eine ebenfalls überwölbte Treppe vermittelt. Links schließt sich daran ein Wohnbereich mit Gewölbekeller und ein darüber im ersten Obergeschoß befindlicher Speicherraum an. Rechts ist der Labn ein Holzblockbau auf Steinfundamenten angesetzt, der hangseitig durch eine verputzte Steinmauer gegen Hangdruck und Druckwasser geschützt wird.
Der in traditioneller Zimmermannstechnik ausgeführte Blockbau zeigt bis auf drei später vergrößerte Fenster der Rauchstube originale kleine Fensteröffnungen mit Schubläden, im gemauerten Teil des Hauses befinden sich größere, ungleichmäßig gesetzte, teilweise vergitterte Fenster.
Die Rauchstube des Erdgeschosses birgt eine überwölbte Feuerstelle, der darüber liegende Stubenraum enthält Reste eines späteren Kachelofens. Die räumliche Konfiguration des Hauses bekundet die über Jahrhunderte tradierte Lebens- und Wohnform der bäuerlichen Bevölkerung der Obersteiermark.  

Sanierung

In den ersten Jahren waren grundsätzliche Sicherungsmaßnahmen wie eine neue Dachdeckung mit Lärchenbrettern und die Konsolidierung der Statik, im Besonderen des gezimmerten Stubenteils von vordringlicher Wichtigkeit. Da das Objekt auch als Ferien- und Seminarhaus adaptiert werden sollte, wurde hangseitig ein weitgehend im Gelände eingebundener Zubau mit zeitgemäßer Infrastruktur hinzugefügt, ohne die historische Bausubstanz zu beeinträchtigen. 
Rechtzeitig zur Präsentation des Hauses am Tag des Denkmals 2011 wurde eine neue intensive Sanierungsphase eingeleitet, die zahlreiche baudenkmalpflegerische Lösungen erforderte. Die Feuerstelle wurde wiederhergestellt und die Fassadenputze fachgerecht restauriert und ergänzt.
Im August 2011 schien dann das gesamte Projekt akut in Gefahr: Beim Versuch, das seit Baubeginn massiv gefährdete Gewölbe der Labn im Erdgeschoß zu sanieren, kam es zu verstärktem Schub auf die Südwand und dem Einsturz des Gewölbes. Daraufhin war die Sicherung der Südwand mittels Stützpfeiler erforderlich, da auch das obere Gewölbe einzustürzen drohte. Letztlich konnte die Statik ins Gleichgewicht gebracht und das Gewölbe wiederhergestellt werden.
Die Rettung dieses bedeutenden Baudenkmals ist dem außerordentlichen persönlichen Bemühen von Familie Staubmann zur denkmalgerechten Erhaltung in Kooperation mit dem Bundesdenkmalamt zu verdanken.

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