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Juli
Eine Schatzkammer zur Identitätsstiftung

copyright: Milli Kaufmann

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Die Schatzkammer des Stiftes Klosterneuburg mit ihren zahlreichen Kostbarkeiten ist für Geschichte und Identität des Landes von großer Bedeutung. Zahlreiche Objekte nehmen Bezug auf die Gründungslegende des Klosters, auf das Erzherzogtum Österreich und auf das Leben des Landespatrons von Niederösterreich, des Hl. Leopold. Mit der Restaurierung der Schatzkammer, ihrer Einrichtung und ihrer Exponate wird so ein Stück Geschichte für die Öffentlichkeit erlebbar.
Bereits aus der Zeit der Antike sind Zeugnisse von Schatzhäusern und Schatzkammern erhalten. Sie bargen Weihegaben an eine Gottheit und standen daher mit einem Tempel in Verbindung oder dienten einem Herrscher zur Aufbewahrung seiner Kostbarkeiten. Sie stellten somit ein Dokument seiner Macht und seines Reichtums dar.
Nach Klosterneuburg brachte besonders der Sohn Markgraf Leopolds III., Otto, zahlreiche kostbare Reliquien aus Paris, wohin er zum Studium gesandt worden war, Hier war die Schatzkammer lange Zeit in der Nikolauskapelle situiert. Die mit Stuck und Fresken der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ausgestatte Kapelle erhielt 1677/78 zehn prachtvolle Schränke aus massivem Nussbaumholz und Nussfurnier. Für ihre Fertigung zeichnete der im bayerischen Altötting gebürtige Drechsler und Kunsttischler Marzellin Ortner (1633 – 1692) verantwortlich, der als Laienbruder im Stift Klosterneuburg tätig war. Die Kästen bargen von da an die Schätze des Stiftes, zahlreiche Reliquien und Preziosen.
1837 wurde die Nikolauskapelle abgebrochen und die prächtigen Schränke in einem großen Raum im Erdgeschoß des 1730 -1740 erbauten Kaisertraktes aufgestellt. Da es sich dabei um eine rein museale Aufstellung handelte und auch die Sicherheitsvorkehrungen ungenügend waren, wurde die Schatzkammer 1975 innerhalb des Erdgeschosses des Kaisertraktes in einen anderen Raum verlegt, um schließlich aufgrund eines neuen Besucherkonzeptes im Jahr 2010 ihren jetzigen Standort zu erhalten. Sie ist nun räumlich beträchtlich vergrößert und allgemein zugänglich. Neben der Restaurierung der Raumschale wurde die Schatzkammer mit neuester Beleuchtungs- und Klimatechnik ausgestattet und entspricht darüber hinaus auch den aktuellen Sicherheitsstandards.
Die historischen Schränke, die bisher für die Besucher extra geöffnet und wieder verschlossen werden mussten, wurden abgebaut, konserviert, restauriert und am neuen Ort wieder aufgestellt. Ihr Innenleben erfuhr dabei eine komplette Erneuerung mit konservatorisch unbedenklichen Materialien wie Stahl und Glas. Die Schränke sind mit der Farbe und Maserung des Nussbaumholzes, den schweren Säulen, dem massiven Gebälk und den kraftvollen Akanthusschnitzereien stilistisch im Umkreis norditalienischer Möbel aus der Phase des Übergangs von manieristisch-frühbarocken zu modernen hochbarocken Formen zu verorten.
In einen der Schränke wurde vermutlich bereits 1677 ein tabernakelähnliches Gehäuse eingesetzt, um einen der wichtigsten Schätze des Stiftes Klosterneuburg gleichsam wie eine Reliquie aufzubewahren, den österreichischen Erzherzogshut, die offizielle Krone des Erzherzogtums Österreich – das sind die heutigen Bundesländer Nieder- und Oberösterreich.
Der Erzherzogshut - er bildet nun das Zentrum der neuen Schatzkammer - ist eine Stiftung Erzherzog Maximilians III., 1558 – 1618, aus dem Jahr 1616. Die Stiftungsurkunde legt fest, dass diese Krone immer im Stift Klosterneuburg aufbewahrt werden müsse und nur zur Erbhuldigung – zur offiziellen Amtseinsetzung eines neuen Landesfürsten – nach Wien gebracht werden dürfe. Der österreichische Erzherzogshut sollte Österreich, so wie Ungarn die Stephanskrone und Böhmen die Wenzelskrone, die identitätsstiftende Leopoldskrone sein.
Neben dem Erzherzogshut unterliefen auch so wichtige Stücke wie der Reisealtar des Hl. Leopold mit dem im Sockel eingelassenen Schleier der Hl. Agnes, die Schädelreliquie des Hl. Leopold oder aber auch der Markgrafenornat eine Restaurierkampagne. Sowohl der Schleier der Hl. Agnes als auch die Schädelreliquie des Hl. Leopold lassen sich mit Geschichte und Identität Niederösterreichs in Verbindung bringen.
Die Stoffreste des Markgrafenornates, die der Legende nach vom Waffenrock des Hl. Leopold stammen, datieren tatsächlich aber in das 14. Jahrhundert und weisen orientalische Provenienz auf. Das Bildmotiv auf einem dieser Ornatfragmente wurde zum heutigen Motiv des Landeswappens von Niederösterreich, wenn sich auch die Vogelart vom Papagei auf dem Stoff über die Lerche zum Adler auf dem Wappen gewandelt hat. Glasscheiben aus dem 14. Jahrhundert im ehemaligen Kapitelsaal des Stiftes beweisen die Wappen-Werdung dieses Stoffmotivs.
Die Schatzkammer des Stiftes Klosterneuburg ist seit Mai 2011 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
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