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Jänner
Jungle Fever – Das Boulevardtheater im Annahof

Boulevardtheater im Annahof
© BDA/Bettina Neubauer

Der Theatersaal
© BDA/Bettina Neubauer

Vorraum des Theaters
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Vor der Restaurierung
© BDA/Bettina Neubauer

Vor der Restaurierung, Detail
© BDA/Bettina Neubauer

Nach der Restaurierung, Tapete Entwurf Brazil
© BDA/Bettina Neubauer

Nach der Restaurierung, Tapete Entwurf Odessa
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Tag des Denkmals 2010, DI Oliver Schreiber bei Erklärungen zu den Restaurierungsarbeiten
© BDA/Bettina Neubauer

Tag des Denkmals 2010 Bundesministerin Dr. Claudia Schmied und Präsidentin Dr. Barbara Neubauer
© BDA/Bettina Neubauer
Bühne frei für die wilde Welt der Wiener Unterhaltungsbühnen der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Dort wo Hans Moser seine ersten Auftritte feierte, Fritz Grünbaum auf der Bühne Witz und Intellekt verband und Fatty George nach dem Zweiten Weltkrieg das erste Jazz Lokal der Stadt eröffnete, lag eine der schönsten Boulevardbühnen Wiens seit über einem halben Jahrhundert im Dornröschenschlaf.
Wach geküsst wurde das Etablissement von einem jungen Unternehmer, der in den Räumlichkeiten mitten im Wiener Stadtdschungel den idealen Rahmen für den Vertrieb seiner Streetwear Kollektion erblickte. Das gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt umgesetzte Restaurierkonzept erlaubt den Kunden und Besuchern des Geschäfts einen unerwarteten Seitenblick hinter die Kulissen einer längst vergangenen und leider oft vergessenen Epoche der österreichischen Unterhaltungskultur der Zwischen- und Nachkriegszeit.
Im späten 19. Jahrhundert wurde an der Stelle des ehemaligen Annaklosters, Anngasse 3, Wien 1., nach Plänen der Architekten Ferdinand Fellner und Hermann Helmer ein späthistoristisches Wohn- und Restaurationsgebäude errichtet. 1909/10 wurde der große Saal der im Erd- und Untergeschoss untergebrachten „Bierwirtschaft“ durch das Einziehen einer Zwischendecke abgeteilt und im Untergeschoss als Theatersaal ausgebaut. Der Saal bot Platz für vierhundert Gäste, die am zentralen Parkett oder in den leicht erhöhten, seitlichen Logen den Aufführungen beiwohnen konnten. Herausragend sind die Gestaltung der Füllungsfelder und des eisernen Vorhangs mit bedruckten Papiertapeten. Nach aufwändigen Recherchen, unter anderem in den Archiven des Museums für Angewandte Kunst, konnten die beiden Musterrapporte als Entwürfe Otto Prutschers (1880 – 1949) identifiziert werden.
Als Entwerfer stand Prutscher im Dunstkreis der Wiener Werkstätten und konnte sich schließlich im Umfeld der Wiener Secessionisten etablieren. Die beiden Tapetenmuster im Annahof sind eine spielerische Variante secessionistischer Entwurfsprinzipien. Der Entwurf „Brazil“ übersetzt das wilde Wuchern des tropischen Dschungels als grafische Explosion in die zweidimensionale Fläche. Stark farbige Pflanzenranken und Papageienvögel verschlingen sich vor einem eleganten, tiefschwarzen Fond. Noch abstrahierter begegnet uns das ornamentale Ranken des rot – schwarzen Tapetenentwurfs „Odessa“ für die Kurtine des Theaters.
Als das Theater im Annahof 2009 wieder entdeckt wurde, befanden sich die Tapeten in einem äußerst bedauerlichen Zustand. Teilweise abgerissen oder überstrichen, waren nur mehr Reste der ursprünglichen Ausstattung intakt. Diese waren gleichwohl der größte, zusammen hängende Komplex eines Tapetenentwurfs von Otto Prutscher. Nach längerem Zögern entschied man sich für die Restaurierung der verbliebenen Tapetenstücke und eine Rekonstruktion der verlorenen Partien. In einem ersten Schritt wurden die originalen Tapeten dokumentiert und der Musterrapport der beiden Tapetenentwürfe aufgenommen. Anschließend mussten die verbliebenen Tapeten gesichert und gereinigt werden. Ein Team qualifizierter Papierrestauratorinnen konnte letztlich einen überraschend großen Bestand originaler Tapeten für die Nachwelt erhalten. In einem zweiten Schritt wurden die Tapeten nach den aufgenommenen Rapporten drucktechnisch reproduziert und die Fehlstellen mit den neu hergestellten Tapeten geschlossen.
Die gelungene Restaurierung wurde am Tag des Denkmals 2010 in Anwesenheit von Bundesministerin Dr. Claudia Schmied und Präsidentin Dr. Barbara Neubauer der Öffentlichkeit präsentiert. Die aufregende Geschichte der Wiederentdeckung des Boulevardtheaters im Annahof wird im Frühjahr 2011 in einer kleinen Broschüre der Reihe „wiederhergestellt“ gewürdigt.
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