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November

Leben und Speisen in alten GemäuernDas Oberstbergmeisteramt in Obervellach

Zweigeschossiger Arkadengang mit toskanischen Säulen im nunmehr überdachten Innenhof. ©Oberstbergmeisteramt

Das überkommene Erscheinungsbild der Außenfassade wurde weitgehend beibehalten. © Oberstbergmeisteramt

Detail der Ansicht von Obervellach aus der Khevenhüller-Chronik (1620) mit einem bereits dreigeschossigen, zweigiebeligen Oberstbergmeisteramt.

Im Bereich der Eingangshalle und den angrenzenden Räumen konnte Mauerwerk des 13. Jahrhunderts nachgewiesen werden! © Oberstbergmeisteramt

Café im Erdgeschoss © BDA/ Moravi

Bewahrte Fragmente von Malereien des 19. Jahrhunderts © BDA/ Moravi

Verleihung der Medaille für besondere Verdienste um den Denkmalschutz in Stift Ossiach © BDA/ Moravi

Innerhalb der letzten zwei Jahre wurde das Gebäude des ehemaligen Oberstbergmeisteramtes saniert, restauriert und für eine Mehrfachnutzung adaptiert.  

Die Eigentümergeschichte des Oberstbergmeisteramtes reicht bis ins 16. Jahrhundert - die Blütezeit des Oberkärntner Edelmetallbergbaues - zurück: Seit dem Jahr 1509 gab es in Obervellach dieses Amt, das für den gesamten Bergbau in Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain verantwortlich war. Im Jahr 1553 ließ Erzherzog Ferdinand ein damals bereits bestehendes Haus am Hauptplatz als künftiges Amtsgebäude seines obersten Bergbeamten ankaufen. Mehr als zweihundert Jahre diente es als ständiger Amtssitz, bis es 1784 vor dem Hintergrund einer Neustrukturierung der Bergbehörde versteigert wurde und zunächst in private Hände, später in das Eigentum des Ärars überging.

Bis heute ist die dem Hauptplatz zugewandte Schaufassade von der repräsentativen Umgestaltung geprägt, die der neue Eigentümer seinem Haus im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts angedeihen ließ: zeittypische Baudetails sind das Rustikaportal und horizontalverdachte, mit gekehlten Sohlbänken versehene Fensteröffungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss. Nur wenig später dürfte das Gebäude aufgestockt worden sein, so ist es in der Khevenhüller-Chronik (um 1620) bereits dreigeschossig dargestellt! Da nur noch eine einzige Fensteröffnung im Eingangsbereich Steckgitter aufwies, alle übrigen Kastenstockfenster jedoch großteils auf das frühe 20. Jahrhundert zurückgingen, entschloss man sich zur Beibehaltung des überkommenen Erscheinungsbildes.

Im Einfahrts- und Hoftrakt mit überwiegend renaissancezeitlichen Gewölben und Arkadengängen wie auch in den Innenräumen waren die ursprünglichen Farbschichten noch so gut erhalten, dass die Farbgebung - laut Befund von Restaurator Mag. Herwig Hubmann in einem in Grau gebrochenem Weißton - darauf abgestimmt werden konnte. 

Um dem Wunsch der Eigentümer nach wirtschaftlich kompatiblen Raumgrößen in den Obergeschossen zur Nutzung als Seminarräume und Apartments zu entsprechen, mussten einige Repräsentativräume unterteilt werden. Damit die ursprüngliche Raumwirkung zumindest spürbar bleibt, wurden Oberlichten vorgesehen, die als Nurglaskonstruktionen direkt an die Stuckdecken anschließen. Die historische Raumabfolge blieb trotz dieser - jederzeit reversiblen - Einbauten weitgehend gewahrt.

Parallel zu den Baumaßnahmen wurde im Auftrag des Landeskonservatorates eine Bauuntersuchung durchgeführt: Bauforscherin Mag. Christiane Wolfgang fand heraus, dass sich die ältesten Mauerzüge im platzzugewandten Gebäudetrakt befinden. Da ihr lagerhaftes, mit Bachsteinen versetzte Mauerwerk als Charakteristikum des 13. Jahrhunderts bewertet wird, muss der Kernbau wesentlich älter sein, als man bisher vermutete. 

Im Erdgeschoss, wo nun ein Café und das örtliche Tourismusamt eingerichtet sind, entdeckte man im Zuge der Bauarbeiten im Osttrakt frühneuzeitliche Keramik- und Hohlglasfragmente wie auch Reste von Malereien des 19. Jahrhunderts. Auch diese Funde blieben erhalten und werden heute liebe- und stilvoll präsentiert.

Für den sensiblen Umgang mit dem Bestand wurde die Besitzgemeinschaft Wolfgang Rotomer und DI Josef Vierbauch am 13. Oktober 2010 von Sektionschef Dr. Michael P. Franz als Vertreter von Kulturministerin Dr. Claudia Schmied mit einer Medaille für Verdienste um den Denkmalschutz ausgezeichnet.


Literatur:

Hubmann, Herwig: Oberstbergmeisteramt - Architekturuntersuchung im Auftrag des Bundesdenkmalamtes/ Landeskonservatorates für Kärnten, 2009

Wehdorn, Manfred: Zeitschrift für geschichtliche Landeskunde 164/ 1974, S. 135ff.

Wolfgang, Christiane: Oberstbergmeisteramt - historische Bauuntersuchung im Auftrag des Bundesdenkmalamtes/ Landeskonservatorates für Kärnten, 2009

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