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Dezember

WasserkunstDornröschenschlaf im Gartengesamtkunstwerk Belvedere-Park beendet

Muschelbrunnen

Muschelbrunnen nach der Restaurierung. Aufgrund der großen Höhe der Mauer beim Muschelbrunnen und des Drucks des dahinterliegenden Erdreichs mussten umfangreiche statische Untersuchungen durchgeführt werden.

Brunnen vor dem Unteren Belvedere

Der Brunnen vor dem Unteren Belvedere nach der Restaurierung und kurz vor der Inbetriebnahme der Fontänen.

starke Schäden an Brunnenfiguren

Viele der Brunnenfiguren befanden sich vor der Restaurierung in einem äußerst desolaten und zum Teil stark beschädigten Zustand.

fehlende Teile an den Brunnenfiguren

Fehlende Hände (im Bild die Figurengruppe des Kaskadenbrunnens noch vor der Restaurierung), Arme, Flossen, Beine, Köpfe etc. mussten von RestauratorInnen anhand von historischen Fotos und Abbildungen oder noch vorhandener Fragmente in der barocken Formensprache aufwendig materialgerecht wieder instandgesetzt werden.

Schäden an Brunnenfiguren

Aufgrund der Belastungen durch Witterungseinflüsse (Regen, Schnee, Hagel, Eis, Frost, Wind, Sonne etc.) waren die jahrhundertealten Brunnenfiguren in große Mitleidenschaft gezogen. Hier im Bild eine Statue des Kaskadenbrunnens.

Muschelbrunnen historisches Foto

Der Muschelbrunnen auf einer historischen Aufnahme noch mit Bewuchs.

Europäischer Tag des Denkmals 2006

Bei einer Sonderführung mit riesigem Besucherandrang im Rahmen des Europäischen Tag des Denkmals 2006, damals unter dem passenden Schwerpunktthema „Am Wasser“, konnten die laufenden Baumaßnahmen an den historischen Wasserspielen bestaunt werden.

Wasserüberlaufprobe

Neben den umfangreichen Restaurierungsarbeiten an den Steinteilen der Brunnenanlagen mussten auch wassertechnische Herausforderungen gelöst werden. Vor Baubeginn wurden am Kaskadenbrunnen umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, um die optimale Wasserüberlaufmenge zu eruieren. Die Größe der notwendigen, unterirdisch situierten Pumpenanlagen und ein möglichst kostenschonender Langzeitbetrieb der Brunnen hängen von den benötigten Wassermassen ab.

Wasserüberlaufprobe

Für das Erscheinungsbild des Kaskadenbrunnens ist es natürlich besonders wichtig, die Menge (m³/s), Art und die Form, wie die riesigen Wassermassen über die Kaskaden strömen, frühzeitig zu ermitteln. Hierbei wurde einerseits besonders auf die historischen Vorgaben geachtet und andererseits versucht, die Wassermengen aus Kostengründen auf das Notwendige zu beschränken.

Fontänenprobe

Die vielen verschiedenen Fontänen mussten im Hinblick auf Strahlhöhe, -dicke und -art mittels verschiedenster Düsen und unter Berücksichtigung von möglichen Windbelastungen geprüft werden, um dem barocken Erscheinungsbild wieder zu entsprechen.

Canaletto

Blick über die Gartenanlage des Belvedere (re.) im berühmten Canaletto-Gemälde (1758-1761), Kunsthistorisches Museum Wien.

Pfirsichgarten

Historische Aufnahme des Brunnens im Pfirsichgarten. Die in der Konche stehende Brunnenskulptur wurde nach dem 2. Weltkrieg entfernt und steht heute an der Südmauer der Orangerie im Kammergarten.

Brunnen Pfirsichgarten nach Instandsetzung

Nach schweren Schäden am Mauerwerk, den Abdeckungen und den Skulpturen wurde die Brunnenanlage im Pfirsichgarten durch die Burghauptmannschaft wieder restauratorisch instandgesetzt.

Treillage Pavillon

Die Rekonstruktion der wunderbaren Treillagepavillons im Kammergarten des Belvedere zählt zu den gartendenkmalpflegerischen Zielen für die Zukunft.

Treillage Pavillons im Kammergarten

Die derzeit zum Großteil zerstörten Pavillons aus Holzgitterwerk mit den dazugehörigen bewachsenen Laubengängen würden das historische Erscheinungsbild des Kammergartens des frühen 18. Jahrhunderts komplettieren.

Blick über den Kammergarten zum Oberen Belvedere

Blick über den Kammergarten zum Oberen Belvedere

Belvedere Übersicht 1731

Belvedere Übersicht 1731

Belvedere Übersicht Grundriss 1731

Belvedere Übersicht Grundriss 1731

Kaskadenbrunnen

Kaskadenbrunnen

Muschelbrunnen

Muschelbrunnen
Ansicht v. Kupferstecher Salomon Kleiner (aus „Wunder würdigen Kriegs- und Siegs-Lager“, 1731 – 1740; 114 Tafeln)

Brunnen vor dem Unteren Belvedere

Brunnen vor dem Unteren Belvedere

Jahrzehntelang lagen die Brunnenanlagen im berühmten Schlosspark Belvedere in Wien im Trockenen. Jetzt wurden sie aufwändig wieder instandgesetzt und erstrahlen in märchenhafter Pracht.

Der Schlosspark Belvedere des Prinzen Eugen mit seinen Brunnenanlagen ist ein Paradebeispiel barocker Gartenkunst. Zwischen den märchenhaften Kulissen des Oberen und Unteren Belvedere spannt sich ein in Treppen und Kaskaden abfallender Garten auf. Das gesamte Ensemble zählt zu den weltweit schönsten und am besten erhaltenen historischen Schloss- und Parkanlagen.

Wasser mit seinen optischen und akustischen Effekten spielte im Barock als gartenkünstlerisches Gestaltungsmittel eine besondere Rolle. Die beeindruckenden Brunnenanlagen wurden zur Verherrlichung der maßgeblichen Personen der Zeitgeschichte aufgestellt und brachten Macht und Reichtum zum Ausdruck. Hinter den Wasserspielen verstecken sich aufwändige technische Systeme (kilometerlange Wasserleitungen, Tunnel, Kanäle, Hebewerke etc.) zur Speisung der Fontänen. Genau diese zum Großteil unsichtbare, weil unterirdisch, technische Infrastruktur musste zusätzlich zu den Restaurierungsarbeiten an den eigentlichen Brunnenanlagen aufwendigst erneuert werden. Teilweise waren Leitungen gar nicht mehr vorhanden oder unterirdische Gänge eingestürzt.
Aufgrund dieser massiven Schäden, die teilweise noch aus dem 2. Weltkrieg stammen, und Undichtheiten mit hohen Wasserverlusten waren die Brunnenanlagen im einzigartigen barocken Garten über viele Jahre stillgelegt. Aber langsam erwachten die Wasserspiele, Brunnen für Brunnen, nach umfangreichen Arbeiten seit 2005 wieder zu neuem Leben.

Die Bestandserhebungen und Voruntersuchungen für die Generalsanierung und -restaurierung der 12 historischen Brunnenanlagen mit Becken und baukünstlerischen und skulpturalen Elementen sowie der dazu gehörenden technischen Infrastruktur im Belvedere-Garten begannen bereits im Jahr 2004.
Die wichtigen archäologischen Untersuchungen fanden in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Bodendenkmale des BDA durch Projektleiter Ing. Alfons Krickl vom Büro Wehdorn Architekten ZT GmbH statt. Anhand dieser archäologischen Ergebnisse wurden die historischen Plandokumente überprüft.
Bei den Voruntersuchungen für die Figuren und Steinteile wurden die Abteilung Restaurierwerkstätten Kunstdenkmale des BDA und ein Fachrestaurator hinzugezogen. Ein Statiker prüfte zusätzlich alle Maßnahmen.
Bezüglich der historischen Niveaus und exakten Lage der Brunnen wurde von der Abteilung für historische Gartenanlagen (OR Univ.Doz.Dr. Geza Hajos) des BDA eine Untersuchung in Auftrag gegeben.

Das BDA arbeitete mit Ao.Univ.Prof. Mag.rer.nat. Dr.nat.techn. Franz Ottner vom Institut für Angewandte Geologie der Universität für Bodenkultur Wien zusammen, um Fragen zum Thema Lehmschlag abzuklären. Die historische Abdichtungstechnik mit Lehmschlag wurde genau dokumentiert. In diesem Zusammenhang fand auch ein Wissensaustausch mit den zuständigen Stellen in Versailles statt. Bei Brunnen-Restaurierungen im Schlossgarten Versailles nahe Paris werden nach wie vor auch Lehmschlag-Abdichtungen eingesetzt.

Erst aufgrund der genauen Voruntersuchungen war eine detailgetreue und denkmalpflegerische Instandsetzung der Brunnenanlagen gewährleistet.

Mitte 2005 konnte der 1. Bauabschnitt mit den Brunnenanlagen im Kammergarten und den Brunnen vor dem Unteren Belvedere begonnen werden. Die Wasserbecken mit ihren Wasserspielen wurden von der Burghauptmannschaft abschnittsweise in den darauf folgenden Jahren restauriert.

Bei einer Sonderführung mit riesigem Besucherandrang im Rahmen des Europäischen Tag des Denkmals 2006, damals unter dem passenden Schwerpunktthema „Am Wasser“, konnten die laufenden Baumaßnahmen an den historischen Wasserspielen bestaunt werden.
2008 fanden die umfangreichen Restaurierungsarbeiten am eindrucksvollen Muschelbrunnen ihren Abschluss.

Parallel dazu liefen die intensiven Vorbereitungen für eine der größten Herausforderungen: der Kaskadenbrunnen. Dieser Brunnen und die Instandsetzungsarbeiten waren alleine schon wegen der großen benötigten Wassermengen eine technische Meisterleistung. 2009 konnten die umfangreichen Arbeiten am Kaskadenbrunnen jedoch bereits abgeschlossen werden.

Nach Beendigung der Arbeiten am Brunnen 1, dem großen Brunnenbecken im Süden des Oberen Belvedere, werden ab 2011 alle Brunnen wieder befüllt und bespielbar sein. Dies stellt nicht nur für die vielen Wiener BesucherInnen und JoggerInnen im Belvedere-Park einen „erfrischenden“ Mehrwert dar, auch hunderttausende Gäste aus der ganzen Welt erfreuen sich ebenso an dieser imposanten Wasserkunst.

Zu den vielen durchgeführten Arbeiten in den letzten Jahren im Belvedere zählen neben den Brunnenanlagen die Adaptierungen der Orangerie für Sonderausstellungen, des Kustodentrakts, des Prunkstalles (Schatzhaus Mittelalter), des Unteren Belvedere, die Restaurierungen der Attikafiguren am Oberen und Unteren Belvedere, die Instandsetzung der Freitreppen und Sphingen, von Teilen der Fassaden am Unteren Belvedere, der Parkmauern, der Parktore und Dächer sowie des Ende Oktober 2009 eröffneten Belvedere-Research Centers. Die Burghauptmannschaft Abteilung Belvedere unter Frau AD Ing. Ursula Jörg garantiert mit ihrem engagierten Team für die jeweiligen Vorhaben die kompetente Umsetzung.
Da die barocken Schlossanlagen immer als Gesamtkunstwerk geplant wurden, um die künstlerische Einheit der Bauten mit ihrer freiräumlichen Umgebung zu erzielen, kommt der Wiederherstellung und Neupflanzung der obersten Kompartimente beim Oberen Belvedere durch die Bundesgärten (Direktorin Dipl.-Ing. Brigitte Mang, Dipl.-Ing. Gerd Koch) in Zusammenarbeit mit der Abteilung für historische Gartenanlagen (OR Univ.Doz.Dr. Geza Hajos) besondere Bedeutung zu.

Seit dem Jahr 2005 werden diese interessanten Gartenfelder nach historischem Vorbild, dem sogenannten „Stuttgarter Plan“ aus der Zeit um 1726, abschnittsweise wiederhergestellt und neu bepflanzt. Das Ergebnis lässt sich am besten vom Marmorsaal im Oberen Belvedere aus, dem Luftbildfoto der „Wien Kulturgut Architektur Karte“ im Internet oder unter Google Earth bewundern. Alle Arbeiten im Belvedere-Garten sind auf Basis eines so genannten Parkpflegewerks zu prüfen und beurteilen.
Die laufende Begleitung und Überwachung aller denkmalpflegerischen Arbeiten in der Schlossanlage Belvedere finden durch das Bundesdenkmalamt – Landeskonservatorat für Wien, die Abteilung Restaurierwerkstätten und die Abteilung für historische Gartenanlagen des BDA statt.

Trotz der umfangreichen Investitionen vonseiten der Burghauptmannschaft, der Bundesgärten und des Belvedere gibt es noch ein großes gartendenkmalpflegerisches Ziel, nämlich die Rekonstruktion der wunderbaren und wichtigen Treillagepavillons im Kammergarten des Belvedere. Diese kleinen, derzeit zum Großteil zerstörten Pavillons aus Holzgitterwerk mit den dazugehörigen bewachsenen Laubengängen würden das historische Erscheinungsbild des Gartens des frühen 18. Jahrhunderts komplettieren.

Diese hier genannten, oftmals für die BesucherInnen gar nicht sichtbaren, umfangreichen Investitionen und Arbeiten im Belvedere stellen die wichtige Voraussetzung für die Erhaltung des Weltkulturerbes Gesamtkunstwerk Belvedere dar. Wir hoffen, dass sich viele BesucherInnen daran erfreuen. Die Brunnen werden nach der Winterpause wieder in Betrieb gehen.

Projektbeteiligte (Auszug):

Burghauptmannschaft 
     Burghauptmann Hofrat Dipl.Ing. Wolfgang Beer
     ADir. Ing. Ursula Jörg
     Erich Roser
     FOI Kurt Franke
     OR Dipl.-Ing. Roland Lehner

Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend (vormals Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit)
     MR Dipl.-Ing. Christian Zima

Generalplanung: Wehdorn Architekten Ziviltechniker GmbH
     Ing. Alfons Krickl (Projektleiter)
     Dipl.-Ing. Armin Weiser
     Ing. Ludwig Varga

Projektsteuerung: Arge Mahlknecht – Bergsmann
     Ing. Reinhard Bergsmann
     Dipl.-Ing. Martin Johannes Pecha

Örtliche Bauaufsicht: Arch. DI Herbert Beier ZT GmbH

Fachplanung Restaurierung: Rest. Heinz Stöffler

Fachaufsicht Restaurierung: Atelier Mag. Christian Gurtner

Bundesgärten Wien_Innsbruck
     Direktorin Dipl.-Ing. Brigitte Mang
     Dipl.-Ing. Gerd Koch

Landschaftsarchitektur Prof. Dipl.-Ing. Stefan Schmidt

Bundesdenkmalamt (BDA):
     Landeskonservatorat für Wien
     Abteilung für Bodendenkmale
     Abteilung für historische Gartenanlagen
     Restaurierwerkstätten Kunstdenkmale
     Naturwissenschaftliches Labor








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