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August

Aug in Aug mit dem „Steirischen Prinzen“

Der Erzherzog steht wieder, gereinigt und konserviert, auf seinem Platz. © Kolmanitsch

Das Erzherzog-Johann-Brunnen-Denkmal vor der Restaurierung.

Die Statue wird für den Abtransport vorbereitet.

Situation im Morgengrauen-unmittelbar vor dem Abheben der rund 2 Tonnen schweren Bronzestatue mittels Kran.

Der Erzherzog schwebt über "seinen" Hauptplatz.

Blick von oben: das Eisen ist beinahe gänzlich korrodiert.

Erneuerte Befestigung aus einer Edelstahlkonstruktion. © Kolmanitsch

Hand in Hand mit dem Steirischen Prinzen.

Für die Dauer der Sanierung wartet Erzherzog Johann neben dem Brunnen auf seinen angestammten Platz.

Gussflicke

Die Gussnaht zeigt, dass der Erzherzog in mehreren Teilen gegossen wurde.

Die Haupt- verschmutzungsursache ist deutlich zu erkennen, nämlich Taubenkot.
© Kolmanitsch

Durch Korrosion aufgequollene Befestigungseisen für das Standbild des Erzherzogs.© Kolmanitsch

Der Lageplan zeigt den Aufstellungsort des Denkmals am Hauptplatz, 1872. © Grazer Stadtarchiv

Bleistiftzeichnung , unsign., undat., um 1865/70. © Stadtarchiv Graz

Graz-Hauptplatz, Alte Postkarte, Kunstverlag S. Frank, 1920/21.

Anfang August hatten Interessierte Gelegenheit bei der Restaurierung des Erzherzog-Johann-Brunnen-Denkmals in Graz dabei zu sein. Eisenkorrosion und Taubenkot hatten dem Denkmal in den letzten Jahren zugesetzt. Neben der nötigen Arbeit im Steinbereich lag der Schwerpunkt bei der Sanierung der Metallteile.

Geschichte:
Unmittelbar nach dem Tode des Erzherzogs am 11. Mai 1859 konstituierte sich ein Ausschuss zur Errichtung eines Denkmals, 1860 gab der Kaiser dazu die Erlaubnis und 1870 wurde der Auftrag an den Bildhauer und Erzgießer Franz Xaver Pönninger vergeben. Pönninger leitete von 1864 bis 1896 die k.u.k. Gussanstalt in Wien, in jener Zeit entstanden rund 1.000 monumentale Bronzegüsse in der gesamten Monarchie.
Als Aufstellungsplätze waren zunächst der Neutorplatz und dann der Eiserne-Torplatz vorgesehen, wo bereits die Grundsteinlegung erfolgte. Dann fiel die Wahl auf den Hauptplatz, als wichtigsten Platz in Graz für den wichtigsten „Steirischen Prinzen“. Heute ist das Brunnen-Denkmal als integrierender Bestandteil des Grazer Hauptplatzes dort nicht mehr wegzudenken.
Die Denkmalanlage mit ihrer technologischen Konzeption und Ausführung entsprach ganz ihrer Zeit. Bronzeteile, hergestellt nach dem Sandguss-Teilölkastenverfahren, wurden mit verdeckten Befestigungselementen, ebenfalls aus Bronze, zum Gesamtkunstwerk verarbeitet.
1876 begann die Firma Johann Franz mit der Sockelaufstellung, am 8. September 1878 wurde in Anwesenheit des Kaisers Franz Joseph I. das Denkmal enthüllt. Bei der letzten Renovierung vor rund 30 Jahren wurden u.a. die Patina abgenommen und in opalen rot-braunen Farbnuancen neu patiniert sowie die Namen der Flüsse am Sockel angebracht.

Restaurierung:
Die Reparaturmaßnahmen erfolgten aufgrund der vorgefundenen Schäden durch Eisenkorrosion, sie konnten vor Ort vorgenommen werden. Für das Auswechseln der durch Korrosion aufgequollenen vier Befestigungselemente war das Abheben des Standbildes (mit einer Masse zwischen 1000 - 2000 kg) erforderlich. Tragende Teile der Gesamtkonstruktion wurden dabei nicht berührt. Eine Trockeneisreinigung der Oberfläche wurde u.a.  als konservatorische Maßnahme an den Bronzeteilen vorgenommen, bestehend aus einer Reduktion der vorliegenden Verschmutzungen sowie der Korrosionsprodukte und ein Ausspülen wasserlöslicher Korrosionsformen. Nach Reinigung erfolgte die abschließende Beschichtung der Oberfläche mit mikrokristallinem Wachs im Kaltverfahren. Das Wachs bietet eine Barriere gegenüber dem Eindringen bei Beschmierungen üblicherweise eingesetzter Materialien (z.B. Sprühlacke) in den Oberflächenverband und erleichtert somit deren Abnahme. Bei ähnlichen Konstellationen (besonnter und stark frequentierter Standort im urbanen Bereich) konnten mit dieser Methode bereits gute Ergebnisse erzielt werden. Seit Montag, 10. August steht der  gereinigte und konservierte Erzherzog nun wieder auf seinem Platz. Auch die gusseisernen Brunnengitter sind nun mit Minium korrosionsgeschützt und nach Befundung in Grün gestrichen. Die österreichische Gesellschaft für Denkmalfreunde unterstützt die Arbeiten am Erzherzog-Johann-Brunnen-Denkmal dankenswerterweise großzügig finanziell.

Beschreibung:
Das Brunnendenkmal als Zentrum des Hauptplatzes hat einen großzügigen Stein-Terrassenaufbau und zeigt allegorische Bronze-Flussfiguren und die Bronze-Monumentalstatue Erzherzog Johanns mit einer Gesamthöhe von über acht Metern. Die Diagonalen des quadratischen Terrassenaufbaues mit abgerundeten Ecken weisen in die vier Himmelsrichtungen. Die Basis bildet ein Marmorsockel mit vier Freitreppen und vier Brunnenbecken in den Ecken. Darüber sitzen auf Postamenten, die durch Eisengitter verbunden sind, überlebensgroße, allegorische Frauenfiguren in antiken Gewändern. Die Oststatue stellt die Mur dar und stützt sich auf das Wappen der Stadt Graz; die Reliefköpfe an den Postamenten kennzeichnen "Ackerbau" und "Bergbau". Im Norden die Allegorie der Enns mit Fischkasten; die Reliefköpfe stellen Industrie" und "Waidwerk" dar. In der Westecke die Darstellung der Drau mit einem Korb voll Trauben und einem Ruder; die Reliefköpfe vertreten den "Weinbau" und die "Forstwirtschaft". Die vierte Figur in der Südecke stellt die Sann mit antiken Badeinstrumenten dar; der weibliche Reliefkopf wiederholt das Attribut der Sann das"Heilbäderwesen", der männliche Kopf dürfte die urigen Wälder symbolisieren. Den Mittelpunkt bildet ein Postament mit Schriftplatten, der Text stammt von Anastasius Grün (Anton Alexander Graf Auersperg). "IHREM FREUNDE/ UND WOHLTHÄTER/ JOHANN / VON/ ÖSTERREICH/ DIE/ DANKBARE/ STEIERMARK." Nordostseite; "UNVERGESSEN/ LEBT IM VOLKE,/ DER DES VOLKES/ NIE/ VERGASS." Nordwestseite; "EIN/ FÜRST/ IN RATH UND THAT/ SCHRITT ER VORAN/ DIE BAHNEN/ DES GUTHEN / WAHREN; ECHTEN." Südostseite; an der Südwest-Rückseite "MDCCCLXXVIll". Über den Schrifttafeln sind die Wappen des Kaiserhauses Habsburg-Lothringen, des Erzherzog Johann, der Steiermark und der Stadt Graz angebracht. An den Ecknischen des Postamentes befinden sich vollplastische, lebensgroße Figuren, welche die Eckpfeiler der Errungenschaften und Förderungen durch den Erzherzog versinnbildlichen: Im Osten ist es der mittelalterliche Scholar mit Bauplan und Brückenbogen für den "Eisenbahnbau", im Norden die weibliche antike Gestalt mit Pergamentrolle und Globus für die "Wissenschaft", im Westen der alte Bergmann für den "Bergbau" und im Süden die junge Frau mit Erntekranz für "Landwirtschaft". Als Krönung des Monumentes ragt die 3,10 m hohe Bronzestatue Erzherzog Johanns in höfischer Zivilkleidung mit dem Orden vom Goldenen Vlies in die Höhe.

Stadt Graz


Literatur:
Österreichische Kunsttopographie, Bd. LIII., Wien 1997, S. 163-165.
Robert Baravalle, Das Erzherzog-Johann-Denkmal in Graz, 90 Jahre nach seiner Enthüllung am 8. September 1878, in: BfH, 42. Jg, 1968, S. 85-96.
Götz Mavius, Das Brunnendenkmal für Erzherzog Johann von Franz Xaver Pönninger, in: BfH, 56. Jg., 1982, S. 65-74

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