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Februar
Die Spinnerin am KreuzWiens gotische Lichtsäule unter der Lupe

Kapitel, links 19. Jh., rechts Barock

Vor Beginn der Untersuchungen 2007

Eingerüstung zur Befundung

Graphische Zustands-Kartierung

Graphische Kartierung der Gesteinstypen

Figurennische mit schwarzen Gips-Rußkrusten

Im Raster Elektronen Mikroskop (REM) sind Steinmaterial, Schlämme und Sinterschicht zu erkennen

Risse und Ausbrüche an tragendem Pfeiler

Lockere Ergänzung
Umfassende Untersuchungen an der sagenumwobenen "Spinnerin am Kreuz" im Wiener Gemeindebezirk Favoriten geben neue Erkenntisse über Restaurierungsgeschichte und Schadensbild der reich gegliederten gotischen Lichtsäule preis und bilden wesentliche Grundlagen für die geplante Restaurierung 2009.
Das Bundesdenkmalamt führte 2007/2008 in enger Zusammenarbeit mit der Universität für Angewandte Kunst - Institut für Konservierung und Restaurierung - und der Stadt Wien eine Evaluierung des Zustandes der bekannten Steinsäule am Wienerberg durch. Eine in diesem Zusammenhang erstellte Diplomarbeit über die Auswirkungen von Opferschichten war dabei sehr hilfreich. Neben substanziellen Beschreibungen der Gesteine wurde vorallem auf Oberflächenbeschaffenheit und Schutzüberzüge eingegangen.
Die heute an der Triesterstraße in Wien gelegene und im Mittelalter weithin sichtbare „Spinnerin am Kreuz“ wurde 1452 durch den Dombaumeister von St. Stephan Hanns Puchsbaum errichtet. Die 16 Meter hohe Säule markierte die äußerste Grenze der Wiener Stadtgerichtsbarkeit und soll gänzlich mit Werksteinen aus Mannersdorf errichtet worden und bemalt gewesen sein. Aufgrund der zahlreichen Restaurierungen (1488, 1598, 1624, 1710, 1804, 1852, 1892, 1925, 1938, 1947, 1988) – diese waren aus unterschiedlichen Gründen notwendig, z.B. Türkeneinfall – sind von den ursprünglich verwendeten Werksteinen nur mehr wenige erhalten geblieben. Gleiches gilt auch für die Farbfassungen. Hier konnten nur mehr Bleiweißreste am barocken Zierrat in den Figurennischen aufgefunden werden. Die ständig stattfindenden kleinen Veränderungen an der Spinnerin sind wohl am besten anhand der Nischenfiguren nachvollziehbar:
1452: Schaffung der ersten Figuren durch die Werkstätte des Dombaumeisters Hanns Puchsbaum; 1598: Neuanfertigung der Figuren durch Lorenz Murmann und Vallerino Gerolf; 1710: abermalige Neuanfertigung durch Matthias Rott nach der Türkenbelagerung in Zogelsdorfer Kalksandstein; 1938: Kopieerstellung in Aflenzer Kalksandstein.
Im Rahmen der aktuell abgeschlossenen Evaluierung wurden besonders die Restaurierungsarbeiten der 1980er Jahre, wie z.B. Ergänzungen, Verfugungen, Natursteinvierungen, Kalkschlämme samt Hydrophobierung etc., auf ihre Nachhaltigkeit und profilaktische Wirkung untersucht. Die detaillierten Bestands- und Schadenserhebungen haben unter anderem gezeigt, dass die Armierungen aus Kupfer oder Eisen großteils in gutem Zustand sind. Einige Rissbilder sind auf einen Verkehrsunfall, den ein LKW verursacht hat, zurückzuführen. Hier gibt es einige Setzungen, die jedoch laut statischer Gutachten keine Auswirkungen auf die Stabilität der Säule haben. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass der Restauriererfolg der 1980er Jahre bis heute von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst wird. Dazu zählen Exponiertheit und spezielle Lage von einzelnen Teilen des Denkmals (z.B. Bodennähe, straßenseitig), Himmelsrichtung, Gesteinsvarietäten, Fugen- und Kunststeinmörtelmischungen sowie die hydrophobierte Kalkschlämme.
Erfreulicher Weise sind trotz einer Vielzahl an schadhaften Bereichen, an denen Absandungen, Abplatzungen und Rissbildungen vorherrschen, noch immer bestens erhaltene Oberflächen samt funktionierender Kalkschlämme erhalten. Auch die knapp darunter liegendene Gesteinssubstanz kann vielerorts als gut beurteilt werden.
Allerdings hat der Verzicht auf Wartungsmaßnahmen in den 1990er Jahren leider wieder zu fortgeschrittenen Schäden geführt. Zurückgewitterte Gesteinsbereiche sind erneut mit Vegetation und Schmutzlagen belastet. Fugenbereiche sind mitunter rissig und ausgewaschen. Dies ermöglicht ein Eindringen von Feuchtigkeit in das Innere der Säule und Ausbildung weiterer Schadensphänomene. Rostende Eisenarmierungen oder Frostsprengungen im Gestein sind zum Beispiel die Folge.
Somit ist es mit reinen Nachsorgemaßnahmen nicht mehr getan und es müssen konservatorische und restauratorische Schritte überlegt, vorbereitet und eingeleitet werden.
Basierend auf einer qualitativen und quantitativen Schadenserfassung konnte nach Diagnostizierung der Schadensgenese seitens des Bundesdenkmalamtes, mehrerer Fachlabore und beteiligter SteinrestauratorInnen, ein Konzept für die bevorstehende Restaurierung inklusive eines Wartungsplanes vorgeschlagen werden. Gefährdete Steinteile wurden bereits während der Befundungsphase konserviert, lockere Teile abgenommen und einige Risse verschlossen, bzw. mit Spanngurten gesichert.
Voraussichtliche Maßnahmen:
Nach partieller Sicherung mit geeigneten Steinfestigern ist eine sensible Abnahme der mit Schmutzlagen überzogenen Oberflächen notwendig. Schwarze Gipskrusten, lockere Kalkschlämmen, Schadsalze, alte Zementüberzüge im unteren Bereich und vegetative Beläge sind daher mit adäquaten Reinigungsverfahren (Laser, Feinstrahlsysteme, Invertseifen, Kompressen etc.) zu entfernen. Sandendes Gesteinsmaterial ist mit angepasstem Steinfestiger individuell je nach Schwächungsgrad zu behandeln. Schädigende oder schadhafte alte Antragungen am Stein oder in den Fugen können danach substanzschonend abgenommen werden. Einige stark geschädigte Werksteine, die einer statischen Belastung ausgesetzt sind, werden durch neue gleichwertige Werksteine ersetzt. Ergänzungsmörtel sind auf das vorhandene Gesteinsmaterial in Härte und Struktur abzustimmen, um Folgeschäden ausschließen zu können. Gleiches gilt auch für die Fugenmörtel. Statisch bedenkliche Bereiche sind mit Verklebungen und zusätzlichen Armierungen zu sichern. Abschließend ist wiederum an eine Applikation einer Opferschichte gedacht. Im gegenständlichen Fall wird es sich dabei um eine Kalkschlämme mit Hydrophobierung handeln.
Detaillierte Vorarbeiten ermöglichen nicht nur einen fach- und denkmalgerechten Umgang mit diesem historisch und künstlerisch wertvollen Objekt, sondern führen auch zu einer exakten Kostenschätzung, sodass einer Durchführung der Maßnahmen nichts mehr im Wege steht . Erfreulicherweise werden von der Stadtgemeinde Wien die Restaurierungsarbeiten an der berühmten "Spinnerin am Kreuz" bereits 2009 veranlasst.
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