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August
Schloss Hainfeld8330 Leitersdorf im Raabtal Nr. 1


Der Wassergraben des Schlosses wird wieder hergestellt.

Teile der Porträtgalerie.

Schlussstein des Hauptportals mit arabischem Spruch.

Innenhof

Treppenturm in der Ecke des Schlosshofes.

Blick von einem Stiegenhaus in den Schlosshof.

Innenhof mit zweigeschossigen Pfeilerarkaden.

Die barocke Schlosskirche

Inneres der Schlosskirche.

Blick in die berühmte Bibliothek des Schlosses.

Darstellung aus dem "chinesischen Zimmer".
Hainfeld im Bezirk Feldbach, das größte Wasserschloss der Steiermark, beherbergt mit der „Porträtgalerie des steiermärkischen Adels“ ein seltenes und auch künstlerisch bedeutendes Dokument steirischer Geschichte. Der arabische Spruch über dem Hauptportal des Schlosses rührt von dem berühmten Orientalisten Joseph von Hammer-Purgstall her, der hier seinen Wohnsitz hatte.
Das Schloss wurde an Stelle eines 1275 erstmals urkundlich genannten Wehrbaus errichtet, der sich im Besitz der Hainfelder befand und 1332 von Ulrich Winkler, Dienstmann der Herren von Wildon, erworben wurde. Dessen Nachkommen errichteten in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts den stattlichen Vierflügelbau, der in den Grundzügen bis heute erhalten blieb.
Die Familie Purgstall, Schlossbesitzer seit 1719, trug durch ihre Bautätigkeit zum heutigen Erscheinungsbild wesentlich bei. So wurde 1773 die barocke Schlosskirche - anstelle einer freistehenden Kapelle in der Hofmitte - dem Nordtrakt hinzugefügt. 1835 vererbte Gräfin Johanna Anna Purgstall das Schloss Hainfeld dem von ihr adoptierten Joseph von Hammer, der noch im selben Jahr unter dem Namen Hammer-Purgstall in den Freiherrnstand erhoben wurde. Der Orientalist, Diplomat, Hofdolmetscher und erste Präsident der Österreichischen Akademie der Wissenschaften trug durch seine Übersetzungen aus dem Arabischen, Türkischen und Persischen zur Vermittlung orientalischer Kulturen wesentlich bei. Berühmt wurde sein dreibändiges, lokalhistorisches Werk „Die Gallerin auf der Riegersburg“.
Schloss Hainfeld ist das größte Wasserschloss der Steiermark. Der zweigeschossige Vierflügelbau wird an den Ecken durch vortretende, dreigeschossige, von Zeltdächern bekrönte Türme wehrhaft verstärkt. An der Westseite des Schlosses überspannt eine gewölbte Brücke den Wassergraben. Sie führt zum wappenbekrönten Hauptportal, dessen Schlussstein Hammer-Purgstall mit einem arabischen Spruch schmücken ließ (deutsche Übersetzung: „Gott schütze deinen Ruf, der gut, das größte deiner Güter - geh sicher ein in seiner Hut, er ist der beste Hüter“).
Besonders sehenswert ist der quadratische Innenhof mit umlaufenden zweigeschossigen, im Norden durch die barocke Schlosskirche unterbrochenen Pfeilerarkaden. Die geschwungene, pilastergegliederte Kirchenfassade mit Volutengiebel und zwiebelhelmbekröntem Turm bildet den bestimmenden architektonischen Akzent des Innenhofs. An den Ecken der Südfront sind offene Treppenhäuser, an jenen der Nordfront Treppentürme angeordnet.
In den 36 Zimmern des Obergeschosses blieben vielfach noch Barockausstattungen erhalten. Von besonderem Interesse sind die Leinwandbemalungen des Laudon-Zimmers, die die Siege des berühmten österreichischen Generals im Siebenjährigen Krieg darstellen, sowie ein chinesisches Zimmer und ein Kabinett mit niederländischen Fayenceplatten. Wertvoll ist weiters die so genannte „Porträtgalerie des steiermärkischen Adels“, eine bemerkenswerte Sammlung von 58 gerahmten Porträts aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Die ganzfigurigen Darstellungen in barocken Rahmungen zeigen vorwiegend steirische oder mit der Steiermark in Verbindung stehende Adelige, die um 1750 bedeutende Persönlichkeiten waren. Unter den Bildern befindet sich auch das Selbstporträt des Malers. Es handelt sich vermutlich um den aus Neapel stammenden Gennaro Basile (1722-1782). Der Maler ist vor einer Staffelei sitzend mit Pinseln und Farbpalette wiedergegeben. Ein weiteres Bild der Serie zeigt vermutlich den Schöpfer der Rahmen, da er mit einem leeren Rahmen in der Hand, der in seiner Form den in Hainfeld vorhandenen entspricht, dargestellt ist. Die dargestellten Persönlichkeiten werden in den Porträts individuell charakterisiert, die Kleidung wird detailgetreue wiedergegeben. Von besonderer Detailtreue ist auch die Wiedergabe von Möbeln, Gebrauchsgegenständen, Musikinstrumenten, Tieren (besonders Hunden), Wappen etc., die sowohl den Hintergrund gestaltet als auch zur näheren Kennzeichnung der Personen eingesetzt wird. Die Gemälden sind daher nicht nur von künstlerischem, sondern auch von besonderem kulturgeschichtlichem Wert und bilden ein wesentliches und in seiner Art singuläres Dokument zur steirischen Geschichte des 18. Jahrhunderts. Die wahrscheinlich seit ihrer Entstehungszeit im Schloss Hainfeld befindlichen Bilder wurden in ihrer künstlerischen und historischen Bedeutung bereits im 19. Jahrhundert von Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall gewürdigt, der in den Jahren 1854 – 1856 insgesamt 49 Porträts der Serie als Lithographien herausgab und im Vorwort feststellte, dass sich die Porträts durch „treffende Aehnlichkeit“ auszeichnen und diese „jedenfalls einen sehr schätzbaren Beitrag zur Geschichte der damaligen Zeit“ darstellen.
Der gegenwärtige Zustand des denkmalgeschützten Schlosses macht die Konzeption eines umfangreichen Sanierungsprogrammes für die nächsten Jahre erforderlich. Erste diesbezügliche Ansätze wurden bereits verwirklicht. In diesem Zusammenhang kam es zur Wiederherstellung des lange ausgetrockneten Wassergrabens, wodurch das Schloss seinen ästhetisch reizvollen Charakter als Wasserschloss wiedergewann. Eine der vordringlichsten Aufgaben ist die Sanierung der ausgedehnten Dachflächen des Schlosses; bisher konnte sie an der östlichen Hälfte des Nordtraktes (zwischen Schlosskirche und nordöstlichem Turm) durchgeführt werden. Um Folgeschäden, etwa an den wertvollen Stuckdecken, zu vermeiden, wurde ein Stufenplan für die weiteren Dachabschnitte erstellt. Weiters wurde im Juni 2008 von Studierenden der Technischen Universität Graz unter der Leitung von Univ.-Prof. DI Dr. Holger Neuwirth eine Schadensaufnahme durchgeführt. Dipl.-Restauratorin Erika Thümmel ist mit der Konservierung des wertvollen Inventars betraut.
Alle diese Maßnahmen werden durch das beispielhafte Engagement der Eigentümerin Frau Mag. Annabella Dietz - unterstützt von ihrem Lebensgefährten Herrn Erich Truhetz - ermöglicht, die das der Öffentlichkeit lange nicht zugängliche Schloss vor drei Jahren erbte und nun einem interessierten Publikum teilweise geöffnet hat. Als Höhepunkt in der Reihe diverser Kulturveranstaltungen und Konzerte sind derzeit im Rahmen des steirischen Kulturfestivals „Regionale“ die Ausstellungen „Joseph von Hammer-Purgstall. Grenzgänger zwischen Orient und Okzident“ und „Tausend und eine Spur – Ein Schloss, zwei Frauen und mehr als drei Wege in den Orient“ (Photographien und Texte von Christine de Grancy) noch bis 13. September 2008 bei freiem Eintritt zu besichtigen. Am 28. September 2008 wird Schloss Hainfeld auch einen der Programmpunkte am Tag des Denkmals bilden.
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