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Neues Ausstellungskonzept im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen

Ehem. KZ Mauthausen, "Reviergebäude", Arch. Helmut Neumayer bei Freilegung der originalen Raumfassung.

Reste des originalen Fliesenbodens im Kellergeschoß des "Reviergebäudes".

Restauratorin bei der Freilegung der originalen Farbgebung.

"Reviergebäude" des ehem. KZ Mauthausen

Gedenkstätte Mauthausen, so genanntes "Reviergebäude".

Auch die Außenmauern wurden vollständig saniert.

Durch fundierte Bauforschung wurden die authentischen Raumfassungen im zentralen Bau der Gedenkstätte entdeckt.

Das sogenannte „Reviergebäude“ an der Südwestseite des Apellplatzes ist einer der wenigen erhaltenen zentralen Baukörper der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen. Das größte Objekt des Lagers wurde 1940 bis 1943 als sogenanntes „Häftlingsreviergebäude“ von Insassen in Massivbauweise errichtet und diente als Krankenrevier mit Operationssaal und Administration. Im Untergeschoß des Baukörpers war zusätzlich ein Krematorium und medizinisches „Laboratorium“ untergebracht.

Als nach der Befreiung des Lagers das Gebäude mehrfach durch Anrainer geplündert und beschädigt wurde, begannen schließlich 1948 bis 1951 die ersten Sanierungs- und Reparaturmaßnahmen zur schrittweisen Einrichtung einer Gedenkstätte. Hierbei wurden auch die bis dahin originalen Innenräume erstmals überarbeitet und teilweise überstrichen.

Im Jahre 1967 wurde das Reviergebäude nach Plänen des Linzer Architekturbüros Nobel dann zu einem Museum erweitert und umgebaut. Diese Adaptierung war von einem eigenständigen gestalterischen Grundkonzept geprägt, welches auf den Erhalt der ursprünglichen Substanz nur geringen Wert legte. So wurden große Bereiche des Inneren entkernt und die ursprüngliche Grundrisskonfiguration aufgelöst. Die Wandoberflächen und Ausstattung sollten „dem Ernst des Gegenstandes“ entsprechen und wurden so mit weißen Anstrichen und einem schwarzem Gussasphaltboden versehen. Diese sehr reduzierte und „kalte“ Gestaltung prägte so bis zum heutigen Tag das Erscheinungsbild und wurde von den Besuchern der Ausstellungen oft fälschlich als historischer Zustand verstanden.

Im Jahr 2008 initiierte das Innenministerium die museale Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Mauthausen; an der Entwicklung des Konzepts arbeiteten neben MitarbeiterInnen der für die KZ-Gedenkstätte Mauthausen zuständigen Abteilung auch externe ExpertInnen aus unterschiedlichen Fachgebieten (Zeitgeschichte, Gedenkstättenpädagogik, Museologie).

Die Erarbeitung des neuen Rahmenkonzepts machte eine erneute Modernisierung und Gestaltung dieses Museumsbereichs notwendig. Die bis vor kurzem bestehende Ausstellung stammte im Wesentlichen aus den 1960er Jahren und entsprach nicht mehr den aktuellen wissenschaftlichen und pädagogischen Standards. Darum wird nun im ehemaligen Reviergebäude eine Überblicksausstellung zur Geschichte des KZ-Systems Mauthausen und eine themenzentrierte Ausstellung zu Massentötungen als Vorbereitung für den im Besucherrundgang folgenden Tötungsbereich errichtet.

Im Zuge der Projektentwicklung durch das Wiener Architekturbüro Helmut Neumayer und der KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde gemeinsam mit dem Landeskonservatorat für Oberösterreich festgelegt, dass dieser neuerliche Eingriff in die Substanz des Reviergebäudes nun aber auf Basis einer genauen wissenschaftlichen Untersuchung des Bestandes erfolgen sollte. So erstellte der Bauforscher Paul Mitchell eine detaillierte bauhistorische Untersuchung des Objektes, deren Ergebnisse in die seit 2009 im Auftrag der KZ-Gedenkstätte Mauthausen stattfindenden historischen und archäologischen Untersuchungen des Konzentrationslagers Mauthausen eingebunden werden.

Bereits die ersten restauratorische Sondierungen an den Putzschichten zeigten, dass die Vorstellung von weißen kahlen Räumen in den NS-Baracken des Konzentrationslagers revidiert werden muss. Die originalen Farbschichten zeigen warme Pastelltöne und eine mehrfärbige Linierung als dekorative Ausstattung.
Zwischenzeitlich konnte in einem Raum eine fast vollständige originale Fassung der Innnenausstattung freigelegt werden. Auch der Bodenbelag war in einem bräunlich-rötlichen Ton gehalten und konnte ebenfalls als Original unter den später aufgebrachten Schichten nachgewiesen werden.
Diese Befunde werden nun seitens der KZ-Gedenkstätte Mauthausen und des Architekten unmittelbar in die Gestaltung des neuen Museums eingebunden und ermöglichen den Besuchern zukünftig direkte Einblicke in das authentische historische Erscheinungsbild der Anlage.


Literatur :
Mitchell Paul, Buchinger Günther mit Grabner Michael, Scherzer Karl (Anhänge), Die Baugeschichte des neuen Reviergebäudes KL Mauthausen, bisher unveröffentlicht, 2010

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