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Tiroler Gaudi in BCNAntoni Gaudis erste Kirche – Wiederkehr eines Meisterwerks

Die Detailgenauigkeit des Modells und der Einblick ins Kircheninnere erstaunen die Ausstellungsbesucher.

Das Highlight der Ausstellung ist das in Innsbruck gefertigte Modell der Kirche der Colonia Güell.

Prof. Rainer Graefe erklärt die aufwändige Entstehung des Modells.

Prof. Dr.-Ing. Leonid Demjanov von der Technischen Universtität Moskau (li. im Bild) freut sich über die gelungene Ausstellung und berichtet über seine langjährige Projektbeteiligung mit den StudentInnen der Hochschule für Architektur in Moskau.

Eines der vielen an der Innsbrucker Universität entstandenen anschaulichen Modelle der Kirche in der großen Ausstellung.

Blick in die Ausstellung. Prof. Graefe beantwortet Fragen der interessierten Besucher.

Das Rekonstruktionsmodell kann von allen Seiten bestaunt werden.

Von der von Antoni Gaudi geplanten Kirche in der Colonia Güell Nahe Barcelonas wurde nur die Krypta, also der unterste Teil, fertiggestellt. Viele von Gaudis einzigartigen baulichen Lösungen kamen hier zum ersten Mal zum Einsatz.

Viele Besucher der Ausstellungseröffnung nutzten die Möglichkeit, am nächsten Tag die Crypta Güell mit einer Spezial-Führung von Prof. Graefe besichtigen zu können.

„Mit dieser Ausstellung wird eine wesentliche Lücke im Schaffen Antoni Gaudis endlich geschlossen“. Ende November 2008 wurden die Ergebnisse einer über 10jährigen Forschungstätigkeit an der Universität in Innsbruck über ein Schlüsselwerk des katalanischen Architekten Gaudi mit einer großartigen Ausstellung in Barcelona der Öffentlichkeit präsentiert.

Unter der Leitung von Univ.Prof. Dr. Mag. Rainer Graefe konnten in den letzten Jahren im Rahmen eines besonders ambitionierten Forschungsschwerpunktes am Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der Universität Innsbruck mittels aufwendiger Studien, Vermessung- und Bauaufnahmen neue Erkenntnisse über eines der wichtigsten Bauwerke Gaudis, die Kirche der Colonia Güell, gewonnen werden.

Ein Meisterwerk
Die bekannte Kirche (1908 – 1914) in der Colònia Güell, einer ehemaligen Industriesiedlung am Rande von Barcelona, gilt, obwohl sie unvollendet bliebt, als ein Höhepunkt im Werk Gaudis. Zum ersten Mal kamen hier fast alle architektonischen Innovationen und Elemente Gaudis zum Einsatz, die dann auch bei seinen weiteren Bauten eine zentrale Rollen spielten. Besonders die einmalige Kirche Sagrada Familia in Barcelona ist ohne die Erkenntnisse an der Kirche der Colonia Güell nicht vorstellbar.

Einzigartige Lösungen
Die Lastabtragung mittels Kettenbogenform und die zum ersten Mal in der Geschichte der Architektur ausgeführten Flächen in der Form eines Hyperbolischen Parapoloids sind nur zwei der einzigartigen Lösungen, die in der Crypta Güell zu entdecken sind. Es verwundert also auch nicht, dass die Krypta zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.

Prof. Graefes beharrliche wissenschaftliche Beschäftigung mit dieser bekannten Gaudi-Kirche begann bereits vor über einem Vierteljahrhundert, als er auf Vermittlung von Architekt Frei Otto Gaudis Hängemodell zu rekonstruieren begann. Das von Gaudi 1898 – 1908 als Entwurf der Kirche für die Colonia Güell gebaute Original-Modell war leider nicht erhalten geblieben. Da auch keine anderen Planunterlagen erhalten blieben, lag die Entstehung und das Aussehen des bedeutendsten Kirchenentwurfs Gaudis für lange Zeit im Dunkeln.
Erst das 1982 nach alten Unterlagen im Maßstab 1:15 rekonstruierte (Rainer Graefe, Jos Tomlow, Arnold Walz und Team) und zum Verständnis der Arbeiten Gaudis besonders wertvolle Hängemodell, das heute im Sagrada Familia Museum in Barcelona täglich von tausenden Besuchern bestaunt wird, und die in den letzten Jahren ebenfalls von Prof. Rainer Graefe an der Universität Innsbruck geleiteten umfangreichen Untersuchungen bringen Licht in die Entstehungsgeschichte eines von Gaudis Hauptwerken.

Auf Basis von zahlreichen Modellrekonstruktionen, computergestützten Detailanalysen, der Auswertung der erhaltenen Dokumente und der genauen Untersuchungen der ausgeführten Gebäudeteile kann der verschollene Kirchenentwurf erstmals vollständig mit anschaulichen Modellen und digitalen 3D-Rekonstruktionen vorgestellt werden. Die in Innsbruck entstandenen 1:25-Modelle, Modellstudien, Fotografien, Handzeichnungen und 3D-Visualisierungen sind nun eindrucksvoll im Diözesan-Museum in Barcelona in einer Dauerausstellung ausgestellt.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung am 22. November 2008 in Barcelona wurde von Prof. Graefe nicht nur der Prozess der Rekonstruktion von Gaudís unvollendeter Kirche in der Colonia Güell erläutert, sondern auch den an den mehrjährigen Forschungen zahlreichen Beteiligten gedankt.

Neben einer großen, extra aus Österreich angereisten Delegation, fanden sich auch viele weitere internationale Gäste zur feierlichen Eröffnungszeremonie in der Kathedrale in Barcelona ein. Prof. Graefe bedankte sich vor allem bei Prof. Dr.-Ing. Leonid Demjanov, dem langjährigen Projektpartner von der TU Moskau, der mit seinen ebenfalls am Projekt intensiv beteiligten Studenten und Mitarbeitern vom MARCHI (Hochschule für Architektur) aus Moskau angereist war. Das aus Innsbruck eingeflogene Team, das in den letzten Monaten fast Tag und Nacht an den Modellen für diese Ausstellung gearbeitet hatte, fand natürlich besondere Erwähnung. Daneben wurde auch auf die Leistungen der vielen weiteren Fachleute, zum Teil aus ganz Europa, nicht vergessen. Die Innsbrucker Geodäten Prof. Dr. Albert Grimm-Pitzinger sowie Dipl.-Ing. Michael Moser (Digital 3D Reconstruction of Antonio Gaudi's lost Design for a Church near Barcelona), ebenso wichtige Projektbeteiligte, waren auch bei der Eröffnung anwesend.
Auch einige der vielen in den letzten Jahren am Projekt beteiligten Studenten ließen es sich nicht nehmen, persönlich an der Eröffnung in Barcelona dabeizusein.

Anschließend an die Eröffnung in der Kathedrale konnte man sich im Museum davon überzeugen, dass die zum Teil fragilen Ausstellungsstücke den Transport von Innsbruck nach Barcelona einwandfrei überstanden hatten. Teile des großen Hauptmodells im Zentrum der Ausstellung wurden sogar persönlich im Handgepäck per Flugzeug nach Barcelona angeliefert.

Antoni Gaudi (1852 – 1926), Meister des Modernisme, der katalanischen Spielart des Jugendstils, wird vor allem für seine, jedem Barcelona-Besucher bekannten Bauten Sagrada Familia, Park Güell, Casa Milà oder Casa Batlló geschätzt. Nun gibt es mit der neuen Ausstellung aus Österreich ein weiteres Highlight in der Gaudi-Stadt Barcelona.


Info für den nächsten Besuch in Barcelona:

Ausstellung
„Antoni Gaudis erste Kirche – Wiederkehr eines Meisterwerks“ - 100 Jahre Krypta Güell:
Die Ausstellung befindet sich im Zentrum der Altstadt im Museu Diocesà de Barcelona,
Casa de la Canonja (La Pia Almoina)
direkt neben der zum Pflichtprogramm eines jeden Barcelona-Besuchers gehörenden gotischen Kathedrale.
Adresse: Avinguda de la Catedral 4, Barcelona

Krypta Güell:
Colònia Güell (eigener Bahnhof)
vom Zentrum Barcelonas in 22 Minuten per Zug zu erreichen




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