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Die Wiener Hofburg gibt ihr Alter preisMauerwerk aus der Babenbergerzeit entdeckt

Die Kommission für Kunstgeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften führt derzeit ein umfassendes Projekt zur Aufarbeitung der Baugeschichte der Wiener Hofburg durch. Von den fünf nach Epochen geordneten Projektgruppen arbeitet das Mittelalterteam nach den Methoden der Bauforschung und daher eng mit dem Bundesdenkmalamt zusammen.

Bereits zu Beginn des Projekts im Sommer 2005 fand ein Durchbruch in der Erforschung der mittelalterlichen Baugeschichte statt. Die Bauforscher Günther Buchinger, Paul Mitchell und Doris Schön wurden vom Landeskonservatorat Wien informiert, dass während des Umbaus des so genannten Kesselhofs (Wiener Kongresszentrum) mittelalterliches Mauerwerk zum Vorschein gekommen war. Über sämtliche Achsen der stadtauswärts gerichteten Fassade des Schweizerhofs (also am Palas der mittelalterlichen Kastellburg) waren Buckelquader - mit einem Randschlag versehene, roh belassene Quader - unter der vorgeblendeten barocken Fassade erhalten geblieben. Diese Quader ruhen auf einem Fundament, das aus schräg gestellten Bruchsteinen (so genanntem opus spicatum) besteht und spätere Ausbesserungen im Zuge der Instandsetzungsarbeiten nach der ersten Türkenbelagerung aufweist. Buckelquader und opus spicatum sind in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Wiener Raum gut bekannt. Kombiniert mit älteren Forschungsergebnissen, etwa der Freilegung des spätromanischen Rundbogenfensters am Eingang zur Schatzkammer in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, lösen die neuen Befunde nun eine Frage, die Historiker für über hundert Jahre entzweit hat: Wurde die Burg nämlich erst unter König Ottokar Přemysl in den 1270er Jahren oder bereits unter den Babenbergern (also vor 1246) gegründet? Die Buckelquader und das opus spicatum belegen endgültig, dass der Kern der Hofburg noch aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und damit aus der späten Babenbergerzeit stammt. Die Entdeckung der Buckelquaderfassade war ein gutes Omen für die Bauforscher, die im Jahr 2006 ihre Arbeit mit der Anlegung von kleinen Suchschnitten im Inneren der Burg fortsetzten und bis heute zahlreiche mittelalterliche Mauern aufgespürt haben.

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