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Landschaft, an den Flaneur gebracht
Die Konservatorentagung im Mai 2006 zeigte auch einige Problemstellungen - und Lösungen - in der Erhaltung englischer Gärten auf.
Nein, in der Nacht könne man hier die Motorsäge nicht anwerfen, sagt der Gärtnermeister Schuster von der Gemeinde Wien, verantwortlich für die Gartenpflege im Wiener Türkenschanzpark, mit bedauerndem Schulterzucken. Es gebe schließlich Anrainer. Und daher muss der Kampf um jeden Baum, den die ParkpflegerInnen fällen wollen, um Blickachsen zu öffnen, überwucherte Formationen wieder sichtbar zu machen oder zarte Pflanzen vor dem Verkümmern im Schatten zu bewahren, geführt, Überzeugungsarbeit geleistet, baumschützenden StadtbewohnerInnen erklärt werden, wie ein englischer Garten gemeint war und angelegt wurde: Es handelt sich um inszenierte Natur, jede Wildnis sorgfältig geplant, jeder Wasserfall ein Triumph der Technik, die "alpinen" Felsgärten liebevoll geschichtet (und sicherheitshalber auch ein wenig betoniert): wenn hier der tatsächliche Wildwuchs übernimmt, verschwindet das Kunstwerk Landschaftspark mit seinen Ausblicken und durchaus auch hochdramatisch angelegten Miniaturszenerien im so unverwüstlichen wie ununterscheidbaren Unterholz. Wenn dieses allerdings zurückgeschnitten wird und damit die ursprüngliche Absicht, Menschen mit einer Szenerie zu umgeben, deren Perspektiven und Blickwechsel durch die Bewegung im gestalteten Raum sich erst erschließen, wieder erfahrbar, dann wird das durchaus goutiert: der Parkpfleger berichtet von verwundert nachfragenden Joggern, die das behutsam befreite Alpinum des Türkenschanzparkes erstmals wahrnahmen und für eine neu gebaute Attraktion des Gartens hielten.
Von ähnlichen Erfahrungen erzählt das Ehepaar Bodi, das im Landschaftspark von Laxenburg dem - ursprünglich barocken und darum so geraden - Kanal seinen Saum zurückgegeben, Bauten, Baumgruppen und Wiesen- und andere Blicköffnungen wieder sichtbar gemacht hat: ist die Intention des späten 18. und des frühen 19. Jahrhunderts, die keineswegs eine sich selbst überlassene „natura naturata“, sondern von Menschen geschaffene Panoramen aus belebter Materie schuf, erst nachvollziehbar, dann entfaltet sie auch heute noch ihre Wirkung.
Wenn allerdings nicht: dann wird sie bedauerlicherweise auch nicht vermisst. Den bescheiden gewordenen Bedürfnissen der Stadtbevölkerung genügen offenbar auch Grünflächen, die nicht sonderlich viel mehr sind als eben Grün; ein doppelter Verlust, der nicht einmal die Erinnerung an das, was verloren ging, mehr speichert.
Ein Gegenbeispiel bietet etwa der Sparkassenpark in St. Pölten. Angelegt im Geist eines selbstbewusster werdenden Bürgertums, das der Stadt Raum spendierte, wird er auf Grundlage von Aufzeichnungen und Plänen liebevoll vom pensionierten Gärtnermeister Rudolf Dallhammer gepflegt. Wenn dabei möglicherweise unpopuläre Entscheidungen getroffen werden müssen, etwa eine bunte Blumenrabatte, weil unhistorisch, weichen muss, dann geschieht das schnell und unspektakulär. Wichtiger sind die wieder hergestellten Ein- und Durchblicke, die Neupflanzung von verloren gegangenen Bäumen.
Die englischen Gärten als Kunsträume zu verstehen – das bietet in einer Zeit, die noch geprägt ist von einer eher unreflektierten Natur-Sicht als grundsätzlich wohlwollendem und nur durch den Menschen gefährdeten Ressourcenreichtum, einige Schwierigkeiten. Hier gab das Verfassungsgerichtshofserkenntnis, das alle gestaltete Natur dem Naturschutz, und damit der Kompetenz der Länder, unterstellte, nur wieder, was Gemeingut ist: Baum ist Baum und als solcher wunderbar, wächst von selbst und muss nur davor bewahrt werden, umgehackt zu werden. Und der Unterschied zwischen einem empfindlichen und seltenen Exoten und der gemeinen Esche, die ihre Widerstandskraft, bewiesen nach der letzten Eiszeit, als sie nach Europa zurückkehrte, gnadenlos zum Ersticken aller weniger robusten Pflanzen nutzt, müsste wohl erst wieder zu erkennen gelernt werden. Die österreichischen Landschaftsgärten wären die ideale Umgebung für eine solche Bereicherung des Natur- und damit auch Kultur - Verständnisses.
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