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Die Liebe zur Geometrie
Während der Konservatorentagung im Mai 2006 konnten unterschiedlichste Arten des Umgangs mit barocken Gärten in Augenschein genommen werden.
"Barock erleben", verspricht das Schild am Eingang von Schlosshof, dem Hildebrandt-Bau des Prinzen Eugen, dessen aus sieben Terrassen bestehender Garten, schon lange von der Abteilung für historische Gartenanlagen als erhaltungswürdig erkannt und in einem ersten Parkpflegewerk aufgearbeitet, auf Grundlage von Grabungen der Abteilung Bodendenkmale des Bundesdenkmalamtes in den letzten Jahren rekonstruiert wird. Aber die Bepflanzung der Beete, deren Formen nicht nur durch die Befunde der ArchäologInnen und durch die Analyse der analogen Beispiele im Ausland, sondern mittlerweile auch durch den Fund der ursprünglichen Pläne beglaubigt sind: wie lässt sich die vorstellen? Wissen, meint die Leiterin der Schlosshofer Gärten, Yvonne Kumlehn, könne man das schon, was da ursprünglich wuchs. Aber ausgesehen hätten die Blumen im 17. Jahrhundert ein wenig anders. Da seien auf eine Pflanze vielleicht zwei, drei Blüten gekommen, wenn das Wetter mitgespielt habe: das sei heutigen BesucherInnen nicht zumutbar, für die sei das zu krautig, die wollen es bunter - und werden es auch so bekommen. Authentizität muss offenbar sorgsam bemessen werden, um mehrheitstauglich zu sein und Investitionen in der Höhe, wie sie in den Schlossbau und Garten fließen (60 Millionen Euro sollen es insgesamt werden), zu rechtfertigen.
Von solchen Mitteln ist in Draßburg, einer Anlage im Burgenland, die in kleinerem Ausmaß ebenfalls einige Terrassen mit den ursprünglichen Böschungsmauern und repräsentativen Treppen in meisterhafter Anordnung umfasst und in der Statuen, Marmorbänke und zwei Gewächshäuser aus dem 18. Jahrhundert noch erhalten sind, nicht einmal zu träumen. Der Park, aufgenommen unter die 56 grundsätzlich dem Denkmalschutz Zugeordneten, ist Privatbesitz und könnte daher nur mit Zustimmung der Eigentümerin unter Schutz gestellt werden. Wie er im Barock erlebt wurde, ist höchstens zu erahnen: etwa im Lindensaal, der, überwuchert zwar und einiger seiner Statuen beraubt, doch noch eine Ruhe und Harmonie ausstrahlt, die aus der Zeit versetzt und damit nachdrücklich daran erinnert, was die Ordnungsliebe des Barock unter anderem war: weniger romantische Naturliebe, die heute durch den schönen Verfall genossen wird, sondern viel mehr eine kosmische Ordnung, in der die Natur in symbolischer Form abgekürzt wurde. Wie z. B. in den Statuen, die die Jahreszeiten, die Elemente oder in Draßburg auch die Musen darstellten. Hier waren Mythologie und Realität für den Barockmenschen nicht trennbar.
Das Stift Melk revitalisiert seinen Barockgarten unter Beiziehung eines Parkpflegewerkes, das mit Hilfe des BDA (Abteilung für historische Gartenanlagen) erstellt worden war, insbesondere durch die Pflege der Böschungen und Baumgruppen auf den wieder hergestellten Terrassen. Der märchenhaft mit illusionistischen Malereien ausgestatteter Gartenpavillon am Ende des Parterres versetzt den Besucher in die heitere Welt der Lebenslust im 18. Jh. Im heurigen Mozartjahr wurden, mit Hilfe des Landes, Künstler beauftragt, dem Garten, den Mozart nachweislich besucht hatte, eine musikalische Dimension beizufügen: und so klingt es aus den Pavillons, leicht blechern, in Erinnerung an eine andere Intention barocker Gartenkünstler. Die Inszenierung entspricht nämlich dem Versuch, alle Sinne der Besucher zu fesseln, mit Hilfe teils bemerkenswert ausgereifter Theatermaschinen und anderer Hilfsmittel.
In Seitenstetten hat das Stift die Pflege des Barockgartens als eine Verpflichtung auf sich genommen, von der klar ist, dass sie sich rein finanziell nicht amortisieren kann: „Wenn man diesen Garten will“, so der Abt, Berthold Heigl, „dann muss man ihn sich auch etwas kosten lassen“. Die Betonung hier liegt auf der spirituellen Dimension der auf die (Schönheits-, Ruhe-)Bedürfnisse des Menschen hin ge- und beschnittenen Natur; heuer wurde der Anlage ein Labyrinth hinzugefügt, dessen äußere Form einen Rosenkranz, bestückt mit Lourdes-Rosen, formt. Aber auch handfester wird der Garten genutzt: das Obst der (teilweise alten) Bäume wird gebrannt oder zu Likören verarbeitet, einmal im Jahr findet eine Gartenmesse statt, die, ganz im Sinn der Gartenbaukunst, gerade auch seltene und in Vergessenheit geratene Pflanzen und Kräuter an die besuchenden HobbygärtnerInnen bringt.
So blühen die barocken Gärten auf unterschiedlichste Art; und wer sie erlebt, wird kaum bezweifeln, dass sie ein wesentlicher Teil des Kulturgutbestandes des Landes sind.
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