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Die Kultur der Prävention
Ein Informations- und Präventionsfolder zum Schutz vor Kulturgutdelikten
Hofrat Dr. Gertrude Tripp 1914 - 2006
Ein Lebenslauf in Zahlen: 1914 geboren, 1939 mit einer Dissertation über mittelalterliche Glasmalerei in Österreich promoviert, gleichzeitig in die Zentralstelle für Denkmalschutz eingetreten, 1942 bis 1946 für das Kunsthistorische Museum mit der Betreuung der Sammlung des Stiftes Klosterneuburg betraut, danach Führung des Musealreferats, Leitung des Fachreferats für die Instandsetzung der Innenräume von Prunkbautenin Wien, 1951 Landeskonservatorin für Oberösterreich, 1956 Leitung des Referats für Subventionen, 1961 Stellvertreterin des Amtsleiters (und damit zuständig für sämtliche fachlichen Fragen des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege für alle Landeskonservatorate), 1964 Delegierte bei der Erstellung der Charta von Venedig und Unterzeichnende für Österreich, Mitgliedschaft der ersten Stunde in ICOMOS und ICCROM, 1967 zusätzlich Leiterin der amtlichen Werkstätten des Bundesdenkmalamtes, 1969 Lehrauftrag an der TU Wien, ab 1981 offiziell im Ruhestand, stellvertretende Vorsitzende des Denkmalbeirats.
Eine unmöglich zu ermittelnde Zahl: die der Denkmale, die HR Tripp aufopferungsvoll betreut, gepflegt, gerettet hat. Eine kleine Auswahl der Räume, für deren Wiederherstellung im Zuge des Wiederaufbaus sie verantwortlich war: die Prunkräume des Prinz-Eugen-Palais in der Himmelpfortgasse, der Blaue Salon im Bundeskanzleramt, Prunkräume im Palais Modena in der Herrengasse. Restaurierungsarbeiten hat sie u.a. in Kremsmünster, im Stift Melk, am Goldenen Dachl in Innsbruck, im Stift St. Lambrecht beaufsichtigt und beraten. Aber ihr Hauptwerk bleibt anonym: es sind die vielen hundert Bauwerke, die weder verunstaltet noch zerstört wurden, die vielleicht nicht einmal besonders bemerkt werden: weil sie, dank ihr, nicht fehlen.
Ebenfalls nicht quantifizierbar: wie viele junge DenkmalpflegerInnen durch ihre charmante, geduldige, aber in der Sache kompromisslose Schule gegangen sind.
Frau Hofrat Tripp war eine Praktikerin der Denkmalpflege; sie hat nicht viel Schriftliches hinterlassen. Der ebenfalls verstorbene ehemalige Generalkonservator des BDA, HR Prof. Dr. Ernst Bacher, hat sie in einer Festrede zu ihrem 75. Geburtstag so charakterisiert:
„Sie braucht, um in ihrem Metier zu sein, die Diskussion, also den Gesprächspartner als Antipoden, an dem sich ihre von latentem kritischem Relativieren bestimmte Argumentation entwickelt. Ihre unnachgiebige Beharrlichkeit im Ausschöpfen aller Argumente für und wider, ihr Bemühen, jede Entscheidung in allen Facetten vorher kritisch zu durchleuchten – ganz gleich, ob es sich um die Frage einer Unterschutzstellung, um das Konzept eines umfangreichen Denkmalpflegevorhabens oder um konkrete Fragen der Restaurierung eines Kunstwerkes handelt -, sind ihr persönlicher Weg methodischer Reflexion. Insistierendes Problembewusstsein und Verunsicherung vorschneller Entscheidungen sind die wichtigsten Grundlagen ihrer Auseinandersetzung mit dem Thema ... Damit hat Gertrude Tripp den Widerspruch, der zum Wesen der Denkmalpflege gehört, in ihrer Tätigkeit offenkundig und sichtbar gemacht und ihren Mitarbeitern vermittelt.“
Bis zum Ende blieb Frau Hofrat Tripp in unbeugsamer Disziplin und unveränderter persönlicher Großzügigkeit am Wohl und Wehe des österreichischen Denkmalbestandes interessiert. Sie wird nicht nur der Denkmalpflege, sondern auch den DenkmalpflegerInnen fehlen.
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