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Hofrat Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lipp,
Landeskonservator für Oberösterreich 1992 – 2010

"Die postmoderne Karriere der Rekonstruktion". Vortrag Zürich 2008.

"Linz 09 - der Dehio als Perspektive": Wilfried Lipp 2009 bei der Präsentation des Dehio Linz .

Univ.Prof. Dr. Wilfried Lipp und Dr. Georg Spiegelfeld, Präsident des Vereins Denkmalpflege in OÖ.

Vortrag Krakau 2006.

Podiumsdiskussion "Ökonomie und Denkmalpflege", Konservatorentagung, Schloss Tillysburg 2007.

Vortrag Alpbach 2004.

Wilfried Lipp mit dem Abt des Stiftes Kremsmünster, Oddo Bergmair. Fest der Denkmalpflege 2005.

Friedrich Bouvier, Landeskonservator für Steiermark i.R. und Wilfried Lipp. Konservatorentagung 2007 in Steyr.

Überreichung der Festschrift an Bischof Maximilian Aichern, 2005 im Bischofhof Linz.

Präsentation der Monumentenwacht in Steyr 2000.

Mit 31.10.2010 trat Hofrat Univ.-Prof. Dr. Wilfried Lipp in den Ruhestand, in Oberösterreich geht damit eine Ära zu Ende.

18 Jahre stand Wilfried Lipp seinem Team, das in dieser Zeit von 9 auf 13 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anwuchs, als Abteilungsleiter vor, insgesamt diente er der Republik mehr als 40 Jahre. Sein Dienstantritt am 1. 6.1970 fiel in eine Zeit, die der Denkmalpflege mit dem Denkmalschutzjahr 1975 einen internationalen Aufschwung und gesellschaftliche Anerkennung bringen sollte, die Zeit seiner Funktion als Landeskonservator für Oberösterreich zwischen 1992 und 2010 war dagegen viel schwieriger.

Am Beginn seiner Tätigkeit standen Erhebungen für Unterschutzstellungen im Mittelpunkt. Wilfried Lipp bewirkte in zahlreichen bedeutenden oberösterreichischen Stadt- und Ortskernen wahre Denkmalschübe. Auch einem damals neuen Schutzgegenstand der österreichischen Denkmalpflege, dem Ensemble, wurde 1986 mit der Unterschutzstellung von Steyrdorf-Wehrgraben, dem bis heute umfangreichsten Einzelensemble Österreichs, entsprochen. Bereits an den Erhebungen hierfür, die 1987 mit der Publikation des Arbeitsheftes der Österreichischen Kunsttopographie „Steyrdorf Wehrgraben-Wieserfeld“ auch ein sichtbares Zeichen erfuhren, war Wilfried Lipp maßgeblich beteiligt. Für die zahlreichen Fälle seiner Tätigkeit als Baudenkmalpfleger sei stellvertretend das umfangreiche Restaurierungsvorhaben von Schloss Mondsee erwähnt.

Nur ein kleiner Teil der bedeutenden Restaurierungsvorhaben der Ära des Landeskonservators Lipp, die unter seiner Leitung mit seinem Team realisiert wurden, kann an dieser Stelle genannt werden: Schloss Württemberg-Traunsee in Altmünster, Schloss Aurolzmünster, das Landschloss Parz, die Filialkirche St. Anna Steinbruch, das ehemalige Kloster Traunkirchen, die Pfarrkirche in Pfarrkirchen im Mühlkreis, das ehemalige Kloster Pulgarn, das Pöstlingbergschlössl, Seeschloss Ort, der Innerberger Stadl in Weyer, Schloss Voglsang in Steyr, der Minoritenkomplex in Wels, die Pfarr- und Wallfahrtskirche Stadl-Paura, die Glockengießerei in St. Florian, Wasserschloss Parz, das Geviert Altes Rathaus Linz, Schloss Ennsegg, der Salzhof in Freistadt, Schloss Hartheim, die Ausgrabung der Landhausbrücke in Linz, das Salzamt in Linz und viele andere mehr.

Besonderen Wert legte Wilfried Lipp auf die Intensivierung der Unterschutzstellungstätigkeit, seinen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen verlangte er dabei großen persönlichen Einsatz ab. Durch die Bearbeitung zahlreicher weiterer Ensembles (u. a. Braunau am Inn, Haslach an der Mühl, Neufelden, Eferding, Aschach an der Donau, Obernberg am Inn) nahm die Zahl der Unterschutzstellungen deutlich zu.

Denkmalpflegerische Arbeit erfolgte unter Wilfried Lipp stets in gutem Einvernehmen mit den Kultureinrichtungen des Landes und der kirchlichen bzw. diözesanen Denkmalpflege. Die großen oberösterreichischen Landesausstellungen, die jeweils Gelegenheit zu umfassenden Instandsetzungsarbeiten an bedeutenden Denkmälern boten, mögen hierfür als Beispiel stehen, etwa „Künstlerschicksale in Österreich“/ Stift St. Florian (1996), „Renaissance und Reformation“ / Schloss Parz (2010), oder die regionenübergreifenden Landesausstellungen mit ihrem charakteristischen, besonders hohen Anteil an praktischer Denkmalpflege, wie „Land der Hämmer“ in der Eisenwurzen (1998) oder die Landesausstellung im Salzkammergut (2008).

Durch die Mitarbeit im Vorstand des Vereins Denkmalpflege in Oberösterreich hat Wilfried Lipp auch einen Anteil an langjährigen Denkmalpflegevorhaben des Vereins, etwa einem Rettungskauf und der anschließenden Restaurierung des bedeutenden Tafelbilderzyklus der „Würtinger Bilder“ sowie der Instandsetzung der Schlosskapelle Mitterberg. In dieser Funktion gelang es Wilfried Lipp auch den „Tag des offenen Denkmals“ auf den Weg zu bringen. Diese mittlerweile österreichweit als „Tag des Denkmals“ sehr erfolgreich geführte, auch im europäischen Vergleich bedeutende Veranstaltung nahm durch die Initiative des Vereins Denkmalpflege über Anregung von Wilfried Lipp ihren Ausgang in Oberösterreich.

Parallel dazu lehrte Lipp an der Universität Salzburg und anschließend an der Kunstuniversität sowie an der Katholisch-Theologischen Privat-Universität in Linz. Diese Lehrtätigkeit und seine umfangreiche Publikationsliste weisen ihn als europaweit anerkannten Theoretiker und Kunstwissenschaftler aus.
Als Denkmalpfleger war ihm nicht nur Einzeldenkmal und Ensemble, sondern der Schutz von Kulturlandschaften ein besonderes Anliegen. So war er an der Erhebung der Region Hallstatt Dachstein Salzkammergut zum UNESCO-Welterbegebiet im Jahr 1997 maßgeblich beteiligt. Im Jahre 2002 wurde er zum Präsidenten von ICOMOS Österreich gewählt und in der Folge mehrmals in dieser Funktion bestätigt. Seit 2009 ist er auch Vizepräsident von ICOMOS International und damit für die europäischen Agenden dieser internationalen Denkmalschutzorganisation zuständig. Beide Aufgaben nimmt er weiterhin wahr.

In all den Jahren hielt er eine große Anzahl bewegender und mitreißender Vorträge, die Querbezüge zu gesellschaftsrelevanten Fragen herstellten und Themen wie Ökonomie und Denkmalpflege, Rekonstruktion und Alterswert, Authentizität und Fälschung durchdrangen. Immer wieder wies er darauf hin, dass das Bild, das wir von Städten und Denkmälern geistig gespeichert haben, in der Realität immer weniger auffindbar ist. Als scharfer Kritiker der „Anything goes“-Fraktion, die aus einem falschen Verständnis der Charta von Venedig glauben, jede Veränderung von Denkmälern rechtfertigen zu können, sah er sich selbst „hart am Wind“. Die intensive Beschäftigung mit Hintergründen und Problemen des Denkmalschutzes wirkte sich unmittelbar auf die Gespräche mit Bauherrn und Planern in Oberösterreich aus. Sie erlaubten es Wilfried Lipp, Zusammenhänge zu verdeutlichen und dadurch zu überzeugen.

Dass der Alltag des Denkmalpflegers kein leichter ist, wusste wohl niemand besser als Wilfried Lipp selbst. Die Fixierung eines hohen Standards in der praktischen Denkmalpflege und die intensive Auseinandersetzung mit den Fragen des Denkmalschutzes bleiben ungeschmälertes Verdienst des bisherigen oberösterreichischen Landeskonservators.
 

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