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Die Heumühle im Zentrum von WienRettung eines verborgenen Juwels

Detail der Holzkonstruktion in josephinischer Formensprache

Heumühle, Ostfassade mit historischen Putzen nach der Restaurierung

Blick in den Innenraum des Erdgeschosses.

Detail der Holzkonstruktion in josephinischer Formensprache während der Restaurierung.

Heumühle, Westfassade nach der Restaurierung.

Heumühle, Ostfassade vor der Restaurierung

Fassadendetail an der Südseite

Heumühle, Dachdetail, Ostgiebel

Innenraumdetail im Erdgeschoss.

Nordfassade vor der Restaurierung
Über Jahrzehnte fristete die so genannte „Heumühle“, die letzte noch erhaltene Mühle am Wienfluss, ein verborgenes Dasein im Innenhof des viergeschossigen Zinshauses von 1848, Schönbrunnerstraße 2, im 4. Wiener Gemeindebezirk.
Umbaupläne gaben den Anstoß für bauarchäologische Untersuchungen. Diese erbrachten bemerkenswerte Informationen, die die Heumühle als ein für Wien einzigartiges profanes Kleinod mit hoher bau- und kulturhistorischer Bedeutung ausweisen.
An der Nordseite des zweigeschossigen Gebäudes floss ehemals der vom Wienfluss abzweigende Mühlbach vorbei. Archivalische Quellen, bauhistorische und archäologische Befunde sowie dendrochronologische Untersuchungen konnten belegen, dass die Heumühle (ehemals Steinmühle) bereits vor 1326 und bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts als Mühle in Verwendung war. Ursprünglich im Besitz des Heiligengeistspitals, ging die Mühle 1533 urkundlich in das Eigentum des Erzbistums Wien über.
Bausubstanz, Baudetails und Zäsuren erzählen noch heute von den unterschiedlichen Bau- und Ausstattungsphasen der Heumühle und ihren Geschichten. So können die frühesten Mauerteile ins 14. Jahrhundert datiert werden, am aufgehenden Mauerwerk sind deutliche Spuren der Brände während der 1. Türkenbelagerung von 1529 ablesbar, vermauerte sogenannte Grindelöffnungen zeugen von der Abfolge unterschiedlicher Wasserwerke im Lauf der Zeit. Im Zuge der archäologischen Grabungen konnten außerdem die Fundamente für die Umbauten, Aufstockungen sowie Zubauten im 17. Jahrhundert erforscht und dokumentiert werden.
Die letzte große bauliche Veränderung erfolgte von 1815 bis 1818. Auf diese Bauphase gehen auch die bemerkenswerten Holzkonstruktionen im Inneren sowie die Kielbogen- bzw. Spitzbogenfenster zurück. Sie prägt entscheidend das heutige Erscheinungsbild der Heumühle. In der Mitte des 19. Jahrhunderts, nach Zuschüttung des Mühlbachs, verlor die Mühle ihre Funktion, wurde in der Folge als Werkstätte genutzt und geriet zunehmend in Vergessenheit; die Bausubstanz verfiel daher immer mehr.
Die in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt durchgeführten aktuellen Adaptierungsmaßnahmen ermöglichen eine Wiederbelebung und Neubewertung des Objektes. Voraussetzung dafür waren die statische Sicherung und die Aussteifung der Wände. Da das Bauwerk keine zusätzlichen Lasten aufnehmen konnte, wurden alle Konstruktionselemente im Inneren separat fundamentiert und selbsttragend hergestellt. Nur so war es möglich, das historische Erscheinungsbild zu bewahren. Die Fassaden sind nach restauratorischem Befund als putzsichtige Kalkputzfassaden in traditioneller Handwerkstechnik ausgeführt. An der Ostfassade konnte der Putz von 1620 mit horizontalen Bänderungen freigelegt, konserviert und gesichert werden. Die Fenster wurden großteils instand gesetzt, wenn dies nicht möglich war, stil- und fachgerecht nachgebaut. Dies galt auch für die gotisierenden, für ein Mühlengebäude ungewöhnlichen und auch aus kunsthistorischer Sicht bemerkenswerten Fenster aus dem beginnenden 19. Jahrhundert.
Im Inneren wurde der von der Holzständerkonstruktion in josephinischer Formensprache dominierte Raumeindruck mit zeitgemäßer Architektur qualitätvoll verbunden. Nun stehen historische Baudetails im Kontrast zu neuen Tragelementen aus Stahl. Denn erst durch das Zusammenspiel von Alt und Neu gelingt der Trapezakt zwischen Erfüllung der notwendigen statischen, bauphysikalischen und brandschutztechnischen Anforderungen und der denkmalpflegerischen Ansprüche. Ermöglicht wurde die Musterrestaurierung durch die Kooperationsbereitschaft der Eigentümerin, der Gesellschaft Dr. Jelitzka & Partner.
Am 11. Juni 2008, nach Fertigstellung der Arbeiten, werden die Türen der „Heumühle“ von 14:00 bis 18:00 zur Besichtigung geöffnet.
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