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Freskenfunde in der Widumskapelle in AxamsTirol, Bezirk Innsbruck/Land, Sylvester-Jordan-Str. 2

Grundriss der Widumskapelle mit Baualterkartierung

Ostwand vor der Restaurierung:
Aufnahme des Kapellenraumes Richtung Osten vor Restaurierung. Die Wände und Gewölbeflächen sind von insgesamt neun Kalktünchungen übermalt

Ostwand, Schadenskartierung:
I. freigelegtes Mauerwerk
II. Ziegel
III. Putzoberfläche, Malerei fehlt
IV. Putzoberfläche mit erhaltener Malerei
V. Befundstellen Farbschichten
Die sog. Widumskapelle entstand ursprünglich als freistehender zweigeschossig gemauerter Bau, der sich in einen Keller- und einen Erdgeschossraum gliedert.
Beide Räume sind mit einem spitzbogigen Kreuzgratgewölbe ausgestattet. Aufgrund der Struktur des freigelegten Mauerwerks und der Gewölbeform kann das Gebäude um 1300 datiert werden. Im 14. und 15. Jh. wurde der spätromanische Bau im Norden und Westen erweitert, im Barock nochmals umgebaut und zum heutigen Widum vereinheitlicht. Im Zuge von Umbauarbeiten entdeckte man 1999 Fresken im Erdgeschossraum der Kapelle, die seit Herbst 2002 freigelegt, gereinigt und restauriert werden.
Die frühgotische freskale Ausstattung stellt sakrale, überwiegend aber profane Themen dar. Die Ostwand zeigt einen sehr jugendlichen hl. Christophorus, die hl. Dorothea und ein von einem Ring gefasstes Kreuz, die Westwand eine Turnierszene. An den Wandflächen sind Wappenschilde gemalt. Bemerkenswert ist die Darstellung des Tiroler Wappens, bei dem es sich wahrscheinlich um das früheste Beispiel in Nordtirol handelt. Von den übrigen konnten das Wappen König Albrecht I., der Österreichische Bindenschild, die Wappen Kärntens, Salzburgs, der Herren von Starkenberg und Vellenberg zugeordnet werden. Noch nicht mit Sicherheit identifiziert sind die Wappen der Steiermark, der Herren von Rottenburg und Matrei. In den Gewölben wechseln als irreale Sternenhimmel grüne, rote und gelbe Grundflächen mit dazu komplementär farbigen Sternen, die Gewölbescheitel sind mit Rosetten geziert. Eine Besonderheit stellen die geschlungenen Schmuckbänder an den Gewölberippen dar. Aufgrund der goldenen Rankenhintergründe und der motivischen Darstellungen ist eine Datierung um 1330 möglich. Die ursprüngliche Funktion des Raumes ist derzeit noch nicht zu beantworten, da mit Ausnahme der Heiligendarstellungen an der Ostwand alle anderen Wandflächen ausschließlich profane Motive aufweisen.
Nach Abnahme der Farbschichten konnte kein Beweis für ehemals unverputzt genutzte Gewölbe- und Wandflächen gefunden werden. Das Mauerwerk und die freskierten Putzoberfläche sind daher eher zeitgleich zu sehen.
Die größten Schäden an den Fresken sind durch die Veränderungen der ursprünglichen Tür- und Fensteröffnungen im 19. Jh. entstanden. Vom ursprünglichen spätromanischen Fenster haben sich der Sturz und der obere Ansatz der Leibung erhalten. Da die originale Fensteröffnung höher liegt als die heutige, ist die Breite des spätromanischen Fensters erkennbar. Der sichtbare Leibungsansatz gibt die ursprüngliche Leibungsschräge wieder. Die mit Holz verkleidete Nische rechts des Fensters ist im originalen Verband zur Putzoberfläche, die die frühgotische Malerei trägt.
Es ist geplant, die Fenster der Ost- und Südwand nach der erkennbaren Breite des Ostwandfensters zu rekonstruieren. Die für den Einbau von Heizkörpern ausgeschlagenen Fensternischen sollen wieder geschlossen und die Oberfläche der Vermauerung der originalen Putzoberfläche farblich angepasst werden.
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