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Oktober

Buntglasierter Kachelofen Umfeld der Strobl-Werkstatt, Salzburg Mitte 17. Jh., Sammlung Jörg Demus

Buntglasierter Kachelofen

Buntglasierter Kachelofen, Umfeld der Strobl-Werkstatt, Salzburg, Mitte 17. Jahrhundert

Rahmenkachel mit geflügeltem Engelskopf zwischen Früchten in Wellenrahmen

Rahmenkachel mit geflügeltem Engelskopf zwischen Früchten in Wellenrahmen

Druckgraphische Vorlage

"Gustus", Blatt aus der Serie der fünf Sinne, Jost Amman, Stephan Hermann (Hg.), mögliche druckgraphische Vorlage für die allegorischen Zentralkacheln

Model

Model zur Rahmenkachel mit geflügeltem Engelskopf, aus dem Fund in der Salzburger Steingasse 67, ehem. Strobl-Werkstatt

Kachelofen aus Hellbrunn

Frühes Hauptwerk der Strobl-Werkstatt: Fayenceofen von Friedrich Strobl in Schloss Hellbrunn bei Salzburg, dat. 1608

Kachelofen aus Grafenegg

Buntglasierter Kachelofen, Umfeld der Strobl-Werkstatt, Salzburg Mitte 17. Jahrhundert, ehem. Schloss Grafenegg (NÖ), 1945 zerstört

Aus Kacheln gesetzte Öfen haben im deutschsprachigen Raum eine lange Tradition: Bereits kurz vor 1100 sind aufgrund archäologischer Funde die ersten, offene Feuerstellen ersetzenden Kachelöfen auf Schweizer Ansitzen nachweisbar.

Anfänglich dem Adel vorbehalten, wurden im 15. Jahrhundert Kachelöfen in Wohnräumen Statussymbole des aufstrebenden Bürgertums. Darstellungen aus der feudalen Lebenskultur, wie etwa Jagd- und Minneszenen, Fabel- und Mischwesen, aber auch Wappen und geometrische Muster wichen moralisch-allegorischen und religiösen Inhalten. Mit diesem Bilderkanon, der sich ähnlich auch auf anderen Teilen der Ausstattung wie Möbeln und Wandbehängen findet, wurde der Kachelofen integrativer Bestandteil des Wohnraumes. Im späten 15. Jahrhundert führte die Möglichkeit, unterschiedliche Formate innerhalb eines Ofens zu verwenden, zur Entwicklung großer Bildkacheln mit aufwändigen inhaltlichen Programmen, häufig in Vierergruppen, etwa mit den Elementen, Jahreszeiten oder auch mit religiösen Bezügen. Mit dem Aufkommen neuer Drucktechniken (Holzschnitt, Kupferstich) wurde ab 1500 die Gestaltung der Kachelreliefs nach graphischen Vorlagen fast durchwegs die Regel. Bildmotive wurden von Bildschnitzern, die das Model für die Kachelherstellung liefern sollten, dem vorgegebenen Maß angepasst. Von Anfang an setzte sich der Kachelofen, der bis ins 18. Jahrhundert überwiegend von außen beheizt wurde, aus zwei Teilen zusammen: einem beheizbaren Feuerkasten und einem darüber liegenden Oberofen, der die Hitze des aufsteigenden Rauches in Wärme umsetzte. Die gesamte Ofenkonstruktion stand auf einem gemauerten Sockel bzw. Ofenfüßen.
Für einen der Abnutzung unterworfenen Gebrauchs-
gegenstand erweist sich der Zustand unseres Kachelofens aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ungeachtet einiger Ergänzungen als sehr gut: Ober- und Unterbau ruhen auf erneuerten Füßen in Löwengestalt, auch das bekrönende Relief wurde in jüngerer Zeit ergänzt. Die reliefierten Rahmenkacheln des farbenprächtigen Ofens zeigen dem Zeitstil entsprechende und durch Ornamentstiche weit verbreitete Motive. Im schmäler dimensionierten Oberbau wiederholt sich in großen Teilen der Dekor des Unterbaus. Die figürlichen Darstellungen von Tactus (=Tastsinn) und Gustus (=Geschmackssinn) auf den zentralen Kacheln beruhen wahrscheinlich auf Stichvorlagen aus der Zeit um 1600. Die Bezugnahme auf die fünf Sinne ist bei Kachelöfen öfters zu finden und als Anspielung auf den Thomas von Aquin zugeschriebenen Hymnus „Adoro te devote“ (= Demütig bete ich dich an) zu verstehen, der im Zeitalter der Gegenreformation zu einem der beliebtesten eucharistischen Gebete bei den Vorbereitungs- und Danksagungsgebeten der Messfeier wurde.
Der Kachelofen stellt ein besonders charakteristisches Beispiel aus dem Umfeld der bedeutenden Salzburger Strobl-Werkstatt dar, wenn er nicht aus dieser selbst stammt, da sich etliche der Kacheln auf Modeln aus einem Fund im Haus Steingasse 67 in Salzburg zurückführen lassen, das über 200 Jahre im Besitz von Hafnermeistern aus der Familie Strobl war. In den 1970er Jahren konnten bei Bauarbeiten etwa 100 Model und Kacheln aus der Zeit von 1550 bis 1750 geborgen werden, die für Bauzwecke wieder verwendet worden waren. Die hier ansässige Werkstatt gehörte Jahrhunderte lang zu den führenden Hafnerbetrieben im deutschsprachigen Raum. 1565 erwarb Thomas Strobl das Bürgerrecht in Salzburg, bis zu seinem Tod 1622 war er als Hafnermeister tätig.
In der Entstehungszeit unseres Ofens war Rueprecht Strobl (+ 1681) die beherrschende Persönlichkeit der Werkstatt. Bei einem bunt glasierten Ofen für die Erzabtei St. Peter wurden Model verwendet, die auch beim gegenständlichen Kachelofen zur Anwendung kamen. Die Model zum reliefierten Rahmenwerk eines 1945 zerstörten Ofens aus Grafenegg stammen ebenfalls aus der Strobl-Werkstatt und zeigen genaue Übereinstimmungen mit den rahmenden Kacheln unseres Ofens. Der Kachelofen, 2004 anlässlich der Versteigerung der Sammlung Jörg Demus im Wiener Dorotheum angeboten, wurde aufgrund seiner handwerklichen und künstlerischen Qualität, des guten Erhaltungszustandes sowie als seltenes Zeugnis der Salzburger Hafnerkunst aus der Zeit ihrer Hochblüte unter Denkmalschutz gestellt.

Letztes Update: 03.10.2005 © Copyright 2005 BUNDESDENKMALAMT



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