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Stift St. Paul im Lavanttal

Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal (Foto: Europaausstellung St. Paul im Lavanttal)

Ideales und nur zum Teil ausgeführtes Bauprojekt (Valvasor 1688)

Deckenmalereien (B. Veldner) und Stuckumrahmung (G. Wittini) im „Hemisphärensaal“ nach der Restaurierung

Wappen des Abtes Reichhart als Auftraggeber

Deckendetail - das Sternbild „Puppis“ (Schiff)

Putti symbolisieren die aus allen Weltrichtungen blasenden Winde.

Deckendetail - Sternbild „Pegasus“ (Flügelrosse)

Kellergeschoss mit den neu geschaffenen Bibliotheksräumen (Foto: Europaausstellung St. Paul im Lavanttal)

Kellergeschoss - Blick auf die unverputzten, gereinigten Ziegelgewölbe (Foto: Europaausstellung St. Paul im Lavanttal)

Stiftsgarten - „Lobisserstöckl“ mit Nischenmalereien des Suitbert Lobisser.

Macht des Wortes: Mönchtum im Spiegel Europas. Am Tag des Denkmals gibt es um 10 Uhr eine Spezialführung durch die revitalisierte Gartenanlage und den neuen Ausstellungstrakt!



Mit der Adaptierung des an den Westtrakt der Stiftsräume angebauten Südflügels und der Wiederherstellung des Klostergartens mit zwei Gartenstöckeln wurden Voraussetzungen für eine adäquate Präsentation der bedeutenden Bücher- und Kunstsammlung sowie eine nachhaltige kulturtouristische Nutzung des Benediktinerklosters St. Paul im Lavanttal geschaffen.

Es ist der größte Umbau des Klosters seit dem 17. Jahrhundert, der gerade zeitgerecht vor der Eröffnung der diesjährigen Großausstellung „Macht des Wortes - Mönchtum im Spiegel Europas“ zu Ende ging. Abt Hieronymus Marchstaller (1616-1638) und seinen Nachfolgern wird zugeschrieben, beim Ausbau der Anlage die Vision eines österreichischen Escorials vor Augen gehabt zu haben. Abweichend vom mehrfach überlieferten Idealplan einer geschlossenen und von vier Ecktürmen gesäumten Kirchenburg wurden Ost- und Westflügel an der Südseite jedoch nie miteinander verbunden, von den geplanten Türmen nur jener an der Nordwestecke erbaut. Der unter Abt Albert Reichhart (1677-1727) an den Westtrakt angebaute „Südflügel“ musste im Gegensatz zu den übrigen Trakten auf eine Länge von 30 m beschränkt werden. Eine größere Mauerstärke sowie die Ausbildung eines zusätzlichen Geschosses lassen den Quertrakt trotz seiner Kürze imposant erscheinen.

Im 1683/84 fertig gestellten Südflügel wurde bereits im 17. Jahrhundert im Obergeschoss die Stiftsbibliothek untergebracht, für die im Falle einer Fertigstellung des Südtraktes sicherlich andere Räumlichkeiten zur Verfügung gestanden wären. Für das Vorhaben, den Raum später als Entree der Prälatur zu nutzen und für diesen Zweck entsprechend repräsentativ zu gestalten, spricht die prachtvoll gestaltete Decke. Sie war bis zur diesjährigen Translozierung der Bibliothek zum überwiegenden Teil von raumhohen Bücherregalen verdeckt. Als Sujet für das Deckengemälde gab Abt Reichhart das Himmelgewölbe in Auftrag: Die beiden Kreisflächen, welche die östliche und westliche Hemisphäre darstellen, wurden mit plastisch ausgebildeten Stuckrahmen - eine Arbeit des Meisters Gabriel Wittini, umgeben. Im südlichen Zwickel zwischen den Kreisen sind Stiftswappen, Auftraggeber und eine Inschrift mit Hinweis auf das Entstehungsdatum des Gemäldes wiedergegeben. Die Signatur des beauftragten Malers „Wolff: Bernard Veldner Pictoris Wolfbergis“ im südöstlichen Zwickel verweist auf einen seit 1679 im Lavanttal ansässigen Künstler. Wolfgang Bernhard Veldner dürfte für seine Bearbeitung des Themas einen Himmelsglobus oder Himmelsatlanten aus dem Bibliotheksbestand herangezogen haben, um die von ihm dargestellten Sternbilder und Tierkreiszeichen möglichst wirklichkeitsgetreu im tiefblau gemalten Weltenall zu positionieren. Bänder aus roten und weißen bzw. grünen und weißen Vierecken markieren den Äquator und die Ekliptik; die Milchstraße wurde als gelber Streifen wiedergegeben. Zusätzlich eingezeichnete Grad- und Breitengradunterteilungen sollten den Eindruck vermitteln, dass der Künstler den jeweiligen Standorten der Bilder wissenschaftliche Erkenntnisse zugrunde gelegt hatte: wie man aus peniblen Vermerken des Abtes anlässlich einer Kometenerscheinung 1680/81 weiß, war das Stift zur Zeit der Deckenausmalung ein Zentrum astronomischer Studien.

Dass der „Hemisphärensaal“ mit den gereinigten und gefestigten Deckenmalereien überhaupt unverstellt zugänglich gemacht werden konnte, war nur deshalb möglich, weil man für die Bibliothek einen neuen Standort gefunden hatte: Im Gegensatz zu den Adaptierungen des 17. und 18. Jahrhunderts waren für den gegenwärtigen Umbau nicht repräsentative Ansprüche, sondern in erster Linie die Sicherung und Zusammenführung von mehr als 180.000 Büchern, 4000 Handschriften und über 1600 Urkunden bei adäquaten klima- und sicherheitstechnischen Bedingungen ausschlaggebend. Gleichzeitig sollte ein zeitgemäßen Ansprüchen genügender Ausstellungsbetrieb geschaffen werden.

800 m2 Nutzfläche standen in den brach liegenden Kellern zur Verfügung, die z. T. unter Einbeziehung älterer Mauern im 17. Jahrhundert angelegt worden waren. Bis zu ein Meter hoher Schutt musste abgetragen, von den 10-12 m hohen und bis zu 8 m breiten Tonnengewölben zentimeterdicke Schmutzkrusten entfernt werden. Ein allzu felsiger Untergrund verhinderte im 17. Jahrhundert eine durchgehende Unterkellerung, so dass die südwestlichen Gewölberäume von den nordwestlichen Kellergewölben seit jeher räumlich getrennt waren. Während die südlichen und westlichen Kellerräume nun die Bibliothek und Schauräume zur Präsentation der Bücherschätze des Klosters beherbergen, wurde der nordwestliche Keller als „Kristalldom“ u. a. mit Exponaten aus der 1687-1878 betriebenen Glashütte des Stiftes in St. Vinzenz auf der Soboth bestückt. Unmittelbar über der Bibliothek entstand das neue Archiv und ein Arbeitsbereich für dessen wissenschaftliche Bearbeitung. Ein in diesem Bereich integrierter Aufzug ermöglicht erstmals einen barrierefreien Zugang zu allen vier Geschossen.

Parallel zu den Adaptierungsmaßnahmen im inneren Stiftsbereich wurde die ursprünglich barocke Gartenanlage revitalisiert. Diese ist heute vielfach von Umgestaltungen aus der Zeit des beginnenden 19. Jahrhunderts geprägt. Damals war das 1782 aufgehobene Stift von Mönchen aus dem ehemaligen Kloster St. Blasien im Schwarzwald neu besiedelt worden. Die Bücher-, Kunst- und Kirchenschätze, die St. Paul heute besitzt, stammen zu einem überwiegenden Teil aus St. Blasien. Die St. Blasier Mönche brachten jedoch nicht nur bedeutende Sammlungen nach St. Paul mit, sondern setzten auch die Stiftsgebäude und -gärten einschließlich der zugehörenden Wirtschaftsgebäude wieder instand. 1815/16 wurden von einem aus Udine stammenden Baumeister, Pietro Rodolfi, für den Klostergarten zwei Gartenstöckel entworfen. Im so genannten „Lobisserstöckl“ an der Westecke der südlichen Umfassungsmauer, befand sich etwa ein Jahrhundert später, ab 1922, das Atelier von Suitbert Lobisser, des bekannten Holzschnittmeisters - Fresken des Künstlers sind an der Südfassade des Stöckls erhalten. Nach einer weitgehenden Rückführung auf das Erscheinungsbild des 19. Jahrhunderts beherbergt das Stöckl nun einen Galerieraum und ein Café. Im zweiten Stöckl, dem so genannten „Gärtnerstöckl“ im Bereich der nördlichen Umfassungsmauer wurde nach Wiederherstellung einer ursprünglich vorhandenen Treppenanlage eine Klosterapotheke eingerichtet.

Die gegenwärtige Ausstellung in St. Paul zeigt, dass seit der Entstehung des abendländischen Mönchtums 529 n. Chr. von Benediktinern im Dienste des Glaubens bedeutende bauliche, wissenschaftliche, literarische und künstlerische Leistungen vollbracht wurden. Die nunmehr abgeschlossenen Bau- und Restaurierungsmaßnahmen im Benediktinerstift stellen nicht nur eine nachhaltige Nutzung und Erhaltung der Anlage sicher, sondern auch, dass der Orden seinem kulturellen Auftrag auch künftig nachkommen kann.



Am Tag des Denkmals am 27.9.2009 gibt es um 10 Uhr eine Spezialführung durch die revitalisierte Gartenanlage und den neuen Ausstellungstrakt!


Treffpunkt: Eingang zur Europaausstellung


Voranmeldung unter der Tel.Nr. 0463/55630


9470 St. Paul im Lavanttal


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