Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

St. Georgen bei NeumarktKirchenruine St. Georg

Kirchenruine Kirchbichl von Westen. © Steinegger

KIrchenruine, Archäologen bei der Arbeit. © Steinegger

Gräber im Bereich der Auenkapelle. © Steinegger

Römischer Grabstein mit Librarius.

Führungen um 9.30, 11.00, 14.00 und 15.30 Uhr (Wegbeschreibung: Südlich des Neumarkter Hauptplatzes in Richtung Friedhof (Wegweiser Richtung St. Georgen) abbiegen, im Zentrum des Weilers St. Georgen links in Richtung höchster Erhebung (Kirchbichl/vlg. Roaner) abbiegen, Parkmöglichkeiten im Norden des Kirchbichls). Kontakt: Mag. Astrid Steinegger, Tel. 0699/11300537
8820 St. Marein bei Neumarkt, St. Georgen

In den Jahren 2007 und 2008 wurden im Zuge eines Projektes des Forschungsvereins FIALE mit Unterstützung des Bundesdenkmalamtes am sogenannten „Kirchbichl bzw. Schießbichl“ von St. Georgen bei Neumarkt archäologische Grabungen durchgeführt. Die Parzelle 759/2, die höchste Erhebung des Ortes, befindet sich heute im Besitz des Landwirts Bertram Köck vlg. Roaner. Die ehemalige Kirche war dem Hl. Georg geweiht und fiel 1847 einem Brand zum Opfer. Entgegen der mündlichen Überlieferung wurde der Bau aber nicht bis auf die Grundmauern abgetragen, sondern dem Verfall preisgegeben. Die durch die archäologischen Untersuchungen wieder zutage gekommene romanische Kirchenruine befand sich in erstaunlich guten Zustand und wurde unter Denkmalschutz gestellt. Im August 2008 wurde mit Hilfe des Bundesdenkmalamtes eine Sicherung der erhaltenen Mauerreste durchgeführt.
Die Entstehungszeit des Baus ist unklar – möglicherweise kann die Kirche mit einer
frühen Burganlage oder einem Herrenhof in Verbindung gebracht werden. Doch bei der erstmaligen urkundlichen Erwähnung der Kirche im Jahre 1146, als Rudeger von Krappfeld und seine Frau die Kirche und andere Besitztümer dem Bischof Roman von Gurk schenkten, scheinen keine zugehörigen Bauten mehr existiert zu haben. Ein kirchlicher Visitationsbericht von 1607 erwähnt die „mit allem nötigen Gerät ausgestattete“ Kirche, beschreibt sie aber als „winzig“. Der durch die Grabungen wieder zutage gekommene Bau wurde in mehreren Phasen errichtet. Wohl aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts stammt der Saalraum mit Chorquadrat. Mit einem aufgesetzten Turm ist nicht zu rechnen, da keine der Fundamentmauern durch besondere Breite hervorsticht. Der ursprüngliche Zugang befand sich an der südlichen Langhauswand. In einer zweiten Bauphase wurde an den Chor, der den liturgischen Vorstellungen wohl nicht mehr entsprach, eine Apsis angebaut. Dies zeigt sich deutlich an einer Baunaht im Süden des Presbyteriums, wo die ursprüngliche Eckausbildung mit annähernd quaderhaft zugerichteten Ortsteinen noch gut zu erkennen ist. Der neu errichtete Altar wurde auf die Reste der Chorostwand aufgesetzt. Dieser Anbau lässt sich möglicherweise aufgrund des Mauerwerks grob in das 13. Jahrhundert datieren. Wohl zeitgleich wurde im Norden der Kirche eine Sakristei angebaut, die über eine in die Nordwand des Presbyteriums sekundär eingebaute Tür zugänglich war. Weitere Umbauten erfolgten im Laufe der folgenden Jahrhunderte: Die Fundamente von Wandvorlagen deuten auf eine Veränderung der Deckensituation hin – es wurde wohl die romanische Flachdecke aus Holz zugunsten einer Überwölbung des Raumes aufgegeben. Im Westen wurde ein weiterer Zugang zum Saalraum geschaffen. Die im Süden angebaute und nur von außen zugängliche Kapelle stellt den jüngsten Bauteil der Anlage dar und wurde wohl erst in der letzten Nutzungsphase der Kirche vor der Säkularisierung durch Josef I. errichtet.
46 im Grabungsareal aufgedeckte Bestattungen können mit einem mittelalterlichen Friedhof in Verbindung gebracht werden – es handelt sich um Individuen aller Altersklassen. menschliche Knochen im Bereich der Sakristei und der barocken Außenkapelle. Die in der Sakristei dokumentierten Gräber stammen aus der Zeit vor der Errichtung dieses Anbaus, der ersten Phase der Kirche (12. Jahrhundert). Ebenfalls dem Ursprungsbau zuzurechnen sind zwei römische Spolien, die im Bereich des Triumphbogens wiederverwendet wurden. Beide Grabsteine wurden so positioniert, dass ihre Darstellung - in einem Fall ein librarius - nicht mehr sichtbar war. Zusätzlich wurden sie zusammen mit dem Rest der Mauer verputzt und so auch die Andersartigkeit des Steines verdeckt. Des weiteren stammt ein römischer Meilenstein der Zeit Konstantins aus den zerstörten Resten der Anlage. Er wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Schwelle der abgebrannten Kirche „gerettet“ und befindet sich heute im Landesmuseum Joanneum in Graz. Zahlreiche römische Spolien in den umlegenden Gemeinden (Greith, St. Marein, Mariahof,..) und in St. Georgen selbst deuten auf eine römische Besiedlung des Neumarkter Hochlandes hin und lassen die Nähe der römischen Reichsstraße nach Ovilava vermuten.

Astrid Steinegger



Druckersymbol Druckversion