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/ Kärnten
Obervellach, Pfarrkirche hl. Martin
Spezialführung mit Mag. Karin Kargl und Diözesankonservator Dr. Eduard Mahlknecht

Nordkapelle, Scorel-Altar (1519/20), rechter Altarflügel, Innenseite mit Darstellung der hl. Appolonia

Chorsüdseite, Glasgemälde (1515)

Chornordwand, Fresko mit der Kreuzigung und den 14 Nothelfern (1509), Detail

Scorel-Altar, Triptychon, Mittelteil mit Darstellung der Sippe Christi und Innentafeln mit den Hll. Christophorus und Appolonia

Triptychon, Detail

Nordkapelle, Nordwand, freigelegte Rankenmalereien

Kirchenraum während der Innenrestaurierung

Nördliche Langhauswand, Weltgerichtsfresko (um 1570/ 80) während der Reinigung, Detail

Nördliche Langhauswand, Weltgerichtsfresko (um 1570/ 80) während der Reinigung, Detail
Nach Abschluss einer aufwändigen Innenrestaurierung gibt es am Tag des Denkmals um 11 Uhr eine Sonderführung zu den überregional bedeutenden Kunstimporten im "Oberkärntner Dom".
Obervellach verdankt seinen Reichtum dem Edelmetall- und Kupferreichtum der Tauern. 1509 erlangte der Markt als Sitz des Oberstbergmeisteramtes der niederösterreichischen Lande eine herausragende Bedeutung, die sich in der Errichtung repräsentativer Profanbauten, darunter Schloss Trabuschgen, sowie im Bau einer mächtigen Kirche spiegelt. Der mit Stern- und Netzrippen eingewölbte, mit Maßwerkfüllungen an Fenstern und Emporenbrüstung reich dekorierte Bau wurde 1490 und 1514 - in der Blütezeit der Montankonjunktur - errichtet und kann aufgrund mehrerer Meisterzeichen und einer Bauinschrift im Langhausbereich dem Südtiroler Meister Lorenz Rieder zugeordnet werden.
Die reichhaltige Ausstattung umfasst verhältnismäßig viele Werke, die von nichtheimischen Künstlern geschaffen wurden:
Zum Importgut dürften auch vier „1515“ datierte, in der Formensprache bereits renaissancezeitlich geprägte Glasscheiben zählen - zumindest konnte bisher von der Forschung noch keine regionale Künstlerwerkstätte nachgewiesen werden. Zuletzt in den barocken Fenstern der nördlichen Seitenkapelle eingebaut, wurden die Scheiben nach einer Restaurierung in den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes vor wenigen Wochen in die gotischen Chorfenster des Altarraumes integriert.
Unter den zahlreichen Wandmalereien wurde ein Fresko mit Darstellung einer „Kreuzigung“ und der „Vierzehn Nothelfer“ einem Künstler zugeschrieben, der von der Forschung als „Meister des Oberfalkensteiner Altarflügels“ bezeichnet wurde. Das schmale, aber sehr qualitätvolle Werk, das dieser Künstler bei seinem Aufenthalt in Oberkärnten 1509-12 hinterließ und das neben den Obervellacher Fresken auch mehrere Altartafeln und -flügel beinhaltet, wurde stark von Albrecht Dürer beeinflusst, in dessen Nürnberger Werkstatt sich der Künstler nachweislich zwei Jahre lang aufhielt.
Der künstlerisch wertvollste Import, der so genannte „Obervellacher Sippenaltar“, befindet sich in der nördlichen Seitenkapelle der Kirche: Das Triptychon ist eines der bedeutendsten, aus dem frühen 16. Jahrhundert erhaltenen Kunstwerke Kärntens. Geschaffen wurde es 1519/20 in Obervellach von Jan van Scorel, einem der wichtigsten holländischen Maler der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der ursprüngliche Aufstellungsort ist nicht bekannt, das signierte und datierte Triptychon mit der Darstellung der hl. Sippe auf der Mitteltafel und den Hll. Christophorus und Apollonia auf den Flügeln wurde 1692 in den barocken, von Johann Christoph Meischl und seiner Gattin Eva Rosina geb. Himmelbergerin gestifteten Altaraufbau in der Nordkapelle der Pfarrkirche von Obervellach eingebaut. Auftraggeber war Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg als Testamentsvollstrecker seiner Schwester Apollonia Frangepani geb. Lang von Wellenburg. Dieses Mäzenatentum des hohen Adels stellt im 16. Jahrhundert in Kärnten, wo es keine Residenz der Habsburger und somit keine höfische Kunst gab, eine Besonderheit dar und hatte mit den Altartafeln auch eine außergewöhnliche künstlerische Leistung zur Folge. Als einer der einflussreichsten Männer am Hofe von Kaiser Maximilian hatte Kardinal Matthäus Lang von Wellenburg Kontakte zu den führenden Künstlern seiner Zeit, wie Jan van Scorel, welchen er mit einem für die damalige Zeit innovativen ikonographischen Programm beauftragen konnte. War die hl. Sippe im frühen 16. Jahrhundert ein beliebtes und traditionelles Motiv, welches immer nach dem selben ikonographischen Muster abgebildet wurde, so weicht nun Jan van Scorel von dem überlieferten ikonographischen Schema ab und schafft mit locker gruppierten Standfiguren, die elegant nach der letzten Mode gekleidet und zum Teil mit portraithaften Zügen versehen sind, ein profanes holländisches Gruppenportrait, welches den religiösen Gehalt der Darstellung nur mehr an den individuellen Attributen der Figuren ablesbar macht. Diese Zweideutigkeit der Darstellung und Doppelbelegung der Figuren, welche eine der biblischen Geschichte entnommene Szene in ein profanes Thema umdeuteten, war ein beliebter Kunstgriff am Hofe von Kaiser Maximilian. Der Verdienst von Jan van Scorel liegt in der Umsetzung dieses anspruchsvollen ikonographischen Programms seines Auftraggebers, nämlich die Verherrlichung der Familie Lang von Wellenburg in der Abbildung der hl. Sippe.
Der Schwerpunkt der Kirchenführung am Tag des Denkmals wird - thematisch bedingt - bei den genannten Kunstimporten liegen. Darüber hinausgehend bietet die Kirchenführung natürlich auch Gelegenheit, sich einen Eindruck vom Ergebnis der unmittelbar vor dem Denkmaltag abgeschlossenen Restaurierungsmaßnahmen zu verschaffen:
So wurden etwa in der Nordkapelle im Zuge der Baumaßnahmen aus der Bauzeit stammende Rankenmalereien freigelegt sowie Wand- und Gewölbemalereien gereinigt und zum Teil mit leichten Retuschen versehen. Aufgrund einer Befunderhebung sowie weiterer Sondierungen während der Baumaßnahmen konnte festgestellt werden, dass bereits bei der Letztrestaurierung 1959-61 die spätgotische Erstfassung zum Teil freigelegt bzw. zum Teil auch wieder überarbeitet (geschwammelt) worden war. Bei der nunmehrigen Restaurierung wurde daher diese Fassung mit Ausnahme der überarbeiteten Bereiche im Wesentlichen beibehalten. Die bei der Letztrestaurierung vom Originalbefund abweichenden Übergänge zwischen grauen und ocker Zonen wurden korrigiert.
Die Raumfassung mit der nach dem Originalbefund wieder hergestellten Architekturpolychromie mit hellen Nullflächen, grauen Spitzbögen mit schwarz-weißen Fugenstrichen im Emporenbereich, grauen Diensten mit schwarz-weißen Fugenstrichen im Langhaus und grauen Konsolen im Bereich der Nordkapelle sowie ocker Pfeilern, Diensten, Rippen und Fenstergewänden mit schwarz-weißen Fugenstrichen im übrigen Bereich wird am 28. September erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt!
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