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Festungsstadt Fürstenfeld
Das Stadtbild der alten Grenzstadt Fürstenfeld wird heute noch von imposanten Resten seiner Befestigungswerke aus der Renaissance geprägt. Die strategische Bedeutung des Ortes an der Grenze zu Ungarn beeinflusste die gesamte Stadtentwicklung. Beginnend von seiner Lage am Terrassenabfall zur Feistritz, über die Errichtung der ältesten ritterlichen Kommende in Österreich durch die Johanniter bis zu den Befestigungsanlagen der Renaissance durch die oberitalienischen Baumeister Domenico dell`Allio und Francesco Theobaldi. Begleiten Sie uns zu den Basteien und zu den verborgenen Originalfragmenten dieser wehrhaften Anlage. Mühlbastei, Schlossbastei, Ungarbastei, Wallgraben, Grazertor, Kavalier und Pfeilburg blieben bis heute erhalten. Sie wurden in den letzten Jahren restauriert und sind sichtbare Zeichen, die an die schweren Zeiten der Handelsstadt Fürstenfeld an der ehemaligen Reichsgrenze erinnern. Wagen Sie einen Blick in die unterirdischen Kasematten und Luftschutzstollen des 2. Weltkrieges.
10.00 Uhr Feierliche Eröffnung des Denkmaltages im Pfeilburghof,
Am Sonntag wird dieser Tag um 10,00 Uhr im Pfeilburghof feierlich eröffnet. Ihre Teilnahme an der Eröffnung haben Rezeptor Dr. Franz Graf Harnoncourt-Unverzagt vom Souveränen-Malteser-Ritter-Orden und Dipl.-Ing. Alois Murnig vom Bundesdenkmalamt Graz zugesagt. Führungen 10.30 Uhr und 14 Uhr (ca. 1,5 Std.), Treffpunkt Pfeilburghof, 8280 Fürstenfeld, Klostergasse 18, (Pfeilburg, Tel. 03382/51400)
Unter dem Babenberger Herzog Leopold VI. wurde im frühen 13. Jahrhundert Fürstenfeld zur befestigten Stadt ausgebaut. Sie sollte die gefährdete Ostgrenze sichern helfen, wofür sie durch ihre wehrtechnisch günstige Lage auf einer zur Feistritz steil abfallenden Terrasse besonders geeignet war. Die Stadtanlage in Form eines unregelmäßigen, länglichen Vierecks war von einer durch mehrere Türme verstärkten Ringmauer umgeben. An den Schmalseiten befanden sich die beiden Stadttore, das Grazertor im Westen und das Ungartor im Osten, die im 16. Jahrhundert durch neue Torhäuser ersetzt wurden.
Im Mittelalter ging die größte Gefahr für Fürstenfeld von Ungarn aus. 1480 gelang es dem belagernden ungarischen Heer des Königs Matthias Corvinus die Stadt durch Brandpfeile anzuzünden und einzunehmen. Die Bedrohung durch die Ungarn wurde im frühen 16. Jahrhundert von einer noch größeren Gefahr abgelöst. Es waren dies die stetig vordringenden osmanischen Türken, die 1480 erstmals in die Steiermark einfielen und 1526 große Teile Ungarns unter ihre Herrschaft brachten. Um für den Ansturm der Türken gerüstet zu sein, galt es jedoch, die unzulänglich gewordene, mittelalterliche Stadtbefestigung gemäß der neuen Waffen und Kampftechniken zu erneuern.
1553 bis 1581 wurde in einer ersten Ausbauphase unter der Leitung des erfahrenen, italienischen Festungsbaumeisters Domenico dell’ Allio und seinem Nachfolger Francesco Theobaldi die Neubefestigung in Angriff genommen. Dell’ Allio plante eine Anlage nach italienischem Vorbild mit vorgezogenen Bastionen und Kurtinen, die sich unmittelbar an die mittelalterliche Stadtmauer lehnten. Die an den Ecken aufgemauerten, vorspringenden Bastionen waren von besonderer Bedeutung. Hier konnten die für die Verteidigung notwendigen Geschütze postiert werden, um an allen Stellen die Außenseite der Befestigung bei Sturmangriffen mit Flankenfeuer zu bestreichen. Die alte Ringmauer fand vielfach als Innenstütze der Wallanlage Verwendung, die man dann auch noch an der Innenseite durch Anschüttung mit Erdreich verstärkte. Die mittelalterlichen Wehrtürme wurden großteils abgebrochen, nur der strategisch wichtige Mittelturm an der langgestreckten Südseite blieb erhalten.
Bis 1581 konnten trotz Geldmangels und Ausführungsfehlern, die die Bautätigkeit immer wieder stocken ließen, die vier Eckbastionen (Augustiner-, Ungar-, Schloss- und Mühlbastei) samt den verbindenden Kurtinenmauern ausgeführt werden. An der durch den Steilabfall zur Feistritz geschützten Nordseite begnügte man sich weiterhin mit der mittelalterlichen Ringmauer, die einen erweiterten, hölzernen Wehrgang erhielt.
1651 bis 1658 und 1663/64 unter dem Druck des heranziehenden Türkenheeres nahm man die Arbeit an der Festung wieder auf. Neben den notwendigen Reparaturen wurde an der südlichen Langseite vor der Pfeilburg ein mittels Kavalier erhöhtes Bollwerk errichtet und die Schlossbastei durch eine Vorbastei verstärkt. Die von einer mittelalterlichen Wehrmauer unzureichend geschützte Grazer Vorstadt brach man hingegen zur Gänze ab.
Der endgültige Sieg über die Türken bedeutete auch das Ende der Bautätigkeiten an der Festung, die 1775 schließlich aufgelassen wurde. Trotz Beeinträchtigungen durch den späteren Stadtausbau blieben mit Mühl-, Ungar- und Schlossbastei, dem Kavalier vor der Pfeilburg, dem Grazertor und den Resten der mittelalterlichen Ringmauer wesentliche Teile der Befestigung erhalten, die bis heute das Stadtbild prägen.
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