Themen
Römische Villa RannersdorfFührungen durch die Ausgrabung
Erforschen Sie bei Führungen durch die aktuelle archäologische Ausgrabung die ausgedehnte römische Villa von Rannersdorf mit der jüngst freigelegten aufwändigen Badeanlage!
Führungen um 10, 14 und 16 Uhr durch den Archäologen Dr. Bernhard Schrettle, zugänglich 9–17 Uhr.
Treffpunkt: Grabungsgelände (Bernhard Schrettle 0699/12760724)
Adresse/Anfahrt: 8092 Mettersdorf am Saßbach
Seit längerem schon war der im Bezirk Radkersburg in der Gemeinde Mettersdorf am Saßbach gelegene Fundplatz der römerzeitlichen Villa von Rannersdorf aufgrund von Oberflächenfunden bekannt. Der zumindest seit Mitte der 1980er Jahre (1985 Begehung durch K. Kojalek) auch offiziell als solcher ausgewiesene Fundort befindet sich am Westrand des Saßbachtales, ca. 300 m nordwestlich des Ortskerns von Rannersdorf nördlich des Lahngrabenwegs. Dort liegt die auch unter dem signifikanten Namen „Versunkene Stadt“(!) bekannte Flur ‚Groggernfeld’, die mehrere Parzellen einnimmt und ein Plateau bildet, das von zwei Bachläufen begrenzt wird.
Der unmittelbare Anlass für die vom Bundesdenkmalamt, der Gemeinde Mettersdorf, dem AMS sowie dem Land Steiermark geförderten aktuellen Grabung (unter der Leitung von Dr. Bernhard Schrettle) war eine akute Gefährdung der römerzeitlichen Reste. Drei Jahre zuvor hatte der Pflug nämlich bereits im Südabschnitt von Grdst.Nr. 1234 der KG Rannersdorf eine größere Menge schwarzer und heller Mosaiksteinchen aus der Erde gerissen. Eine zweitägige Feststellungsgrabung (vom 5.-6. April 2005) förderte ein bis knapp 1 m breites, teilweise gemörteltes Rollsteinfundament sowie einen unter einer Schicht mit Holzkohle gelegenen Mörtelestrich zu Tage, letzterer mit losen Steinchen eines offenbar nicht mehr in situ befindlichen, verstürzten Mosaikbodens.
Genauere Aufschlüsse über Art und Ausdehnung des angeschnittenen Gebäudes konnte freilich erst die einen größeren Bereich umfassende Grabung des darauffolgenden Jahres (von August bis Oktober 2006) erbringen: Der Mörtelboden erwies sich als Teil eines oktogonalen, seitlich von Korridoren umgebenen Raumes, den man von Südosten her betrat. Das lassen zwei dort ins Innere des Raumes führende parallele Mauerfundamente vermuten. Da der Boden des zentralen achteckigen Raumes kaum einen halben Meter tief unter der Humusoberkante liegt, ist er - wie übrigens das gesamte Gebäude - durch die Beackerung (bei einer Pflugtiefe von ca. 30 cm) z.T. bereits stark in Mitleidenschaft gezogen. So haben sich außer den Fundamenten maximal 10 cm des aufgehenden Mauerwerks erhalten, wobei im Bereich des vorgezogenen Fundaments des südöstlichen Eingangs überhaupt ein Großteil des Steinmaterials ausgerissen ist und nur noch die untersten Steinlagen vorhanden sind.
An der Westseite des Oktogons führt ein gut 30 cm breiter gemauerter Kanal, dessen Sohle ca. 70 cm tiefer als der Mörtelestrich liegt, mit leichtem Gefälle aus dem Raum, während im Inneren, an der Nordwest-Seite des Oktogons, also genau gegenüber dem Eingang, im Mörtelboden eine wannenartige rechteckige Vertiefung von ca. 1,1 x 1,8 m auszumachen ist, in der noch die Abdrücke von fünf Holzbrettern zu erkennen waren. Unmittelbar an die Wanne anschließend befindet sich eine 12 cm schmale, unten abgerundete Rinne, sodass die Interpretation als Badewanne (samt Holzverschalung) naheliegend scheint.
Wenn man nun sämtliche Charakteristika zusammennimmt - Badewanne, Abflusskanal, oktogonaler Grundriss - so drängt sich eine Interpretation des Ganzen als Badegebäude geradezu auf. Was die Datierung anbelangt, so ergibt sich aus dem Fundmaterial, das aus der eingangs bereits erwähnten Brandschicht auf dem Mörtelboden geborgen wurde (Dreifußschalen, Feinkeramik, etc.), ein zeitlicher Ansatz für das Gebäude noch vor dem Ende des 2. Jhs. n. Chr.
An mehreren Stellen rund um die römerzeitliche Villa fanden sich außerdem Reste einer endneolithischen Siedlung, die wohl dem Ende des 5. vorchristlichen Jahrtausends zuzuordnen ist. Aus Aufsammlungen der letzten Jahre stammt auch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Äxten, Beilen sowie Hämmern verschiedener Größe aus hell- bis dunkelgrünem Serpentin. Nordöstlich des Oktogons stieß man hingegen auf eine spätantike Schicht, die über den Versturzschichten der Villa lag und die neben glasierter Keramik des 4. Jhs. n. Chr. auch mehrere Münzen sowie eine Riemenzunge enthielt. Sie belegt eine Nutzung des Areals bis zumindest in die zweite Hälfte des vierten nachchristlichen Jahrhunderts.
Weitere, aus der im Jahr 2007 fortgeführten Grabung stammende Erkenntnisse werden gewiss dazu beitragen, die vielen bislang noch offenen Fragen nach Art und Ausdehnung der Villenanlage von Rannersdorf zu beantworten. Was sich aber bereits jetzt mit Sicherheit sagen lässt ist, dass die Villa von Rannersdorf aufgrund ihrer aufwändigen Architektur zu den bedeutendsten Villen im näheren wie weiteren Umland des municipiums Flavia Solva zu zählen ist.
Ortwin Hesch
Druckversion



