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Höhensiedlung auf der Knallwand bei Ramsau am DachsteinFührungen durch die befestigte spätantike Höhensiedlung

Knallwand bei Ramsau am Dachstein (Foto: BDA)

Topografischer Plan der Gesamtanlage.

Spätantike Befestigungsmauer während der Ausgrabung.

Spätantike Befestigungsmauer während der Ausgrabung.

Ausgangspunkt des archäologischen Wanderweges beim Gasthof Burgstaller.

Weg entlang des Steilabfalls im Süden der Höhensiedlung.

Fundstelle der Schlüssel in der spätantiken Höhensiedlung.

Fundstelle einer Fibel im Inneren der Höhensiedlung.
Zu der durch beschriftete Wanderwege erschlossenen, befestigten spätantiken Höhensiedlung auf der Knallwand werden zwei Führungen organisiert. Erstmals werden im Gasthof Burgstaller auch Grabungsfunde präsentiert.
Führungen um 11 und 14.30 Uhr durch die Archäologin Dr. Ulla Steinklauber (Landesmuseum Joanneum); Präsentation von 11–16 Uhr im Gasthof Burgstaller.
Treffpunkt: Gasthof Burgstaller (03687/81402; Ulla Steinklauber: 0316/80179521).
Adresse/Anschrift: 8972 Ramsau am Dachstein
Nahe der Gemeindegrenze von Ramsau am Dachstein zur Nachbargemeinde Haus im Ennstal liegt in gut 940 m Seehöhe, keine 10 Gehminuten südlich unterhalb des Gasthofes Burgstaller (und von diesem aus bequem zu erreichen), eine bewaldete Hügelkuppe mit nach Süden hin steil, beinahe senkrecht abfallender Felswand. Diese sog. „Knallwand“ erhebt sich etwa 200 m über dem Talboden des Weißenbachtals, nur wenig oberhalb der Mündung des Weißenbachs in die Enns. Der auffallende Name leitet sich übrigens von dem nahegelegenen Wasserfall des Luser- oder Knallbachs ab, wobei die Bezeichnung der Einheimischen für die Hügelkuppe selbst, nämlich „Burgstall“ (nach diesem natürlich auch der nahegelegene Gasthof „Burgstaller“), bereits seit längerem vermuten ließ, dass sich hier einst eine (mittelalterliche?) Befestigungsanlage befand.
Als nun im Jahre 1996 durch Franz Mandl Hinweise entdeckt wurden, dass sich es sich bei dieser „Burg“ gar um eine verlassene Römersiedlung handeln könnte, war das besondere Interesse der Archäologen geweckt. Dass das Ennstal samt umliegender Almregionen als Teil der Provinz Noricum schon zur Römerzeit, also vom 1. bis 4. Jh. n. Chr., besiedelt war, wusste man bereits seit längerem aufgrund diverser Einzelfunde oder aber auch durch einige wenige in Kirchen verbaute ‚Römersteine’, wie beispielsweise in Oberhaus und Gröbming. Eine größere Siedlung konnte bislang jedoch noch nicht nachgewiesen werden, sodass man in die im darauffolgenden Jahr, 1997, vom Bundesdenkmalamt in Zusammenarbeit mit der ANISA (Verein für alpine Felsbild- und Siedlungsforschung) durchgeführten archäologischen Grabungen große (und wie sich zeigen sollte auch durchaus berechtigte) Erwartungen setzte:
Die schon von Natur aus schwer zugängliche Kuppe war vor allem an der weniger geschützten Nordseite durch eine in den Fundamenten erhaltene Befestigungsmauer aus gemörtelten Bruchsteinen gesichert, wobei diese dem Rand des Plateaus folgende Wehrmauer an der schwächsten Stelle im Westen noch zusätzlich durch eine Bastion mit vorgelagertem Wall verstärkt war. Der heutige, etwa in der Mitte des nördlichen Abhanges gelegene Zugangsweg war schon in der Antike genutzt und ehedem wohl mit einer Toranlage geschützt worden. Ganz in der Nähe konnten auch die Mauern eines zweiräumigen, durch Brand zerstörten Hauses freigelegt werden. Wie die Radiocarbon- (=Kohlenstoff-)Datierung des verbrannten Holzes ergab, lässt sich dessen Alter (bzw. Schlägerungsdatum) auf den Zeitraum zwischen 350 und 430 n. Chr. einengen. Dazu passt auch sehr gut die Datierung der dem spätantiken Alltagsleben zuzuordnenden Kleinfunde, insgesamt (samt Fragmenten) acht Fibeln, ein goldener Fingerring, ein fragmentierter Bronzearmreifen, ein fragmentierter Beinkamm, drei eiserne Türschlüssel, ein zum Funkenschlagen eingesetztes Feuereisen, weitere Werkzeuge und Beschläge, eine fragmentierte sog. ‚Hipposandale’ (anbindbare Steighilfe für Zug- und Tragtiere) sowie zahlreiche zerscherbte Keramikgefäße, die sich großteils in die Zeit vom späteren 3. Jh. bis in die Zeit nach 400 n. Chr. einordnen lassen. Auch die insgesamt 25 bei den Grabungen gefundenen Münzen (zehn davon außerhalb der Wehrmauer der Siedlung), von denen mehr als die Hälfte (14) aus dem 4. Jh., zehn aus dem 3. Jh. und nur eine einzige (ein Dupondius des Kaisers Hadrian) aus dem 2. Jh. n.Chr. stammen, belegen einen Schwerpunkt der Siedlungsbenutzung in der 2. Hälfte des 4. Jhs. n. Chr.
Damit aber befinden wir uns bereits in einer Zeit, als sich die einheimische romanisierte Bevölkerung infolge des zusammenbrechenden Römischen Reiches und der beginnenden Völkerwanderung auf befestigte, höhergelegene Plätze zurückziehen musste. Spätestens gegen Mitte des 5. Jhs. n. Chr. dürfte aber auch diese so gut geschützte Höhensiedlung in einer Brandzerstörung zugrunde gegangen und danach nie wieder besiedelt worden sein.
Für uns stellt die ohne spätere Veränderungen bewahrte Fundstelle freilich ein besonders schönes Beispiel einer ostalpinen spätantiken Rückzugssiedlung dar, wie wir sie im Ennstal mittlerweile (seit Herbst 2004) von insgesamt drei Fundstellen – neben der Ramsauer Knallwand nun auch von Gröbming (Schlossbühel) und von Wörschach (Röthelstein) – kennen. Ob diese allesamt knapp nördlich der Enns in einem Abstand von nur 12 km / 15 km / 7 km Luftlinie zueinander angelegten befestigten Höhensiedlungen einst miteinander in Verbindung standen – möglicherweise auch als eine Art Befestigungs- bzw. Grenzlinie zwischen den Territorien von Noricum ripense (Ufernorikum) und Noricum mediterraneum (Binnennorikum) – muss freilich dahingestellt bleiben.
Die Anlage der spätantiken Höhensiedlung oberhalb der Knallwand in der Ramsau kann heute über einen (1999 von der Gemeinde und dem Tourismusverband Ramsau eingerichteten) beschilderten archäologischen Weg erwandert werden. Am Ausgangspunkt des Wanderwegs, beim Gasthof Burgstaller, wird am „Tag des Denkmals“ erstmals auch eine Auswahl der vielfältigen Kleinfunde zu sehen sein, die einen interessanten Einblick in das Alltagsleben und in das Kunsthandwerk in der Obersteiermark vor gut 1500 Jahren gewährt.
Ortwin Hesch
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