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Ein römerzeitliches Hügelgrab mit Grabstele in Lebing, Hartberg

Römische Grabstele von Lebing (Foto: BDA)

Reste der gemauerten Grabkammer, im Hintergrund Stelenbasis mit Einlassloch.

Der Fundort vor der Ausgrabung.

Vortrag um 15 Uhr durch die Archäologinnen Dr. Alexandra Puhm und Mag. Susanne Tiefengraber 0699 12597560.
Treffpunkt: Gasthaus Pferschywirt/Pension Höller (03338/2589).
Adresse/Anfahrt: 8234 Eichberg, Kleinschlag 22

Auf einem Acker in der Streusiedlung Lebing, Bezirk Hartberg, wurden vom Grundbesitzer Vinzenz Hammerl, vlg. Holzer in den Jahren 1981 und 2005 zwei Marmorfragmente einer römerzeitlichen Grabstele ausgeackert. Diese Funde, eine auffallende Konzentration von Bruchsteinen, aber auch die Flurnamen „Lebing“ und „Tempelbauer“, gaben den Anstoß zu einer archäologischen Untersuchung, die im Jahr 2006 durchgeführt wurde.
Die Ausgrabungen erbrachten die unter einem ehemals großen Grabhügel (Durchmesser ca. 15 m) gelegenen Reste einer rechteckigen Grabkammer (ca. 3,80 m x 2,80 m), deren Unterbau aus teilweise zugerichteten Steinen aufgemauert war. Von der ursprünglich sicher reicher ausgestatteten Brandbestattung konnten nur spärliche Leichenbrandreste eines weiblichen Individuums, wenige Keramik- und Glasfragmente, eine teilweise und eine vollständig erhaltenen Öllampe geborgen werden.
Die massive Zerstörung der Grabkammer weist auf eine alte Beraubung und Planierung des Hügelgrabes hin.
Der Zugang zur Grabkammer erfolgte von Südosten durch einen Gang (dromos), vor dessen Eingang die Grabstele aufgestellt war. Die Basis für die Grabstele, eine mächtige Platte aus Gneis (ca. 1, 70 m x 1,27 m x 0, 45 m), wurde an ihrem originalen Platz liegend gefunden.
Im Bereich dieser Basis wurden weitere Bruchstücke derselben Grabstele ausgegraben, die an die bereits vorhandenen Teile anpassten. Dargestellt sind die im Hochrelief gearbeiteten Brustbilder des in der darunter befindlichen Inschrift genannten Ehepaares der Capitonia Iulia und des S. Sacretius Priscus. Die Familie der Sacretii gehörte dem Solvenser Municipaladel an und ist durch sechs weitere Inschriften aus dem Umfeld von Flavia Solva bekannt. Das Inschriftfeld wird von zwei Spiralsäulen mit Blattkapitellen eingefasst, darüber befindet sich ein schmaler Friesstreifen mit Blattkelch und Efeuranken.
Darüber war mittels Eisendübeln eine Stelenbekrönung befestigt: Über einer profilierten Leiste liegt links und rechts je ein zum Beschauer blickender Löwe, unter den Vorderpranken den Kopf eines Beutetieres haltend. In der Mitte zwischen den Löwen befindet sich ein bärtiger Männerkopf mit spitzen Tierohren und einem zylindrischen Kopfaufsatz.
Die Tatsache, dass der Grabhügel, die dazugehörige Grabstele mit Inschrift und Abbildung der Verstorbenen und die in situ liegende Basis gefunden wurden, ist außergewöhnlich und sehr aufschlussreich für die Bestattungssitten der Bevölkerung zur Römerzeit in der Provinz Noricum.
Das qualitativ hochwertig gearbeitete Relief wird aufgrund der Inschrift und stilistischer Merkmale an den Übergang vom zweiten ins dritte Jahrhundert nach Christ datiert.
Der Grabhügel und die restaurierte Stele werden am Ort ihrer Auffindung voraussichtlich noch 2007 wiedererrichtet.

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