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Burg Hauenstein bei GallmannseggFührungen durch die Burgruine und Präsentation von Grabungsfunden

Burgruine Hauenstein (Foto: Ernst Lasnik)

Abtragung der Schuttschicht im Inneren des Turmhauses.

Das Turmhaus der Burg.

Fensterlaibung im Inneren des Turmhauses.

Gewölbepfeiler aus der zweiten Bauphase.

Spätmittelalterlicher Keramiktopf.

In der eindrucksvollen mittelalterlichen Burgruine Hauenstein bei Gallmannsegg werden Ergebnisse und Funde der langjährigen Grabungen und Konservierungsarbeiten präsentiert. Führungen um 11, 13 und 15 Uhr (ca. 1 Stunde) durch Prof. Dr. Ernst Lasnik; geöffnet 10–16 Uhr; Treffpunkt: Forsthaus Pfleger (bei Bedarf Shuttledienst; Ernst Lasnik 03142/22218).
Adresse/Anfahrt: 8573 Gallmannsegg

Am Freitag, 21.9. um 19.30 Uhr hält Dr. Lasnik im Saal der Volksschule Kainach einen Vortrag zum Thema „Verborgene Kostbarkeiten“.

Die in der Gemeinde Gallmannsegg (Bezirk Voitsberg) am Fuß der Gleinalm in beinahe 1000 m Seehöhe gelegene Burg Hauenstein wurde einst an einer wichtigen Verbindungsstraße vom Leibnitzer bzw. Grazer Feld in die Obersteiermark errichtet. Seit der Aufgabe dieses über die Stadt Voitsberg und durch das Kainachtal führenden Verkehrsweges liegt die Burg freilich etwas abgeschieden mitten im Waldgebiet des obersten Kainachtals. (Im Mittelalter gab es übrigens fünf solcher Handelswege zwischen Kainachtal und oberem Murtal, von denen heute nur noch die Straßen über das Gaberl und das Salzstiegel bestehen.)
Nur ein schmaler, teils in den Fels gehauener Weg führt heute vom Anwesen vulgo Pfleger über einen gleichfalls in den Fels gehauenen Graben zu der auf einer bewaldeten Kuppe gelegenen Burgruine. Von Norden kommend trifft man zuerst auf eine mächtige, die gesamte Anlage umfassende Ringmauer, die hier einen spitz zulaufenden Winkel bildet, während sie an der gegenüberliegenden, südlichen Seite durch einen sichelförmig angelegten Zwinger verstärkt wird. Interessanterweise befinden sich in der gesamten Ringmauer insgesamt nur zwei Schieß- bzw. Spähscharten (am nördlichen ‚Spitz’ bzw. im südöstlichen Abschnitt). Mehr waren aufgrund der ausgezeichneten wehrtechnischen Lage von Burg Hauenstein gar nicht nötig, konnte man von diesen beiden Punkten aus doch sämtliche sich nähernden Gefahrenquellen – auf der Straße im Tal sowie auf dem Weg zur Burg – gut unter Kontrolle halten.
Von Westen her betritt man über den Zwinger und den äußeren Hof – durch insgesamt drei rundbogige Tore und zuletzt noch über eine Steinstiege – den höher gelegenen inneren Hof, wo sich das massive Turmhaus erhebt. Dieser als Wohngebäude der Burg genutzte Bau war in jedem Stockwerk durch Zwischenmauern unterteilt, wobei die Kammern auch beheizbar waren, wie die Reste zweier offener Kamine belegen (einer davon mit Sandsteineinfassung). Zur Wasserversorgung diente eine links neben dem Aufstieg zum Wohnturm in den Fels geschlagene Zisterne. Bis auf die aus Sandstein gefertigten Fenster- und Torgewandungen besteht das Mauerwerk aus Bruchsteinen; eine besonders schöne Steinmetzarbeit stellt eine Doppelwandnische im Inneren des Turmhauses dar.
Was die Burgherren von Hauenstein anbelangt, so befand sich die Burgstelle ursprünglich wohl im Besitz der Eppensteiner, ehe sie von diesen an die steirischen Landesfürsten kam. Im Jahre 1222 wird ein Wulfing von Hanau als Besitzer genannt (weshalb die korrekte Bezeichnung der Anlage nach der einstigen Besitzerfamilie eigentlich auch ‚Hanstein’, also ‚Burg der Hanauer’, lauten müsste ...). Die wohl aus Deutschland eingewanderten Hanauer mussten die Feste ‚Hanstein’ 1376 an Herzog Albrecht abtreten, um sie zwei Jahre später, 1378, wieder als Lehen zu empfangen, wobei die Burg aber wohl nicht direkt von ihnen, sondern von einem kleinem Rittergeschlecht, also einer Art Burggrafen, verwaltet wurde. Friedrich von Hanau, der sich in der ‚Walseer Fehde’ auf der Seite der Gegner von Herzog Ernst dem Eisernen befunden hatte, von diesem gefangen genommen und in zweijähriger ‚harter Haft’ gehalten worden war (an deren Folgen er auch 1413 starb), vererbte die Burg an seinen Schwiegersohn Hans von Laun, der sich 1414 im Gefolge des Landesfürsten Herzog Ernst in Palästina und 1446 unter den Rittern und Knechten des Aufgebotes gegen Ungarn befand. Unter seinen Erben, den Greißeneggern, wurde das Lehen über Burg Hauenstein von Kaiser Friedrich III 1471 (als Folge des Adelsaufstandes gegen ihn) eingezogen.
In den nun folgenden Jahren kam es zu häufigen Besitzerwechseln (1483 u.a. auch das Stift St. Lambrecht), wobei in einem Bericht von 1515 aber auch schon die Rede davon ist, dass die Burg bereits „gantz paufelig“ und ohne Einkommen sei. Im Laufe des 15. und 16. Jhs. hatte Hauenstein seine strategische Bedeutung verloren und die Lebensbedingungen in der kleinen, entlegenen Burg waren gewiss auch nicht besonders komfortabel. Der umliegenden Almen wegen hatte sie allerdings ihre Bedeutung nie ganz verloren, weswegen sich immer wieder Pächter fanden, u.a. der Verwalter von Piber, Hans Stübich (1575) bzw. die Bürger von Judenburg, die zum Schutz der Säumer in der Burg eine Besatzung hielten (1586). Zur Burg gehörte neben den umliegenden Wäldern auch die weiter oben gelegene Alm samt Sennerei, die nach der Errichtung des Gestüts in Piber, zu einem großen Pferdestall, dem heutigen (auch bei Wanderern als Raststation beliebten) ‚Brendlstall’ ausgebaut wurde. Die Ruine Hauenstein aber befindet sich heute im Besitz der Österreichischen Bundesforste.
Die frühe Aufgabe von Burg Hauenstein hat freilich den großen Vorteil, dass sich hier eine Burganlage in ihrem gotischen Gepräge besonders rein erhalten hat. Bei den bereits seit 1982 (unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Lasnik) durchgeführten Sicherungs- und Instandhaltungsarbeiten waren immer wieder Bruchstücke spätgotischer Gebrauchskeramik bzw. von Ofenkacheln entdeckt worden, sodass man sich – u.a. auch um mehreren Versuchen von ‚Schatzgräbern’ vorzubeugen – von Seiten des Bundesdenkmalamtes zu archäologischen Untersuchungen entschloss. Seit 1999 wurden (in enger Zusammenarbeit mit dem BDA unter B. Hebert) von E. Lasnik und einer Gruppe freiwilliger HelferInnen in mehreren Kampagnen im Kernbereich des Turmhauses eine bis zu 2 m starke Schuttschicht abgetragen, wobei neuerlich zahlreiche Bruchstücke diverser Gebrauchskeramik und qualitätvoller Ofenkacheln, verschiedene Tierknochen (Speisereste) sowie eine Reihe von Metallgegenständen (Türbeschläge, Nägel, Messer, Waffenbestandteile und Reiterzubehör) zu Tage kamen. Außerdem konnten zwei durch Bauschutt deutlich getrennte Brandschichten nachgewiesen werden, sodass die bisherige Annahme, dass die Burg planmäßig und ohne Gewalteinwirkung geräumt worden sei, wohl revidiert werden muss. Stattdessen scheint ein massives Feuer Grund für die Aufgabe der Burg gewesen zu sein, wobei die Datierung der Fundobjekte darauf hinzuweisen scheint (viele sind dem 15., 16., eventuell auch noch dem frühen 17. Jh. zuzuordnen, wie eine ausführliche Bearbeitung durch Johanna Kraschitzer ergab), dass Burg Hauenstein erst weit später als bislang noch vermutet, endgültig verlassen wurde.
                                                                                                                               Ortwin Hesch

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