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Montanhistorischer Schaupfad im Walchental

Bergbauverein Öblarn

Silbertreibherd in der Walchen. Foto: Bergbauverein Öblarn

Röststadl in der Walchen. Foto: Bergbauverein Öblarn

Um 11.00 Uhr Auftaktveranstaltung mit Begrüßung und Einführung sowie Frühschoppen beim "Gasthaus zum Bergkreuz" im Walchental. Führungen bei Bedarf beim "Silbertreibherd", beim "Stampferhaus", beim "Röststadel" und beim "Thaddäusstollen" (15 min. Gehweg), Bergbauverein Öblarn, Mag. Edegger 0664 3900003
Die Veranstaltung ist von 11-16 Uhr geöffnet.

Öblarner Kupferweg

Die Walchen zwischen Bergkreuzkapelle und Öblarn stellt in Vollständigkeit und Originalität ein mindestens in Österreich einzigartiges Ensemble von Bergbau, Hüttenwesen und damit verbundener Kultur dar. Hervorgehoben sei die teils instandgesetzte Schmelzhütte mit einigen metallurgischen Anlagen, die es ermöglichten, polymetallisches, aber armes Erz auf Kupfer, Silber und Gold zu verarbeiten – ein Verfahren, das Fortschritt und Entwicklung der Nichteisenmetallurgie, namentlich der Erzeugung von Edelmetallen aus geringsthältigem Erz, maßgeblich beeinflusst hat.
Die vorhandenen Reste der Verhüttungsanlage sind daher wichtige technikgeschichtliche Zeugen für ein spezielles und hochentwickeltes vorindustrielles Verfahren. Die gut erhaltenen Relikte prägen auch heute noch die Walchen und stellen damit ein anschauliches Beispiel einer historischen Bergbaulandschaft dar.
Der Walchener Bergbau- und Hüttenbetrieb auf Kupfer, Gold und Silber reicht wahrscheinlich in das 13. Jahrhundert zurück, jedoch stammt ein unwiderlegbarer Nachweis für bergmännische Tätigkeiten erst aus dem Jahr 1469. Als wohl entscheidendster Eigentümerwechsel gilt die Übernahme von Bergbau und Hütte 1666 durch den Vordernberger Radmeister (Eigentümer eines Eisenschmelzwerkes) Hans Adam Stampfer. Bis 1798 verblieben die Anlagen nun in Stampfer´schem Eigentum, als Theodor Graf Batthyány die Montan-Entität erwarb, die 1819 an den Eisengewerken Franz Ritter v. Friedau d. Ä. überging. Nach Stilllegung des Berg- und Schmelzwerkes in der Walchen 1858 wurde die Bergwerksberechtigung noch im selben Jahr gelöscht.

Nachdem mehrere Versuche zur Wiederinbetriebnahme zwischen 1869 und 1872 erfolglos geblieben waren (Verleihung von Grubenmaßen bzw. –feldern), wurde das Eigentümerrecht am Schwefel- und Kupferkiesbergbau (ohne Hütte) 1897 für Leonhard Brigl eingetragen, der als Miteigentümer der Firma Sulfitzellulosefabrik Brigl & Bergmeister (Niklasdorf) diesem Unternehmen eine eigene Schwefelbasis schaffen wollte. Brigl & Bergmeister produzierte nun bis einschließlich 1921 (geringfügige Förderung auch 1947/48).

Einer notdürftigen Bauhafthaltung der Walchener Gruben, vor allem des Thaddäusstollens bis 1928 folgte ein weitgehender Verfall, dem man erst 1938 ein Ende setzte. Im Vordergrund aufwändiger Gewältigungsarbeiten stand jetzt die Kupfererzgewinnung, die aber bis Mai 1945 nicht zustande kam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fehlte es nicht an Versuchen, die Kupfererzförderung im gefristeten Bergbau Walchen in Gang zu bringen; alle Bemühungen scheiterten letztlich am zu geringen Kupfergehalt und am aufbereitungstechnisch schwierigen „Komplexerz“. Eigentümerin der Bergwerksberechtigung in der Walchen war nach Brigl & Bergmeister seit 1977 die Firma Leykam-Mürztaler Papier- und Zellstoff AG (Gratkorn), aus welcher das Unternehmen Sappi Gratkorn GmbH., Fine Paper, hervorging.

Zu Ende der neunziger Jahre begann der Bergbauverein Öblarn mit der Wiedergewältigung und der Restaurierung des Thaddäus-Stollens bzw. dessen Portals sowie mit der teilweisen Instandsetzung der Schmelzhütte und des Stampfer-Gewerkenhauses; der Österr. Alpen-verein/Sektion Öblarn führte die Revitalisierung des sog. Berghauses (ehemaliges Verwaltungs- und Personalhaus) durch. Die erwähnten Objekte, das Verweserhaus in Öblarn und einige andere kleinere Bauten bilden heute den bereits gut und informativ aufbereiteten „Öblarner Kupferweg“, ein von Öblarn bis zur Bergkreuzkapelle im Bergbaugebiet reichendes Freilichtmuseum.

Thaddäus-Stollen
Die Walchener Erzlagerstätte wurde bzw. wird vor allem durch folgende drei Stollen aufgeschlossen: „Johann-Adam“ (angeschlagen 1700), „Salvator“ (1713) und „Thaddäus“ (1729). Während der Johann-Adam- und der Salvator-Stollen der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind, wird der Thaddäus-Stollen zu einem Schaubergwerk ausgestaltet und stellt somit in montantechnischer Hinsicht den Ausgangspunkt des Öblaner Kupferweges dar.
Das freigelegte Stollenportal besteht aus einer Steinaufmauerung, welche im oberen Bereich verputzt wurde. Den Abschluss in der Mitte des Gesimses bildet die originale Steintafel mit der Inschrift „1729 Graf Stampfer von Walchenberg, Fridau 1845“. Der Thaddäus-Stollen wurde auf 70 m ausgebaut, im rechten Ulmbereich wurden fünf Schauflächen hergestellt. Der Ausbau eines vier Meter langen Seitenstollens diente der Unterbringung einer Barbarakapelle. Weitere 70 m Stollen sind beleuchtet, sodass die original, von Hand geschiente Thaddäusstrecke sichtbar ist.

Schwefelöfen
Sulfidische Erze (z.B. Kupferkies) werden vor der eigentlichen Verhüttung einem Röstprozess unterzogen, um den Schwefelgehalt zu vermindern und damit ein für den Schmelzvorgang geeignetes Ausgangsprodukt zu schaffen. Schwefel entweicht – je nach Führung des Röstvorganges – überwiegend als Schwefeldioxid oder kann als elementarer Schwefel gewonnen werden, der als verkaufsfähiges Produkt auf der betriebswirtschaftlichen Habenseite des Unternehmens steht. Schwefeldioxid und Schwefel können auch nebeneinander entstehen; in der Walchen hatte jedenfalls die Herstellung guten Rösterzes Vorrang, weshalb die Bezeichnung „Röstöfen“ richtiger wäre.

Soweit bekannt, gibt es außer den Walchener Schwefel- bzw. Röstöfen noch zwei solcher Öfen für sulfidische (Kupfer-)Erze, nämlich in St. Peter am Kammersberg (Steiermark) und beim Bergbau Politzberg (Kreuzeckgruppe in Kärnten); beide Öfen, deren Verfall bereits weit fortgeschritten ist, dürften nicht auf Schwefelerzeugung gearbeitet haben und sind daher merkbar kleiner als jene in der Walchen.

Schmelzhütte
Die unter Stampfer und Friedau tätigen Hüttenmänner haben es verstanden, aus dem polymetallischen Walchener Erz nicht nur Kupfer, sondern auch Gold und Silber zu erschmelzen. Es steht fest, dass dieser komplizierte Verhüttungsprozess im Wesentlichen auf Hans Adam Stampfer (gestorben 1695) zurückgeht und daher mit Recht „Walchnerisches Verhüttungsverfahren“ genannt wird. Das Verfahren lässt sich mit allen Einzelschritten (Rohschmelzen, Verbleien, mehrmaliges Verfrischen und Abdörren, Schmelzen usw.) anhand von Aufschreibungen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts weitestgehend rekonstruieren.

Die Schmelzhütte, in welcher das über Steiermarks Grenzen hinaus bekannte „Walchnerische Verfahren“ ablief, verfiel nach Auflassung von Bergbau und Hütte durch Franz R.v. Friedau d.J. 1858. Unverständlicherweise schien jedes Interesse am Schmelzwerk in der Walchen auch in Fachkreisen bald erlahmt zu sein, und so stellte sich die Hütte noch um 1996/97 als eine von Bäumen und Gebüsch überwucherte Ruinenstätte dar, als der Bergbauverein Öblarn die Initiative zu sachkundiger Ausgrabung bzw. teilweiser Instandsetzung der Schmelzhütte ergriff.

Inzwischen konnten folgende metallurgischen Anlagen der zwischen einem Fluter und der von Öblarn in die Walchen situierten Schmelzhütte freigelegt und restauriert bzw. renoviert werden: „Ofen“ (Verwendungszweck noch nicht geklärt), „Kupferofen“ (Krummofen), „Silbertreibherd“, „Labor“, „Keller“, „Stampferhaus“.
Der Silbertreibherd von 3,6 m Durchmesser ist fast kreisrund, daran schließt im Südwesten ein rechteckiger Flammofen an – beide Teile sind in einem Zug errichtet worden. Die Fundamente und das Aufgehende der Außenmauern bestehen aus gemörteltem Bruchsteinmauerwerk mit wenigen Ziegeln und einigen behauenen Blöcken, deren konvexe Außenkanten dem Radius des Herdes entsprechen. Gestempelte Mauerziegel aus der Ziegelei de Conte in Wiener Neustadt wurden an der Feuerbrücke zwischen Treibherd und Flammofen verbaut. An der Basis des Treibherdes verlaufen rechtwinkelig zueinander zwei Lüftungskanäle von ca. 30 cm Breite, die in Gewölbetechnik aus kleinen Mauerziegeln errichtet worden sind.
Der Oberbau besteht aus einer gemörtelten, leicht geneigten Plattenlage, welche auf einer Schlackenschicht ruht. Auf der Außenmauer des Herdes und der Plattenlage liegen sieben radial angeordnete Kanäle von 12-16 cm Breite, die von Ziegelreihen gebildet werden. Im Nordwesten und Nordosten befindet sich je eine Glättgasse zum Ablaufen der Bleiglätte. Über den kleinen Kanälen lag wahrscheinlich eine große Platte aus Kupfer (?), von der keine Reste vorhanden sind. Knapp nordwestlich vom Herd befindet sich ein massiver Basisstein mit einem kreisrunden Loch, in dem sich vermutlich das Drehlager für den Kran zum Bewegen des Treibhutes befand.
Die vorhandenen Reste der Baulichkeiten bestehen aus Steinmauerwerk und wurden teilweise rekonstruiert.

Literaturnachweis:
H.J. Köstler, Gutachten, Fohnsdorf, Juli 2003; G. Dembski, Öblaner Kupferweg, Montanhistorischer Schaupfad Walchen, Kurzführer, Öblarn 2000.; G. Fuchs, Der „Öblarner Kupferweg“, Montanarchäologische Untersuchungen in der Walch; Da schau her 21/4, Trautenfels 2000, S.9-14; H.J. Köstler, Das Bergwerk in der Walchen bei Öblarn. Seine Entwicklung vom Kupfer- und Edelmetallbergbau zur Schwefelkiesgrube seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Zeitschr. des histor. Ver. für Steiermark 84, Graz 1993, S.193-259; K.A. Redlich, Die Walchen bei Öblarn. Ein Kiesbergbau im Ennsthal. Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch 51, Wien 1903, S.1-62; L. Steinlechner, Gedenkschrift des vom Jahre 1469 zum Jahre 1857 in Betrieb gestandenen Gold und Silberhältigen Kupfer Bergbaues in der Walchen bei Öblarn im Ennstal, Unveröff. Manuskript, Geologische Bundesanstalt Wien 1897; F. Tremel, Ein steirischer Kupfer- und Edelmetallbergbau. Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 32, Stuttgart 1939, S.228-244; H.J. Unger. Der Schwefel- und Kupferkiesbergbau in der Walchen bei Öblarn im Ennstal.
Archiv für Lagerstättenforschung in den Ostalpen 7, Leoben 1968, S.2-52.

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