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Graz-unterirdische Kavernen

Blick in eine der mächtigen Kavernen.

Die Bierkeller 1899-rot umrandet sind die heutigen Kavernen.

Ausgedehnte Kelleranlagen eines ehem. Bier- und Weindepots.

Plan von Josef Mixner 1873 aus dem Stadtarchiv Graz.

Umbauarbeiten von 1955/56. Foto zur Verfügung gestellt von Fa. Schäffer.

Der unterirdische "Weinsee". Foto zur Verfügung gestellt von Fa. Schäffer.

8-10 Meter unter der Erde erstrecken sich die mächtigen, ziegeltonnengewölbten Kavernen eines ehemaligen Bierdepots und Weinkellers. Um 10.30 Uhr erfolgt hier die feierliche Eröffnung des Denkmaltages. In der ausgedehnten Anlage wird außerdem eine Fotoausstellung präsentiert.
10.00-17.00 Uhr geöffnet , 8020 Keplerstraße 114c, (Frau Schäffer 715660)

Die Geschichte der Bierlagerkeller in der Keplerstraße ist auf das Engste mit der Geschichte der Südbahn verbunden. 1846, also knapp zwei Jahre nach der Eröffnung des ersten Bahnhofs in Graz, dem heutigen Hauptbahnhof, suchte der Braumeister Anton Diefenbacher um die Erlaubnis an, auf dem Areal des heutigen Einkaufszentrums beim Hotel Europa eine Bierhalle samt Lagerkeller zu errichten. Noch vor der Vollendung dieser Halle im Jahre 1848 wurde das Bauwerk dann vom Braumeister Franz Schreiner erworben. Schreiner betrieb zu dieser Zeit in der Prankergasse die nach ihm benannte „Schreinersche Brauerei“, die während der darauf folgenden 20 Jahre zur größten steirischen Brauerei anwuchs und ihr „Schreiner Pilsner“ bis Ägypten exportierte. Entsprechend der Expansion des Betriebs wurden auch die Lagerkeller rund um die Bierhalle ausgebaut. Namhafte Grazer Baumeister, wie Carl Follius, Josef Mixner und Carl Aichinger erweiterten ab 1856 sukzessive die Schreinerschen Lagerkeller bis diese schließlich Mitte der 70er-Jahre ihre endgültige Größe erreichten. Hiervon ist heute nur noch die letzte Ausbaustufe erhalten, die 1873 von Josef Mixner geplant und anschließend errichtet wurde.
Die weitere Geschichte der Schreinerschen Brauerei beeinflusste auch die Nutzung der ausgedehnten Kelleranlagen. Nachdem der Braubetrieb „Franz Schreiner & Söhne“ 1887 in eine Aktiengesellschaft („I. Grazer Aktienbrauerei vorm. Franz Schreiner & Söhne“) umgewandelt wurde, fusionierte das Unternehmen 1889 mit der Puntigamer Brauerei der Familie Hold. Aufgrund des besseren Standortes in Puntigam wurde 1895/96 die Brauerei in der Prankergasse aufgegeben. Damit hatten die Realitäten und Lagerkeller beim Hauptbahnhof für das Unternehmen ihren Nutzen eingebüßt, weshalb man sie 1898 um 220.000 Gulden an die Stadt Graz verkaufte, der die Kavernen auch heute noch gehören. Schon bald errichtete die Stadtgemeinde auf dem Gelände das so genannte Transitomagazin, wodurch die Keller wieder für Lagerzwecke genutzt wurden. Die nächste große Veränderung in der Geschichte brachte dann der zweite Weltkrieg mit sich. In dieser Zeit dienten die Keller als Luftschutzkeller, die auch etliche Bombentreffer abbekamen.

Als Mitte der 50er-Jahre die Weinimportfirma „Südimport“ wegen der Neugestaltung des Bahnhofplatzes ihre vormaligen Lagerkeller einbüßte, bekam sie von der Stadtgemeinde die heute noch existierenden sieben Kavernen zugewiesen. 120.000 Arbeitsstunden mussten für die Adaptierung aufgewendet werden, um ab 1956 die spanischen, französischen, italienischen, jugoslawischen, griechischen und nordafrikanischen Weine beherbergen zu können. So wurde aus dem ehemaligen Bierdepot ein unterirdischer „Weinsee“.
Auf die Firma „Südimport“ folgten die Weingroßhandlungen Klein-Ehrenwalten und Schäffer, die allesamt familiär zusammengehörten, sodass die Nutzung der Kavernen von 1956 bis 2007 in der Hand einer Familie und derer Nachkommen lag.


KURZE BESCHREIBUNG DER KAVERNEN
Von den ursprünglich 8 Kavernen, die Josef Mixner 1873/74 errichtete, existieren heute noch sieben Gewölbe, die jeweils eine Scheitelhöhe von 5,55 m und eine Spannweite von 6,9 m aufweisen. Die tonnengewölbten, zum Teil verschnittenen Ziegelgewölbe ruhen dabei auf steinernen Pfeilern mit einer Stärke von 1,14 m. Über dem Ziegelgewölbe, das im Bereich des Widerlagers eine Stärke von 60 cm aufweist und sich dann auf 45 cm verjüngt, befindet sich eine Erdaufschüttung. 
                                                                                          Mag. Erik Hilzensauer
                                                           

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