Themen
Hausmühle Pfaffenlehner in Gitzing Nr.2, Neuhofen/Ybbs
Mostviertel
An der Zauch, die eine Länge von ca. 25 km hat, gab es einst zahlreiche Mühlen. Im Oberlauf waren es die Hausmühlen, im Unterlauf die Lohnmühlen. Von den einst 7 Hausmühlen und 11 Lohnmühlen ist keine mehr in ihrer ursprünglichen Art in Betrieb. Drei Lohnmühlen sind noch samt Einrichtung erhalten.
Die Hausmühle Pfaffenlehner wurde nach einem Brand im Jahre 1860 wieder instand gesetzt und hat sich so im Wesentlichen unverändert bis heute erhalten. Der aus ungebrannten Lehmziegeln errichtete Giebel ist demnach der Erneuerung von 1861 zuzuschreiben. Sowohl der Putzdekor in Form von Faschenausbildungen und eines rundbogigen Feldes über der Tür, als auch der Unterzug der Holdecke sind mit dieser Jahreszahl versehen. Wesentliche Teile der techn.Mühlenkostruktion sind erhalten.
Die Pfaffenlehnermühle dokumentiert, auch in der jüngeren Überformung, die bäuerliche Eigenversorgung in der Produktion von Lebensmitteln des 19. Jahrhunderts sowie den seit Jahrhunderten gleich gebliebenen Bautypus einer Getreidemühle mit Wasserradantrieb. So zeigen die Umfassungsmauern ausgezwickeltes Bruchsteingefüge mit Ortsteinen, das in der Tradition spätmittelalterlicher Mauerungstechnik über Jahrhunderte Anwendung fand, durch den Einschluss großflächiger Einzelsteine für frühneuzeitliche Entstehung spricht und damit die einfache stereometrische Grundform eines solchen Nutzbaus seit dem 16./17. Jahrhundert vor Augen stellt. Da der ursprünglich große Bestand an derartigen kleinen Mühlenanlagen entlang von Gebirgsbächen heute bis auf ganz wenige Beispiele reduziert ist, kommt diesem für alpine Streusiedlungsgebiete aussagekräftigen Gebäude samt seiner Ausstattung ein wirtschafts- und kulturhistorisch herausragender Stellenwert zu.
Die Mühle war bereits stark vom Verfall bedroht; der Dachstuhl war teilweise eingebrochen und das Mauerwerk wies Setzung und Risse auf. Eine Privatinitiative bemüht sich seit dem Jahre 2003 um die Rettung des Objektes. In Eigenregie wurden statische Sicherungsmaßnahmen gesetzt, der Dachstuhl erneuert und eine Ziegeldeckung gemäß dem Letztzustand vorgenommen. Mit finanzieller Unterstützung der öffentlichen Hand werden heuer die abschließenden Arbeiten durchgeführt, wobei die Neuherstellung des Mühlenrades, der Fenster und Böden, sowie die Verputzrestaurierung anfallen. Teile des Fehlbestandes werden durch anfallendes Material einer aufgelassenen Mühle ergänzt.
Nach Jahrzehnten des Verfalls soll anlässlich des Denkmaltages ein erstes Schaumahlen stattfinden.
Die Hausmühle Pfaffenlehner liegt bei der Zauchbachbrücke in Gitzing Nr.22 (KG Toberstetten) südlich von Neuhofen an der Ybbs, nahe Hiesbach in Richtung St. Leonhard am Walde.
Druckversion




