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Schloss Thinnfeld, Deutschfeistritz

Schloss Thinnfeld, repräsentatives Hammerherrenhaus aus dem Rokoko in verträumter Parkanlage. © Pötscher

Parkanlage von Schloss Thinnfeld. © Pötscher
Repräsentatives Hammerherrenhaus aus dem Rokoko mit bedeutender freskaler Ausstattung.
Unmittelbar neben dem historischen Sensenhammer von Deutschfeistritz befindet sich inmitten eines verträumten Parks Schloss Thinnfeld. Zu dem repräsentativen Herrenhaus aus dem Rokoko gehörten einst mehrere, heute nur mehr in Resten erhaltene Hammerwerke, welche mit ihrer Wasserkraft die Wohlhabenheit der Besitzerfamilie begründeten. Den Namen Thinnfeld verbindet man in der Steiermark heute wohl am ehesten mit dem Palais der Familie in der Grazer Murvorstadt, an das sich jetzt das Kunsthaus anschließt. Dieses Haus und das in Deutschfeistritz ließ Ferdinand Joseph Thinn Edler Herr von Thinnfeld (1706-1770), geadelter Spross einer obersteirischen Hammerherrenfamilie, errichten. Seine bleibende juristische Leistung war die Mitarbeit am Codex Theresianus, dem wichtigsten Gesetzeswerk der damaligen Zeit. In dem für seine zweite Frau 1761-64 erbauten Schloss in Deutschfeistritz führte der kunstsinnige Ferdinand Joseph selbst bedeutende Künstler wie Heinrich Formentini, Veit Königer und Joseph Adam Mölk zur Verwirklichung eines bis heute gut bewahrten Gesamtkunstwerkes zusammen. Das von einem Park und Garten umgebene Schlösschen ist ein einstöckiger Rechteckbau, an den vier einachsige Eckpavillons angebaut sind. Dazwischen springt die siebenachsige Gartenfront leicht zurück, während an der abgerundeten Eingangsseite die beiden Pavillons stärker vortreten. Das Haupthaus wird von einem hohen Satteldach überragt. Die Eckpavillons tragen abgewalmte Mansardendächer. Über dem Eingangstor ist das Wappen der Familie Thinnfeld angebracht. Die Fassade wird horizontal durch umlaufende Gesimse zwischen den bei den Geschossen gegliedert. Der dreiachsige Mittelrisalit der Gartenfront ist von einem dreieckigen Giebel mit Stuckzierrat gekrönt.
Der Enkel des Erbauers, Ferdinand Joseph Ivo Freiherr von Thinnfeld (1793-1868), studierte Jus und - bei keinem Geringeren als Friedrich Mohs, dem "Erfinder" der Härteskala-Geologie, Mineralogie und Bergwesen. Studienreisen, die vielleicht in die Nähe der Industriespionage zu setzen sind, führten ihn nach Deutschland, Frankreich und England. Bereits mit 21 Jahren wurde er in den steirischen Landtag eingeführt, vier Mal zu dessen ständischem Verordneten gewählt. Im Revolutionsjahr 1848 erfolgte die Wahl in den Reichsrat, schließlich war er 1848-1853 Minister für Landeskultur und Bergwesen. In dieser Funktion rief Ferdinand von Thinnfeld u. a. die Geologische Reichsanstalt und die Bergakademien zu Leoben und Přibram ins Leben. Zum Kurator des Joanneums hatte den ihm persönlich Vertrauten schon 1827 Erzherzog Johann als ernannt, der selbst oft zu Besuch in Deutschfeistritz weilte und Ferdinand Thinnfeld auch als Jagdfreund verbunden war.
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