Themen
Bundeskanzleramt
Die Adresse Ballhausplatz 2 steht als Synonym für jenen Ort, an dem seit der Barockzeit österreichische Politik gestaltet wird. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts erforderte der ausgedehnte Vielvölkerstaat des Habsburger Reiches den Bau einer zentralen „Staatskanzlei“, die in relativ kurzer Bauzeit 1717 bis 1721 neben dem kaiserlichen Ballhaus errichtet wurde.
Der Entwurf stammte vom Stararchitekten Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745), der als besonderer Günstling des Reichsvizekanzlers Friedrich Carl Graf Schönborn auch dessen Planungsideen übernahm.
Gemäß dem engen Standort zwischen Amalienburg und Basteien wurden die Außenfassaden betont schlicht gehalten und nur durch zarte Gliederungen strukturiert. Im Inneren des Hauses gestaltete man hingegen vor allem die schwungvolle Treppe als prächtige Schaubühne für das barocke Zeremoniell.
Nach dem Wiener Kongress 1814/15 ließ Metternich die Beletage „zur Verbesserung der Wohnlichkeit“ umbauen und die Fassade zu Gunsten einer monumentalen Wirkung vereinfachen.
Ende des 19. Jahrhunderts sowie nach 1903 wurde auf dem Areal des ehemaligen Minoritenklosters das Haus-, Hof- und Staatsarchiv angebaut. Nach Plänen von Baurat Franz Pokorny entstand hinter historistischen Fassaden eine äußerst innovative gusseiserne Konstruktion, die zu den bedeutendsten technischen Denkmälern Europas zählt.
Am 10. September 1944 wurde das Bundeskanzleramt bei einem Bombardement schwer getroffen. Obwohl die Restaurierung bis 1948 dauerte, bezogen Bundeskanzler Leopold Figl und Bundespräsident Karl Renner schon 1945 ihre Amtsräume.
Den Wiederaufbau leitete der Architekt Oswald Haerdtl, der durch seine Bauten im Stil der klassischen Wiener Moderne bedeutende Akzente in der Nachkriegszeit setzte.
Die Ausstattung der Repräsentationsräume des Bundeskanzleramtes stellt eines von Oswald Haerdtls Hauptwerken nach dem Krieg dar. Mittels hunderter ausführlicher und wunderbarer Pläne, die heute im Architekturzentrum Wien aufbewahrt werden, legte Haerdtl jedes Detail von Blumentisch, Kaminuhr, Spiegeln, Türgriffen, Schreibtischen, Lustern etc. fest.
Haerdtl gelang es dadurch, eine stilvolle Gestaltung der Wandflächen mit einer durchaus modernen Ausstattung zu kontrastieren.
Die Gestaltung des Bundeskanzleramtes zählt damit zu den gelungensten und beeindruckendsten Werken des österreichischen Wiederaufbaus und spiegelt als gebautes Dokument die damalige Architektur und Zeit wider.
Wiederaufbau: 1945 bis 1948
Architekt: Oswald Haerdtl
Druckversion



