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Wiener Synagoge - Der Stadttempel von Wien
Das Gebäude in der Seitenstettengasse ist Sitz der Israelitischen Kultusgemeinde Wiens und beherbergt die älteste erhaltene Synagoge der Stadt.
Die Geschichte der Juden in Österreich ist eng mit dem Werden des Landes verbunden. Bereits 903 werden sie in der Raffelstätter Zollordnung als „rechtmäßige Händler“ bezeichnet.
Ab 1190 leitete der Jude Schlomo die neu gegründete Wiener Münzstätte, mit deren Hilfe zahlreiche Städte Österreichs gegründet bzw. ausgebaut werden konnten, unter anderem erhielt auch Wien eine umfangreiche Erweiterung, die Juden wurden durch landesfürstliche Privilegien besonders geschützt.
Dennoch gab es immer wieder schwere Verfolgungen, die meist an wirtschaftliche oder kriegerische Krisen gebunden waren. Als Begründung berief man sich auf angebliche religiöse Übergriffe oder Wucherdelikte der oft erfolgreichen jüdischen Händler. Mehrfach kam es dabei zur Zerstörung jüdischer Viertel, so 1421 und 1670.
Erst 1811 wurde wieder die Erlaubnis gewährt, in der Seitenstettengasse ein Grundstück zu erwerben und darauf – hinter einer Wohnhausfassade versteckt – einen Tempel zu errichten. Der Komplex mit Schultrakt, Rituellem Bad und Bethaus über ovalem Grundriss wurde von Josef Kornhäusel 1823-1826 errichtet.
Die Wiener Synagoge, ein typischer Bau des Biedermeier, ist im Gegensatz zu anderen Synagogen integraler Bestandteil eines großen Wohnkomplexes. Mit Sicherheit ist es diesem Umstand zu verdanken, dass sie die Reichspogromnacht des 9. November 1938 ohne Brandlegung überstanden hat.
Alle übrigen Wiener Synagogen und Bethäuser wurden zerstört und bis Kriegsende über 65.000 österreichische Juden von den Nationalsozialisten ermordet, 100.000 mussten fliehen, nur wenige konnten lebend aus den Konzentrationslagern befreit werden.
Im September 1945 wurde der Stadttempel, der als einziges jüdisches Gotteshaus Wiens nicht vollständig zerstört worden war, wiedereröffnet.
Nach dem Krieg war Wien ein Lager für „Displaced Persons“ aus dem Osten. Meist waren es Juden, die nach Palästina wollten, nur wenige blieben hier. 1956 und 1968 flüchteten Juden aus Ungarn bzw. der CSSR nach Wien.
1979 wurde in der Seitenstettengasse das Jüdische Gemeindezentrum errichtet, die letzte Renovierung fand 1988 statt.
Bauzeit: 1823-1826
Architekt: Josef Kornhäusel
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