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Pfarr- und ehemalige Domkirche Mariae Himmelfahrt in Gurk

Wollte man die Denkmäler der Kunstlandschaft Kärntens nach geschichtlicher, künstlerischer und kultureller Bedeutung reihen, würde dem Dom zu Gurk unbestritten der erste Rang gebühren:

in der Baugeschichte des jahrhundertealten Bischofssitzes manifestiert sich neben der Kärntner Kultur- und Geistesgeschichte insbesondere die Kirchengeschichte des Landes, die von wechselhaften Beziehungen zum Salzburger Metropoliten entscheidend geprägt wurde.



Vermutlich westlich vom heutigen Dom befindet sich der Standort der von Gräfin Hemma im 11. Jh. errichteten Klosterkirche: die Errichtung einer "hundertsäuligen" Hallenkrypta zu Ehren der Klosterstifterin unter dem Chor und dem Querhaus, die Überführung der Gebeine Hemmas 1174 aus der ehem. Marienkirche und die damit verbundene Förderung ihres Kultes bildete von Anfang an ein lokales Gegengewicht zu den bestehenden kirchlichen Macht- und Besitzansprüchen Salzburgs. Die Realisierung des Dombaues unter Bischof Roman I. (1131-1167) ist hingegen nur im Kontext mit der damaligen kirchlichen Baublüte des Erzbistums und als Resultat einer engen Zusammenarbeit mit dem Salzburger Erzbischof Konrad I zu sehen, wovon die mächtige, am Salzburger Dom orientierte Doppelturmanlage ein beredtes Zeugnis ablegt. Der Wunsch nach Unabhängigkeit von Salzburg wurde verständlicherweise durch den allmählichen Machtzuwachs des Gurker Bistums verstärkt. Für die Jahre 1179/ 80 sind Fehden mit salzburgischen Gefolgsleuten überliefert und zur selben Zeit - in architektonischer Umsetzung des kirchenpolitischen Kurses? - die Errichtung eines Querhauses mit Emporen im Gurker Dom.



In Abhängigkeit von den wechselvollen Beziehungen zur Erzdiözese gestalteten sich auch die verschiedenen Bauperioden an dem gewaltigen Vorhaben, das mehrere Generationen von Bischöfen in Anspruch nahm. Vor 1220 wurde der Dom fertig gestellt. Im Grundriss als dreischiffige, fünfeinhalbjochige Pfeilerbasilika mit erhöhtem zweijochigen Chorraum, zweijochigem Querhaus und drei gleichfluchtenden Apsiden angelegt, blieb die romanische Anlage des Baues weitgehend erhalten: Als Verlust an ursprünglicher Bausubstanz ist die ins Mittelschiff ragende romanische Apsis der Bischofskapelle zu beklagen, die 1779 einem Orgeleinbau zum Opfer fiel. Einem Brand vor 1260 verdankt sich die Neuausmalung der Bischofskapelle mit ihrem stilgeschichtlich wie ikonographisch anspruchsvollen Programm. In der Zeit zwischen 1446 und 1591 erfolgte die schrittweise Einwölbung des Baues mit Netz- und Sternrippen, barocke Veränderungen betrafen mit Ausnahme eines Zubaues des Kapiteltores ans Nordschiff eher die von der Architektursprache des Tessiners Peter Franz Carlone geprägten Stiftsbauten als den Dom selbst.

Durch Aufträge der Gurker Bischöfe und Dompröpste an angesehene zeitgenössische Künstler verfügt der Dom über eine beachtliche Einrichtung und Ausstattung: Noch aus gotischer Zeit stammen Reste von Flügelaltären, Fresken und Glasfenster sowie das 1458 bei Meister Konrad in Friesach in Auftrag gegebene Fastentuch. Wandmalereien der Kärntner Künstler Wenzel Aichlers und Anton Blumenthais und Epitaphien aus dem 16. Jh. sowie der erste erhalten gebliebene wandfüllende frühbarocke Hochaltar des 17. Jh. des Sachsen Michael Hönels leiten über zur Ära des Propstes Franz Otto Kochler von Jochenstein, der mit den Brüdern Bibiena (Kanzel), mit Raphael Donner (Pietà) und Antonio Corradini (Grab der hl. Hemma) Künstler von europäischem Format für Gurk gewinnen konnte.

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