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April
Bildnis eines Stifters

Detail Keckmann. Zustand nach der Reinigung. Foto 2011. © BDA

Detail Heilige Katharina. Zustand Zwischenreinigung. © BDA

Detail Heiliger Martin. Zustand nach der Reinigung. Foto 2011. © BDA

Detail Heiliger Martin. Zustand vor der Reinigung. Foto 2011. © BDA

Schwazer Azurit Querschliff, Auflicht. Probe stammt aus dem Bereich des Stifterwappens. Foto 2011. © BDA

Gesamtaufnahme des Keckmann Epitaphs. © Domarchiv St. Stephan.
Johannes Keckmann war ein bedeutender Theologe der Renaissance. Sein Grabdenkmal aus dem Wiener Stephansdom wird derzeit in den Werkstätten des BDA restauriert.
Bei den Restaurierungsarbeiten kamen bedeutende Farbreste der ursprünglichen spätgotischen Fassung ans Licht. Darüber hinaus zeigten sich auch Widersprüche, die eine einheitliche Entstehung dieses Bildwerkes in Frage stellen.
In einer gemeinsamen Restaurierungskampagne. die von den Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes im Arsenal, dem Dombaumeisteramt zu St. Stephan und einem Tiroler Spender ermöglicht wurde, können zur Zeit neben den notwendigen konservatorischen Maßnahmen auch bedeutende Nachforschungen zu der Genese und dem ursprünglichen Erscheinungsbild durchgeführt werden.
Der Stifter dieses Epitaphs war Ende des 15. Jahrhunderts Rektor der Universität Wien. Neben seiner priesterlichen Tätigkeit widmete er sich dem Kirchenrecht.
Am Hauptrelief ist der Heilige Martin mit der zur Wandlung erhobenen Hostie dargestellt. Ihn kleidet eine Kassel, auf der der gekreuzigte Heiland und Maria plastisch dargestellt sind. Links davon kniet der Stifter, begleitet von seinem Hündchen, das auch als Zeichen der Treue zu sehen ist; rechts davon kniet ein Diakon. Auf dem mit einem gemusterten Tuch bedeckten Altar liegen ein Messbuch, ein Messkelch, eine Bischofsmütze und zwei Kerzenständer. Hinter dem Haupt des Heiligen Martin ist ein Altaraufsatz mit einer Pietadarstellung ausgearbeitet. Rechts vorne befindet sich das Wappen des Keckmann mit einem am Kopf gefiederterden Vogel, vielleicht einem Wiedehopf.
Über dieser bildhauerischen Darstellung liegt ein weiteres Relief, das fünf durch architektonische Gliederungen mit Girlandendekoration getrennte Figuren zeigt. Von links nach rechts sind das: Johannes der Täufer mit Lammdarstellung, Heilige Barbara mit Kirchenmodell, Muttergottes mit Jesuskind in den Armen, Heilige Katharina mit Schwert sowie Johannes der Evangelist.
Oberhalb der Mariendarstellung ist das Lichtsymbol, das in der Martinslegende eine Rolle spielt, dargestellt. Dieses wird an beiden Seiten von je einem Putto und Delphin flankiert.
Am oberen Bogen ist auf lateinisch eingemeißelt: „Während der Heilige Martin die Sakramente darbrachte, erschien über seinem Haupt eine feurige Kugel. O Edelstein der Priester, bitte für uns“.
Am unteren Inschriftband:“ Im Jahre 1512 starb der hochwürdige Priester und Professor der päpstlichen Rechte, der vortreffliche Johannes Keckmann. Geboren in Retz, aufgezogen in Haugsdorf und Hirte der Herde Gottes in Staatz, auch in Wien in den freien Künsten ausgebildet, war er dort in Ehren ein Sämann des göttlichen Wortes. In diesem Grab wurde er im Herrn bestattet, Seine Seele möge in Gott leben.“
Sämtliche acht Werksteine des um 1512 gemeißelten Bildwerkes sind aus dem feinkörnigen und homogenen Breitenbrunner Kalksandstein aus dem Leithagebirge geschaffen. Dieser leicht zu bearbeitende Werkstein war vom 15. bis ins 17. Jahrhundert der beliebteste Bildhauerstein Ostösterreichs. Nahezu alle Steinoberflächen des Epitaphs zeigen noch Reste der ursprünglichen Ölimprägnierung, die als Grundlage für die in Spuren noch ablesbare Farbfassung unverzichtbar war. Neben zahlreichen Werkspuren, wie sie durch gezahnter Steinaxt, Zahneisen, Flacheisen sowie unterschiedlich dimensionierten Hohleisen entstehen, sind auch Ritzungen als Konstruktionshilfen zu erkennen. Grundsätzlich kann der Epitaph mit seiner tief ausgearbeiteten Reliefgestaltung als so genanntes „Guckkastenrelief“ bezeichnet werden.
Als Künstler werden immer wieder Bildhauer aus dem Kreis um Michael Tichter und Meister Pilgram genannt. Aufgrund der restauratorischen Bearbeitungen zahlreicher spätmittelalterlicher Epitaphen von St. Stephan, welche in den letzten 20 Jahren durch die Restaurierwerkstätten des BDA durchgeführt worden sind, erleichterte sich für uns die Lesbarkeit der Formensprache.
Fest steht, dass dieser Epitaph stilistisch eindeutig auf zwei Bildhauer zurückzuführen ist, wobei das obere Figurenrelief eher dem Meister Michael Tichter und seinem Kreis anzurechnen ist und das untere der Formensprache nach einem Meister aus dem Nürnberger Kreis (ev. Meister Pilgram) entsprechen könnte. Ob die Zusammenführung dieser beiden Reliefs von Haus aus geplant war, bleibt unklar. Als gesichert erscheint, dass diese Bildwerke in Zusammenhang mit dem Martinsaltar zu sehen sind. Dieser stand vormals an jener Stelle, an der ab 1672 bis heute der Pötscher Altar steht.
Obwohl sich der Epitaph immer im Innenraum des Domes befunden hat, zeigen sich Schäden. Diese sind entweder durch Verschmutzung oder äußere atmosphärische Belastungen hervorgerufen worden, z.B. durch Kerzenruß oder schwefelige Emissionen. Auch mechanische Einwirkungen in Folge unsachgemäßen Umganges oder nicht immer geglückter Sanierungsarbeiten haben das Grabmal beschädigt.
Alte Verklebungen, punktuelle mechanische Überarbeitungen, Gipsergänzungen und massive Abreinigungen weisen auf alte Restaurierungsmaßnahmen hin, die in Folge auch eine Veränderung des Erscheinungsbildes mit sich brachten. Nach 1672 wurde das Epitaph abgenommen, das erste Mal restauriert und danach an erhöhter Stelle wieder versetzt. Für 1886 ist eine Folgerestaurierung belegt, bei der nach erfolgter Reinigung vor allem die Farbreste gelobt worden sind. Von alter Bemalung und Vergoldung war die Rede. 1875 wurde durch den Rektor der Kunstakademie in Wien eine Kopieerstellung veranlasst. Fragmente davon befinden sich auch heute noch in der dortigen Gipsothek. Um 1925 dürfte wohl wiederum eine in Situ vorgenommene Reinigung erfolgt sein. Eine weitere Abnahme, die Alois Kieslinger für 1940 beschreibt, konnte nicht nachgewiesen werden.
Unter Beibehaltung eines würdigen Alterswertes wird nun in genau abgestimmten Arbeitsschritten versucht, diesen Epitaph zu reinigen und zu konservieren. Nachdem der doch etliche hundert Kilo schwere Epitaph von den Steinmetzen der Dombauhütte St. Stephan abgebaut und in die Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes verbracht worden war, werden nun in interdisziplinärer Vorgangsweise und basierend auf ständiger Bemusterung die notwendigen Maßnahmen gesetzt. Reinigungsschritte gehen unmittelbar mit Festigung bzw. Fixierungsinterventionen für Malschichten und Gesteinsoberflächen einher. Begleitende Dokumentation ist für die Bestandaufnahme und als Grundlage der zu setzenden Eingriffe unabdingbar.
Als vorläufiges Ergebnis lässt sich mit Sicherheit folgendes feststellen. Es gibt nur eine ursprüngliche Farbfassung. Bei kleineren Abweichungen bzw. punktuellen Übermalungen handelt es sich lediglich um Ausbesserungen. Sämtliche Gesichter und Hände waren mit Inkarnatstönen gefasst. Die Augen sind mit Weiß, Blau und Schwarz exakt ausgemalt, Nasen, Wangen, Lippen sind mit unterschiedlichen Rottönen akzentuiert. Die Farbe der Haare variiert von Braun, Blond, Grau bis Schwarz.
Weiters weisen alle Attribute eine ursprüngliche Farbgebung bzw. Vergoldung auf Ockergrundierung auf. Bei den Gewändern waren nahezu sämtliche Säume mit Goldauflagen gesteigert. Das Familienwappen ist mit Azurit, Malachit sowie Ocker mit typischen zeitspezifischen Pigmenten gefasst. Die Augen des Hündchens sind rot. Ob alle anderen Oberflächen des Epitaphs mit einer so genannten „Steinfarbe“ weiß gefasst waren kann erst nach weiteren Laboruntersuchungen als gesichert angesehen werden. Die Architekturteile waren zudem auf ihren Höhungen mit Gold belegt.
Die Konservierungsarbeiten werden noch einige Monate in Anspruch nehmen. Danach wird der Epitaph wieder an den ursprünglichen Standort im Stephansdom zurückversetzt werden.
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