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August
Neues aus Altem schaffen - Das Arnulf Rainer Museum in Baden

Das Arnulf Rainer Museum nach erfolgtem Umbau des Frauenbades.

Der historische Stich aus dem Stadtarchiv Baden zeigt das Frauenbad gemäß der Beschreibung M. J. Mayer im Jahr 1821.

Der Wunsch das Gebäude einzuhüllen ist auch auf der Übermalung eines historischen Stiches des Frauenbades durch den Künstler Arnulf Rainer ersichtlich. Die ursprünglich horizontale Ausrichtung des Baukörpers wird betont.

In den Bädern (im Bild das frauenbad) wurden die in den Jahren 1993 - 1994 eingebauten Glasdecken entfernt.

Die brückenartige Konstruktion erlaubt einen freien Blick in die historischen Becken.

Blick in das Karolinenbad.

Im kleineren der beiden Baderäume, dem Karolinenbad, schuf man einen barrierefreien Zugang, indem ein in die Mitte des Raumes führender Steg errichtet wurde.

Festsaal. Um dem Gebäude im Inneren eine durchgängie Struktur zu geben, wurde der gesamte Boden als einfärbiger Terrazzo ausgeführt.
Arnulf Rainers Leitsatz „Neues aus Altem schaffen“ wurde von den Architekten Lottersberger-Messner-Dumpelnik für das 2009 eröffnete Arnulf Rainer Museum im ehemaligen Frauenbad baulich umgesetzt.
Die Schaffung eines Museums in Baden - der Geburtsstadt Rainers – kam dem Künstler sehr entgegen, da er sich in seinem Kunstwollen schon früh mit dem Frauenbad beschäftigte und in diesen Räumen bereits 1977 eine Einzelausstellung präsentierte.
Das Frauenbad, dessen komplexe Geschichte bis in die Antike zurückreicht, war von ständiger Umbautätigkeit gekennzeichnet. Die Stadt Baden war bereits unter den Römern unter dem Namen „Aquae“ für ihre Thermalquellen bekannt. Direkt unter dem Frauenbad wurden im 19. Jahrhundert massive Quadermauern entdeckt, die wohl zu antiken Bauten gehörten. Im Hochmittelalter war Baden eine Residenzstadt der Babenberger Herzöge, im Bereich des späteren Frauenbades verlief die Stadtmauer. 1285 wurde an diesem Platz ein Augustinerkloster gegründet, das 1297 mit der nahen Frauenkirche verbunden wurde. Beiderseits dieser Kirche entwickelten sich zwei der zahlreichen Badehäuser dieser Stadt, im Jahre 1688 wurde das nördliche so genannte „Frauenbad“ von Erzherzogin Maria Antonia besucht. Unter Kaiser Josef II. verwaiste das Augustinerkloster, daher wurde das gesamte Areal für eine Neubebauung zugänglich.
Unter Kaiser Franz I. und seiner Gemahlin kam es ab 1796 zu einem großen gesellschaftlichen Aufschwung. Der Wiener Hof nutzte Baden bis zum Tod des Kaisers 1835 für regelmäßige Sommeraufenthalte, samt Badekuren im bevorzugten Frauenbad. Durch den mitreisenden Hofstaat sowie zahlreiche Hochadelige entwickelte sich Baden nun zum mondänen Kurort, dessen große neue Badeanstalten von den berühmtesten Architekten der Monarchie gestaltet wurden.
Nach einem lokalen Stadtbrand 1812, bei dem die alte Frauenkirche und das Frauenbad zerstört wurden, wurde das Bad auf ausdrücklichem Wunsch des Kaisers sofortig wieder aufgebaut. Für den Grundentwurf wurde wohl der französische Stararchitekt Charles de Moreau gewonnen. Unter Einbeziehung von Resten der Langhausmauern der Kirche wurde unter dem Stadtbaumeister Anton Hantl bis 1821 ein komplexes Bauensemble verwirklicht, das außen durch eine erstaunlich homogene klassizistische Säulenfassade monumentalisiert wird. Im Inneren ermöglichten mehrere Badesäle mit wertvoller Marmorauskleidung modernen Kurgenuss auf kaiserlichem Niveau.
Nach dem Tod des Kaisers 1835 verlegte der Hof seine Sommeraufenthalte nach Bad Ischl. Mit der Fertigstellung der Südbahn 1841 wurde Baden jedoch zum Lieblingskurort der Wiener Gesellschaft. Adel, Bürgertum und Mitglieder des Erzhauses errichteten nun einen ganzen Gürtel von Palästen und Villen. 1877-78 wurde das Frauenbad für die neuen Verhältnisse umgestaltet und mit neuer Marmorierung und zahlreichen hölzernen Umkleidekabinen ausgestattet. Erst nach der Eröffnung des neuen Kurmittelhauses wurde 1973 der Badebetrieb im Frauenbad eingestellt, das nach wie vor sprudelnde Heilwasser wird seitdem abgeleitet. Seit 1977 fanden sporadisch Ausstellungen statt, eine ständige Nutzung fehlte jedoch.
Mit den Bauarbeiten 2008-09 wurde nun das Arnulf Rainer Museum etabliert, das in halbjährlich wechselnden Ausstellungen Werke des berühmten Künstlers zeigt. Der Umbau bereinigt die im 20. Jahrhundert erfolgten Adaptierungen und Implantate und stellt das ursprüngliche klassizistische Raumgefüge wieder her. Die in Form und Material äußerst reduzierte neue Infrastruktur wie Brücken, Rampen und Stiegenläufe hebt das historische Ambiente hervor und grenzt es deutlich als authentisch ab. Die dezente Möblierung und Raumtechnik folgen dem sensiblen, in seiner Gestaltung ruhigen klassizistischen Innenraum.
Außen positionierte man als neues Wahrzeichen eine „Einhüllung“ des historischen Laternenaufsatzes durch zwei versetzte Lochblechebenen mit Moiré – Effekt. Am Josefsplatz gehend sehen Passanten ein bewegtes, fließendes Muster als Hintergrund zum beleuchteten Signet des Museums. Der ursprünglichen Intention des Entwurfes Charles de Moreau folgend, wurde dem Gebäude durch Ausblenden der Dachlaterne eine ruhigeres Gesamtbild verliehen. Somit hat auch die zeitgenössische Baukunst einen charakteristischen Jahresring höchster Qualität beigetragen.
Aus Sicht der Denkmalpflege bietet der Umbau nicht nur eine nachhaltige Nutzung, sondern auch ein aufmerksames Übernehmen der klaren Sprache des Klassizismus durch die zeitgenössische Architektur zu einer Synthese von Alt und Neu.
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