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Graz, Historische Glashäuser
Die vom Verfall bedrohte, historische Glashausanlage wurde 1887-88 errichtet. Gemeinsam mit dem Eisernen Haus stellt sie in Graz ein singuläres Denkmal der Eisenarchitektur des 19. Jhs dar. Um 10.00 Uhr Eröffnung des „Tag des Denkmals“ und anschließende Führung, Vortrag und Rahmenprogramm. Weitere steirische Programmpunkte finden Sie hier.
Um 10.00 Uhr Eröffnung des „Tag des Denkmals“ vor der historischen Gewächshausanlage und anschließende Führung mit HR DI Dr. Friedrich Bouvier; um 11.00 Uhr Vortrag von Dr. Margit Stadlober „gebaut-gesichert“ und Filmvorführung „Kindheit unter Glas“ im Hörsaal 32.01 (1.St.) des Instituts f. Pflanzenwissenschaften.
Ab 12.00 Uhr Ausstellung „gepflanzt-gebaut“ in den Neuen Gewächshäusern und Brunch; ab 14.00 Uhr Botanische Führungen und Workshops für Kinder (Neue Gewächshäuser).
Kontakt: Dr. Ursula Brosch, Tel. 0316/3805662
Geschichte
Der 1811 im Westen des Grazer Joanneums eingerichtete Botanische Garten besaß bereits ein im gleichen Jahr errichtetes Kalthaus mit 2000 Pflanzenarten. 1812 folgte ein Warmhaus, in dem exotische Pflanzen und Phanerogamen kultiviert wurden (Josef Andr. Janisch, Graz. Eine Stadt im 19. Jahrhundert, hrsg. v. Heinz Heikenwälder, Sonderausgabe, Graz 1995, S. 43, Wiltraud Resch, Österreichische Kunsttopographie Bd LIII, Wien, 1997, S. 294f.).
Nach 88 Jahren erfolgreichen Bestehens dieser Anlage, die für das Studium der Botanik wertvolles Material lieferte, wurde sie 1889 mit Beschluss des Steiermärkischen Landtages für die Stadtbebauung aufgelöst. Die gerade in Bau befindliche Karl-Franzens-Universität Graz sollte für das Botanische Institut eine neue Gartenanlage erhalten. 1874 wurde zu diesem Zweck eine an der Schubertstraße liegende Ackerfläche von Peter von Reininghaus angekauft (Astrid Wentner, Der Botanische Garten und seine Bauten; in: Der Grazer Campus, hrsg. v. Alois Kernbauer, Graz 1995, S. 181f.).
Dort entstanden an der Nordwestecke des Grundstückes 1887-1888, also noch vor dem ersten Institutsgebäude der Pflanzenwissenschaften und dem Hauptgebäude der Universität, die ersten alten Glashäuser durch die k. k. Eisenkonstruktionswerkstätte Ignaz G. Gridl in Wien, die später von Waagner-Biro abgelöst werden sollte, und erwuchsen so zu einem Stück Grazer Stadt- und Universitätsgeschichte in Glas, das nicht zuletzt aufgrund seines zerbrechlichen Materials gefährdet ist.
Die Glashausanlage, umgeben von noch ursprünglichem Baumbestand, sollte durch die neuen Glashäuser, 1989 bis 1995 von Volker Giencke errichtet, ersetzt werden. Der Abbruch der alten Glashausanlage und ihre Aussiedlung nach Unterpremstätten anlässlich der Internationalen Gartenschau 2000 konnte im Jahre 1997 dank einer durch die Stadt Graz geförderten Bürgerinitiative (Aktionskomitee zur Rettung des Historischen Glashauses: Dr. Anne-Marie Leb, Dr. Astrid Wentner, Mag. Anita Piber, Helga Denk) verhindert werden. Sie machte auf den historischen und den ideellen Wert dieses bemerkenswerten Denkmals der Eisen(Stahl)-Architektur des 19. Jahrhunderts aufmerksam. Dennoch ist die Rettung, die drei von vier Gutachten für durchaus möglich halten, noch nicht gesichert.
Beschreibung
Das ursprüngliche alte Glashausensemble gehört dem Typus des neuen sachlichen Gewächshauses an, das zur Entstehungszeit in Eisenkonstruktionskatalogen als Serienprodukt angeboten wurde. Das Erscheinungsbild ist gekennzeichnet von Symmetrie und zeitmoderner Ausführung. Die Glashäuser des 19. Jahrhunderts „gelten aufgrund der Neuartigkeit des Materials und der Funktion als Vorläufer neuzeitl. Baugestaltung.“ (Hans Koepf, Günther Binding, Bildwörterbuch der Architektur, Stuttgart 4 2005, S. 221).
Das zentrale Palmenhaus dominiert an Höhe als Mittelkubus mit Turmaufbau und Laufsteg samt schlanken Eisengeländern mit dünnen, geschwungenen Stäben und abschließenden Schnecken. Es wird gerahmt von jeweils einem großen und einem kleinen Warm- (zweischalig) und Kalthaus. Diese Konstruktionen mit hochrechteckigen Glasflächen lehnen sich an eine massive Mauerscheibe im Norden an, die an ihrer Rückseite Wirtschaftsgebäude und eine kleine Gärtnerwohnung birgt. Erweiterungen wurden um 1950 mit dem Viktoriahaus, dem Warm-Sattelhaus und dem Kalt-Sattelhaus durchgeführt.
Einordnung
Die Firma Gridl errichtete im zeitlichen Vorfeld der ursprünglichen Anlage das große Palmenhaus des Schlosses Schönbrunn in Wien mit drei Pavillons und Verbindungstonnen im Stil des Späthistorismus mit ästhetischer Extravaganz. Die alte Glashausanlage des Botanischen Gartens der Grazer Universität reiht sich somit zu den bedeutenden Beispielen ihres Architekturtyps. Sie ist aber auch dessen letzter Vertreter in ihrer Region. Gemeinsam mit dem heute in das Kunsthaus integrierten Eisernen Haus bildet sie die einzigen in Eisenskelettbauweise erhaltenen Objekte von einmaligem kulturhistorischen und technisch-historischen Wert in Graz. Das 1906 errichtete, sehr ähnliche Glashausanlage des Botanischen Gartens der Universität Innsbruck in Hötting wurde 1977 abgerissen. Ferner nimmt der ursprüngliche alte Grazer Glashauskomplex mit seinem Formengut, das sich auf strenge Rechteck- und einen Würfelkörper reduziert, die Neue Sachlichkeit der Moderne vorweg. Die floralen Schwünge der schlanken Geländerstäbe verweisen auf den Jugendstil.
Als Beispiel einer im Jahre 2003 begonnenen, vorbildlichen Restaurierung eines vom Verfall bedrohten Kalt-Hauses ist die Orangerie im Grazer Burggarten, erbaut 1842/43, zu nennen. Nach umsichtiger Planung konnte mit der gelungenen Revitalisierung der Orangerie historisch wertvolle Bausubstanz erhalten werden, die nun als stimmungsvoller Veranstaltungsort dient (Verena Missbrenner, Die Glashäuser des Instituts für Pflanzenwissenschaften im Botanischen Garten der Karl-Franzens-Universität Graz, phil. Diplomarbeit, Graz 2007, -Erwin Pilch, Revitalisierung des historischen Gewächshauses im Botanischen Garten der Karl-Franzens-Universität Graz, Techn. Univ. Diplomarbeit, Graz 2006).
a.o.Univ.Prof. Dr. Margit Stadlober
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