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Chinesische Tapeten und italienische GemäldeSchloss Hellbrunn bei Salzburg ein "Highlight" am Tag des Denkmals

Vögel- und Pflanzenmotive der Tapeten vermitteln exotisches Flair

Mehr als drei Jahrhunderte haben diese Papiertapeten schon überdauert


Kunstvolle Details: Huhn mit Küken

Kentauren- und Tierkampf-Wandgemälde: Auf monumentalen Friesen kämpfen eng ineinander verschlungen Menschen, Tiere und Fabelwesen

Kampf der Seekentauren (Ausschnitt)

Die vor den Toren der Stadt Salzburg gelegene Schloss- und Parkanlage von Hellbrunn zählt zu den beliebtesten Ausflugszielen der Salzburgerinnen und Salzburger.
Wenige Besucher sind sich aber bewusst, dass diese Anlage ein Hauptwerk des italienischen Manierismus bildet, der Übergangsepoche zwischen Renaissance und Barock.
Am heurigen „Tag des Denkmals“ am 28. September 2008 werden in Schloss Hellbrunn zwei besondere Raritäten zum Thema „Kultur-Import“ bei den Führungen präsentiert.
Kulturimport aus Ostasien
Denn nicht nur auf italienischen Einfluss, dessen Zeugnissen man in Salzburg ja auf Schritt und Tritt begegnet, trifft man in Hellbrunn. Einen besonderen Kulturimport stellt das Chinesische Zimmer des Schlosses dar, das mit Tapeten aus Südchina ausgekleidet ist. Schon um 1670 dürften diese Wandbespannungen aus handgeschöpftem chinesischen Papier mit Darstellungen von Blumen und Vögeln entstanden sein. Nach Hellbrunn sollen sie in den 1720er Jahren wohl aus Schloss Urstein bei Puch gekommen sein, wo schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts ein chinesisches Zimmer eingerichtet worden war.
Chinesische Zimmer waren im 18. Jahrhundert zu einer Mode in den Schlössern und Palästen des europäischen Adels geworden. In Südchina wurden derartige Tapeten zu dieser Zeit eigens für den Export nach Europa hergestellt und zählten mit horrenden Preisen zu den Luxusartikeln und Statussymbolen dieser Zeit.
Aufwändige Restaurierung 2007 abgeschlossen
Nachdem das Hellbrunner Chinesische Zimmer schon 1957 restauriert und ergänzt worden war – u. a. hatte man wieder Teilstücke aus dem inzwischen verschwundenen Chinesischen Zimmer in Schloss Urstein entnommen – konnten die historischen Wandbespannungen im Zuge eines Projektes des „Kultur 2000“-Rahmenprogrammes der Europäischen Kommission in den vergangenen Jahren sorgfältig untersucht und restauriert werden.
Heute steht das Zimmer wieder den Besucherinnen und Besuchern des Schlosses offen und wird im Rahmen der Sonderführungen am Tag des Denkmals besonders gewürdigt.
Kentauren- und Tierkampf-Wandgemälde
Auch eine zweite im Vorjahr abgeschlossene Restaurierung in Schloss Hellbrunn verdient im Rahmen des heurigen Tages des Denkmals besondere Beachtung: die erst 1990 wieder entdeckten großformatigen Kentauren- und Tierkampf-Wandgemälde aus dem 16. Jahrhundert. Diese Leinwandgemälde stellen vergrößerte Kopien von Wandfriesen des Raffael-Schülers Giulio Romano (1499-1546) in Mantua dar, die Erzbischof Markus Sittikus (1612-1619) als Geschenk erhielt oder erwarb. Sie zeigen den Kampf der See-Kentauren, einen Tierkampf und den Kampf der Lapithen und Kentauren.
Als typische Kunstwerke ihrer Entstehungszeit spiegeln sich in diesen Monumentalgemälden Grundprinzipien des Manierismus wieder: Abweichung von den klassischen Normen und Idealen oder deren Überzeichnung, intellektuelle Spielereien und Anspielungen. Typische Merkmale der Malerei dieser Epoche – ihre graphischen Qualitäten, das Interesse an Körperdarstellungen, verzerrte oder übersteigerte Proportionen, bewusste Missachtung der Perspektive, Figurenfülle, dynamische Verrenkungen, grelle Farbkontraste, erotische Akzenten und eine Betonung des Grotesken bzw. Hässlichen (Ungeheuer, Fantasie- und Fabelwesen) – sind auch am Hellbrunner Zyklus abzulesen.
Ort: 5020 Salzburg, Schloss Hellbrunn, Fürstenweg 37
Führungen: 11:00, 13:00 und 15:00 Uhr
Kontakt: Schlossverwaltung Hellbrunn, 0662/82 03 72-0
Treffpunkt: Schlosshof – Schlosstreppe
. . . und hier finden Sie das gesamte Programm für Salzburg am Tag des Denkmals 2008.
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