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Graz, Schlossberg
Um 10.00 Uhr Einzug der Bürgergarde in die Stallbastei samt Trommler: Meldung, Ehrensalut, danach Eröffnung des Denkmaltages: Begrüßung durch Gemeinderat HR Dr. Peter Piffl-Percevic und Direktor Hochreiter, einführende Worte von Landeskonservator Brugger.
Von ca. 10.45-11.00 Vorführung und Demonstration von Dr. Leutzendorff und OSR Otto: Entwicklung der Gewehre vom Luntenschlossgewehr bis ca. 1870 vor der Kanonenhalle, Fachvortrag von Dr. Hilzensauer: Graz als Befestigung (ca. 15-20 Minuten) Um 12.00 und 14.30 Uhr Festungsspaziergang mit Dr. Hilzensauer (Treffpunkt: Stallbastei): Schlossberg und Stadt (Festung, Kasematten, Gotisches Tor, Hackher-Löwe, Thomaskapelle, Kriegersteig, stadtmuseumgraz mit Festungsmodellen und Stadtmodell), ca. 1½ Stunden. Um 14.00 Uhr zweite Vorführung „Entwicklung der Gewehre vom Luntenschlossgewehr bis ca. 1870 (ca. 30 Minuten, vor der Kanonenhalle, Garnisonsmuseum); (Dr. Erik Hilzensauer, Tel. 0316 367256-22)
8010 Graz, Schlossberg, Garnisonsmuseum
Die Stadt Graz war im frühen 16. Jahrhundert von einer mächtigen, zinnenbekrönten und durch Wehr- und Tortürme verstärkten Ringmauer umgeben. Am nördlichen Teil des Schlossbergs thronte die im 13. Jahrhundert errichtete, gotische Burg. Der grundlegende Wandel in der Kriegsführung und die akute Bedrohung durch die Türken, die 1532 große Gebiete südlich von Graz verwüsteten, machten eine Erneuerung dieser nicht mehr zeitgemäßen Festungsarchitektur dringend notwendig. 1544 erfolgte der Erlass Ferdinands I. für eine Neubefestigung von Burg und Stadt im italienischen Bastionssystem unter der Leitung von Domenico dell’ Allio.
Domenico dell’ Allio (de Lalio) war die bedeutendste Persönlichkeit unter den italienischen Baumeistern und Architekten, die zu dieser Zeit aufgrund ihrer ausgezeichneten Kenntnisse im Festungsbau nach Österreich geholt wurden. Er hatte sich bereits in Wien beim Bau der Dominikanerbastei durch Können und Erfahrung hervorgetan, wurde schließlich zum Obersten Baumeister Innerösterreichs ernannt und in den Adelsstand erhoben. Mit dem Haupttrakt des Grazer Landhauses schuf Domenico dell’ Allio zudem einen der bedeutendsten Renaissancebauten Österreichs und trug damit zur Verbreitung oberitalienischer Renaissanceformen in der Steiermark entscheidend bei.
Charakteristisch für die Renaissancefestungen nach italienischem Vorbild waren die vorspringenden, fünfeckigen Bastionen, die eine vollständige Längsbestreichung der Gräben ermöglichten. Die schräggestellten, meist aus Ziegeln mit Hausteinkanten und Steinkordon errichteten Mauern verringerten zudem die Wirksamkeit der feindlichen Geschoße. Den Bastionen und Kurtinen waren Gräben und Wälle vorgelagert.
1544 begann der Ausbau der Schlossbergfestung mit der Stall- oder Kanonenbastei. Diese mächtige, erste Bastion mit über 20 m Höhe und tonnengewölbter Kasematte ist großteils intakt erhalten. Die anstelle eines mittelalterlichen Zwingers etwa gleichzeitig errichtete, nördliche Bastion („Hinterer Zwinger“) wurde 1809 weitgehend zerstört. In der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts folgten die Bürgerbastei im Südosten, der Kavalier („Katze“) zwischen Bürger- und Stallbastei und die der mittelalterlichen Burgummauerung vorgelagerte Fernbergerbastei, die durch den Bau von Schlossbergbahn und -restaurant verändert wurde. Im Zuge der Umgestaltung des Schlossbergs entstanden weiters der aus einem mittelalterlichen Wehrturm hervorgegangene Uhrturm und der achteckige, zur 1810 abgebrochenen, romanischen Thomaskapelle gehörende Glockenturm.
Gleichzeitig mit dem Schloßberg wurde auch eine Neubefestigung der Stadt in Angriff genommen. Domenico dell’ Allio errichtete Bastionen an den drei wichtigsten Ecken der Stadtummauerung (Burgbastei, Grillbüchelbastei im Südosten und Adlerbastei im Südwesten). Unter seinen Nachfolgern Francesco Thebaldi und Salustio Peruzzi entstanden die verbindenden Kurtinen und der südöstliche Befestigungsabschnitt zwischen Grillbüchel und Eisernem Tor. Die mittelalterliche Ringmauer wurde dort abgetragen, wo sie beim Neubau der Bastionen hinderlich war.
Ab 1578 zeichnete Hofkriegsrat Franz von Poppendorf für den Festungsbau verantwortlich, der die östliche Schlossbergseite durch zwei das Paulustor flankierende Bastionen sichern ließ (Paulustor- und Karmeliterbastei). Die Bauzeit erstreckte sich bis über die Jahrhundertwende, das Paulustor selbst war 1614 vollendet. Die Paulustorbastei mit tonnengewölbter Kasematte ist heute als einzige der Stadtbastionen weitgehend original erhalten.
Ab 1655 begann nach einer Zeit des Stillstands wieder eine regere Bautätigkeit, die vor allem die murseitige Befestigung, die Erneuerung der Burgbastei und zwei zum Schutz der südlichen Kurtinen errichtete Ravelins (von Gräben umgebene Vorwerke) betraf. Die in ihrem Umriss fast vollständig erhaltene Burgbastei wurde zur größten Bastion der Stadtbefestigung ausgebaut.
Der Befestigungsneubau dauerte noch bis ins späte 17. Jahrhundert an, 1782 erfolgte schließlich die Auflassung der Festungsanlagen. Nach dem Friedensvertrag von Schönbrunn kam es im November 1809 zur Sprengung der Schlossbergfestung durch die Franzosen. Die meisten Festungsbauten in der Stadt wurden im Laufe des 19. Jahrhunderts abgebrochen.
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