Zur Navigation springen |Zum Inhalt springen
 
 

April

Ganzkörperlifting für Maria Theresia Zur Konservierung und Restaurierung des Bronzedenkmals am Neuen Platz in Klagenfurt

Klagenfurt, Neuer Platz, Statue der Maria Theresia

Barocke Maria - Theresia - Statue um 1850

Neue Maria - Theresia - Statue

Detailansicht der linken Hand mit unbesetztem Montageloch und Zapfen

Maria - Theresia - Statue vor und nach der Restaurierung

Maria - Theresia - Statue nach der Restaurierung

Plangerecht vor der Austragung von drei Gruppenspielen der Fussball - Europameisterschaft im Juni 2008 in Klagenfurt wird die Umgestaltung des „Neuen Platzes“ in Klagenfurt nach Plänen des Architekten Boris Podrecca abgeschlossen werden. Im Zuge der Gestaltungsmaßnahmen wurde das Institut für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien (Prof. Dr. Gabriela Krist) mit der Restaurierung des Maria Theresia-Denkmals an der Ostseite des Neuen Platzes beauftragt.

Nach Festlegung eines konservatorisch - restauratorischen Maßnahmenkonzeptes (Dr. Martina Griesser-Stermscheg, Mag. Georg Kolmanitsch) in Abstimmung mit der Abteilung Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes und dem Landeskonservatorat für Kärnten wurde das Klagenfurter Bronzedenkmal der Maria Theresia im Herbst 2007 unter der Leitung des Metallrestaurators Mag. Kolmanitsch durch vier Studentinnen des Fachbereichs Objektrestaurierung (Andrea Friedl, Martina Markovska, Julia Wechselberger, Jasmin Abfalter) restauriert. Vor und während der Restaurierung wurden umfangreiche Archivrecherchen und wissenschaftliche Untersuchungen vorgenommen. Die dadurch gewonnenen und für den vorliegenden Beitrag zur Verfügung gestellten Ergebnisse können dazu beitragen, dass das in der Kärntner Geschichts- und Kunstwissenschaft bis heute gering geschätzte Denkmal künftig als „qualitätvolle Arbeit innerhalb der österreichischen Denkmalkunst“ (Martina Griesser-Stermschegg) wahrgenommen werden wird.

Der „Neue Platz“, der in der Stadtplanung des 16. Jahrhunderts südlich der mittelalterlichen Altstadt genau in der Mitte der neuen Befestigungsanlage als Kernstück der ständischen Residenz vorgesehen wurde, bildete mit dem renaissancezeitlichen Lindwurmbrunnen einen wichtigen Bezugspunkt landständischer Identität. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden dem Lindwurm Monumente der Habsburgermonarchen als Ausdruck dynastischer Herrschaft entgegengestellt: 1660 errichtete man ein hölzernes Reiterstandbild Leopolds I., 1765 eine Bleistatue der Maria Theresia.

Die von Balthasar Moll für den Klagenfurter Hauptplatz aus einer Blei - Zinn - Legierung gefertigte Statue wurde 1870 abgetragen und 1873 durch ein neues Maria - Theresia-Denkmal ersetzt. Dieses wurde 1971 vom ursprünglichen Standort vor dem Rathaus an die heutige Stelle östlich des Lindwurms versetzt. Die neue Maria Theresia, ein über drei Meter hohes und ca. 1,2 Tonnen schweres Bronzedenkmal, wurde nach einem Entwurf des Bildhauers Franz Xaver Pönninger 1872 in der k. k. Kunsterzgießerei in Wien gegossen.
Als Grund für die Abtragung der Vorgängerstatue wurde von einem Zeitzeugen der Wunsch nach einer „neuen, dem liberalen Zeitgeist entsprechenden Statue“ angeführt. Es ist kein Zufall, dass man zur selben Zeit auch in Wien an einem Programmentwurf für ein modernes Maria Theresia-Denkmal arbeitete. Neben einem - bürgerlich motivierten - „grundlegenden Wechsel von Darstellungskonventionen seit dem 18. Jahrhundert“ hat Werner Telesko in seiner Studie zur habsburgischen Ikonographie den Denkmalkult Maria Theresias im 19. Jahrhundert auf konkrete Zeitereignisse und die darauf abgestimmte staatliche Kunstpolitik bezogen: „Besonders nach Königgrätz und dem Ausgleich mit Ungarn erhielt die Regentin gleichsam die Funktion einer integrativen Symbolfigur zugeordnet, die einen bestimmten Abschnitt und eine bestimmte Perspektive österreichischer Geschichte in retrospektiver Verklärung markierte“ (W. Telesko, Geschichtsraum Österreich, S. 85). Die von Balthasar Moll geschaffene Darstellung der Kaiserin als ruhmreiche Siegerin über das Heilige Römische Reich, über die Königreiche Böhmen und Ungarn und über das Erzherzogtum Österreich hatte im 19. Jahrhundert als Identifikationsmodell ausgedient: Pönninger verzichtete bei seinem Entwurf auf die über der Kaiserin schwebende Fama und die der Herrscherin zu Füßen gelegten vier Kronen des Vorgängermodells und beschränkt sich mit den vom Vorgängerdenkmal übernommenen Attributen der Krone, des Szepters und eines Medaillons mit dem Bildnis Franz Stephans auf die - übernational aufgefasste - Regentschaft des Hauses Habsburg-Lothringen.

Anstelle des Medaillons war zum Zeitpunkt der Restaurierung nur noch ein unbesetztes Montageloch und ein Gewindestab an zwei Fingern der linken Hand der Statue vorhanden. Auswertungen historischen Bildmaterials im Institut für Konservierung und Restaurierung lieferten Hinweise auf das ursprüngliche Attribut, das nach einer modellierten Wachsvorlage aus Bronze nachgegossen wurde. Anschließend wurde es mit den noch vorhandenen Originalstiften montiert und mit Acrylfarben farblich an die übrige Bronze angepasst (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 5, 10,12).

Die ursprüngliche Farbgebung der von Pönninger geschaffenen Bronzestatue war bisher ungeklärt: Erst im Zuge der Restaurierung 2007 konnte mittels einer Untersuchung der historischen Kittmassen im Zentrallabor des Bundesdenkmalamtes ermittelt werden, dass das Denkmal ursprünglich mit hoher Wahrscheinlichkeit mit metallsichtiger Oberfläche zur Aufstellung kam und weder eine - üblicherweise grüne, rötlich-braune, dunkelbraune oder metallisch schwarze - Patinierung noch einen Anstrich aufwies. Unterschiedliche Glanz- und Mattigkeitswirkungen wurden hingegen durch verschiedene Techniken der Oberflächenbearbeitung - Schleifen, Polieren, Ziselieren, Punzieren - erzielt (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 6 f.).

Zur umfassenden Zustandsermittlung der Bronze wurde eine endoskopische Untersuchung durchgeführt: Durch Abnahme der Krone konnten die Restauratoren durch die Kopföffnung das Innere der Statue einsehen: dabei wurde festgestellt, dass das Bronzedenkmal aus einzelnen, im Sandgussverfahren hergestellten Teilen besteht, die zum Teil durch Flanschen verschraubt, zum Teil - mit anschließender mechanischer Überarbeitung von Nietköpfen und Fügenähten - vernietet wurden. In die Flanschverbindungen wurde innen Blei als Dichtmaterial beigelegt, außen Kitt auf Leinölbasis in offene Fügebereiche eingearbeitet. Mit Ausnahme weniger Eisendorne bestehen auch die Befestigungselemente im Inneren vorwiegend aus Bronze (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 5 ff.).

Bei der optischen Befundung der Oberflächen wurden von den Fachleuten des Instituts für Konservierung und Restaurierung im Wesentlichen zwei Schadensbilder im Oberflächenbereich wahrgenommen: eine Abwitterung der Bronze mit hellgrünen Korrosionsprodukten in witterungsexponierten Bereichen und eine Verkrustung mit gräulichen bis schwarzen Korrosionsprodukten und Schmutzablagerungen in den der Bewitterung abgewandten Bereichen. Runzelbildungen an besonders dunklen Stellen stammten, wie die Laboranalyse ergab, von einem im Zuge einer früheren Restaurierung angebrachten bituminösen Anstrich. Dazu kamen durch Ausbrüche und Risse verursachte Farbabweichungen der Kittungen (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 7 ff.).

Aufgrund der durchgeführten Untersuchungen wurde der Konservierung und Restaurierung ein detaillierter Maßnahmenkatalog zugrunde gelegt: In einer ersten Phase der Oberflächenreinigung wurden die zum Teil bis zu fünf Millimeter dicken, schwarzen Verkrustungen mit geeigneten Werkzeugen - Bürsten, Schabern, Messern, Dentalwerkzeugen, Schleifpapieren und Freilegepinseln - entfernt, die grün korrodierten Stellen von lose aufliegenden Verschmutzungen befreit und anschließend eine Nachreinigung mit dem Trockeneis-Strahlverfahren vorgenommen. Kleine Fehlstellen und Öffnungen der Oberfläche wurden mit einer eingefärbten Kittmasse aus mikrokristallinem Wachs geschlossen (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 10f.).

Auch der vom Wiener Architekten Rudolf Mayer gefertigte Sockel der Statue wurde in die Arbeit der Metallrestauratoren einbezogen: bei den am Sockel vertikal applizierten Bronzegirlanden mussten zum Teil vorhandene rezente Befestigungsstifte aus Eisen, die bereits stark korrodiert waren, entfernt und durch neu angefertigte Bronzestifte ersetzt werden. Starke Verdunkelungen, die vermutlich bei einer früheren Restaurierung durch eine Behandlung mit Acrylharz verursacht wurden, mussten nach mehreren Reinigungsversuchen als nicht mehr reversibel akzeptiert werden (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 9ff.). Derzeit noch nicht vollständig abgeschlossen ist die Restaurierung des Sockels, mit der parallel zur Metallrestaurierung ein Steinrestaurator beauftragt wurde.

Um Farbunterschiede zwischen grünen und schwarzen Bereichen der Bronzeoberfläche abzuschwächen, erhielt die Statue als abschließende Maßnahme einen Wachsüberzug, der im Kaltauftrag mit Pinseln und Tüchern auf die Oberfläche frottiert und anschließend poliert wurde (vgl. Bericht zur Konservierung und Restaurierung, S. 12).

Die künftig in bestimmten Zyklen vorzusehenen Nachsorgemaßnahmen sind einfach: zur Schönheitspflege der Kaiserin genügt Wasser - und bei Bedarf Seife!



Verwendete Literatur:

Griesser - Stermscheg, M. unter Mitwirkung von Kolmanitsch, G., Friedl A., Markovska, M., Wechselberger, J., Abfalter, J. (Hrsg.): Bericht zur Konservierung und Restaurierung/ Maria Theresia - Denkmal/ Neuer Platz, Klagenfurt, Wien: Universität für angewandte Kunst Wien, Institut für Konservierung und Restaurierung 2008

Skudnigg, E.: Denkmäler in Klagenfurt und ihre Schicksale. Wissenschaftliche Veröffentlichungen der Landeshauptstadt Klagenfurt, Bd. 5, Klagenfurt 1984.

Telesko, W.: Geschichtsraum Österreich. Die Habsburger und ihre Geschichte in der bildenden Kunst des 19. Jahrhunderts. Wien - Köln - Weimar 2006

Druckersymbol Druckversion