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Februar

Der KorbiniansaltarEin Altar bekommt Flügel

Florian vor Restaurierung

Altar, mit Korbiniansfigur von Hans Klocker

Ausschnitt, Korbinian vor Restaurierung

Die Infrarotaufnahme zeigt deutliche Unterzeichnung

Demontage der Predella

Gesamtaufnahme des Innenraumes

Hl. Andreas, vor Restaurierung

Fotografische Rekonstruktion des Altares

Der Entdeckung der Altarflügel von Friedrich Pacher aus der Wallfahrtskirche St. Korbinian in Thal-Wilfern durch den Münchner Kunsthistoriker Univ. Prof. Ulrich Söding und seiner Publikation in der Schriftenreihe des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum im Jahr 1999 sowie seinem Hinweis, dass die Tafeln im Kunsthandel bei Christie`s London aufgetaucht seien, ist zu verdanken, dass sich die Landesregierung Tirol, beraten vom Landeskonservatorat für Tirol des Bundesdenkmalamtes, entschlossen hatten, die Flügelgemälde des Korbinianaltares im Juli 2007 zurückzukaufen, um sie mit dem in der Wallfahrtskirche verbliebenen Schrein zusammenzuführen und somit ein hochrangiges Kulturgut des Landes zu retten.

Der gotische Korbiniansaltar von Friedrich Pacher aus der Wallfahrtskirche St. Korbinian in Unterassling (Thal-Wilfern), Tirol, entstanden um 1480, wird mit den  bisher verstreuten, nun wiederentdeckten Altarteilen zusammengeführt.
Durch die Entdeckung der lange vermissten Altarflügel beim Versteigerungshaus Christie`s in London und durch den Rückkauf durch das Land Tirol kann der Altar nun wieder zu einer Einheit zusammengeführt werden. Eingehende Untersuchungen und eine Klärung der bewegten Restauriergeschichte durch die Abteilung Restaurierwerkstätten des Bundesdenkmalamtes soll bei der Festlegung eines einheitlichen Restaurierkonzeptes eine hilfreiche und notwendige Grundlage schaffen.

Zu diesem Zweck wurden nicht nur die 4 angekauften Altarflügel, sondern auch der Altarschrein aus Unterassling abgebaut und nach Wien in die Restaurierabteilung transportiert.
Erst die Zusammenschau und Bewertung der unterschiedlichen Veränderungen kann eine auch ästhetisch befriedigenden, rekonstruierende Zusammenführung ermöglichen.
Erstmals können wissenschaftliche Untersuchungen an diesem Altarwerk vorgenommen werden und werden Aussagen zu Restauriergeschichte, Materialtechnik, Mal- und Fasstechnik, sowie Werkstattmitarbeiter zu erwarten sein. Dies wird auch für die Kunstwissenschaft von großer Bedeutung sein.

Anhand der bisherigen Dokument- und Literaturauswertungen und ersten Untersuchungen kann hier kurz die äußerst bewegte Geschichte des Altares skizziert werden:
Um 1480 entstand der Altar und wurde als Haupt- und Hochaltar im Chor der Kirche aufgestellt. 1660 musste er einem barocken Hochaltar weichen, verblieb jedoch in der Kirche. Zwischen 1850 und 1864 wurden die beiden beweglichen Schreinflügel abmontiert und verschwanden, bzw. gelangten in den Handel. Die beidseits auf Nadelholztafeln gemalten Flügeltafeln wurden möglicherweise schon zu Anfang des 20. Jh. „gespalten“, sodass 4 Einzelgemälde entstanden. Vor 1932 tauchen die vier Tafeln in der Sammlung Goudstikker in Breukelen, Niederlande auf. 1940 wird die Sammlung durch die Nazis liquidiert und Herrmann Görings Sammlung Carinhall einverleibt.
Nach dem Krieg 1945 gelangten sie zu dem „Central Collecting Point“ in München. Um 1947 wurden die Bildtafeln in die Niederlande restituiert und gelangten in den Stichting Nederlansch Kunstbesitz. Seit 1963 waren sie Leihgaben im Stedelijk Museum in Zutphen
2006 wurden die Tafeln den Erben der Godstikkers zurückgegeben.

Auch dem in Unterassling verbliebenen Altarschrein blieben unliebsame Veränderungen nicht erspart: 1927 wurde die Kirche bestohlen und es verschwand unter anderem auch das Predellengemälde. Das Diebesgut konnte jedoch im Oktober des Jahres sichergestellt werden. 1930 kamen die Tafelgemälde nach Wien zur Restaurierung. 1931 wurde der Altar aus Sicherheitsgründen in der Stadtpfarrkirche in Lienz aufgestellt. Um 1956 erst konnte der Altar wieder in Assling präsentiert werden.
Da die Altarteile nun wieder zu einer Einheit zusammengefügt werden sollen, ist es unabdingbar, die verschiedenen Veränderungen aufzuzeigen und zu bewerten und in einen gemeinsamen Kontext zu bringen.
Strahlentechnische Untersuchungen ( IR, UV, Röntgen ) sowie labortechnische Schichten- und Bindemitteluntersuchungen und makroskopische Oberflächenuntersuchungen sind Möglichkeiten, zerstörungsfrei Vorinformationen zu erhalten, bevor noch am Objekt Maßnahmen gesetzt werden.

Das „Projekt Pacheraltar-Assling“ wird von der Abteilung Konservierung und Restaurierung des BDA geleitet unter Einbindung einer Arbeitsgruppe freiberuflicher Restauratoren (Dipl.Rest. Rosl Legère-Laub, Mag. Heide Stanicic, MA. RCA. Ricard Sundström) und in Kooperation mit der Akademie d. bildenden Künste, Wien, Institut für Konservierung mit einer Diplomarbeit (Leitung Univ.Prof. Dr. Wolfgang Baatz, Diplomandin Mag. Monika Freylinger), Farbchemisches Institut mit strahlentechnischen Untersuchungen, (Univ. Prof. Dr. DI Manfred Schreiner).

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