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August
Der Ringziegelofen Dörfler in Leoben

Das langgestreckte Gebäude ist im Erdgeschoss aus Ziegeln gemauert (entspricht dem Brennkanal) und verjüngt sich nach oben. Das Obergeschoss bildet eine Holzkonstruktion. Das Dach durchbricht ein hoher Schornstein .

Sechs rundbogige Einkarrtüren (mit doppelten Ziegelreihen) führen in den Brennkanal.

Detail einer Einkarrtüre.

Das Obergeschoss in Holzkonstruktion ist durch einen mit einer Holztüre verschlossenen Zugang an der nordöstlichen Giebelseite erreichbar.

Blick auf den mächtigen Schornstein im Obergeschoss.
Der letzte Ofen seiner Art in Österreich brennt darauf in Zukunft wieder genutzt zu werden. Es ist vorgesehen, ihn in das museale Konzept der „Steirischen Eisenstraße“ einzubinden. Er könnte als Lehrbeispiel für junge Menschen in der Ausbildung dienen, denen die Möglichkeit geboten wird, einen realen Einblick zu bekommen, wie die alte Fertigungstechnik der Ziegelerzeugung über Jahrhunderte erfolgt ist. In einem zweiten Ausbauschritt ist ein Museum der Arbeitswelt angedacht.
In seiner Kompaktheit weist der Ofen wichtigen Zeugnischarakter auf. Das funktionell gestaltete Gebäude war Teil einer ehemals sehr ausgedehnten, leistungsfähigen Ziegeleianlage. In dieser Form bildet er ein anschauliches Beispiel für den Stand der technischen Entwicklung der Ziegelproduktion gegen Ende des 19. Jahrhunderts und ist Symbol eines zu dieser Zeit für Leoben bedeutsamen Industriebetriebes. Der hohe Bedarf an Baumaterialien hatte zur Entwicklung rationellerer Produktionsmethoden gezwungen.
1858 hatte Friedrich Hoffmann in Preußen und Österreich diesen Typus eines Ziegelbrandofens patentieren lassen (und das Patent später durch diverse Modifikationen erweitert). Der Ofen zeichnet sich dadurch aus, dass in ihm ein kontinuierlicher Betrieb sowie eine Verkürzung der Brenndauer ermöglicht wurden.
Der schlauchartige, in sich geschlossene (ursprünglich ringförmige), durch kleine, verschließbare Gewölbeöffnungen von oben mit Brennmaterial versorgbare Brennkanal stand durch in regelmäßigen Abständen befindliche, verschließbare Einkarröffnungen mit der Außenluft und durch verschließbare Rauchkanalöffnungen mit dem Schornstein in Verbindung. Luftdicht schließende Schieber ermöglichten die variable Absperrung des Brennkanals und Bildung mehrerer Abteilungen. Durch gezieltes Öffnen und Schließen diverser Öffnungen entstand im Brennkanal ein Luftzug, der sich beim Durchströmen an abzukühlenden, fertig gebrannten Ziegeln erhitzte und diese so abkühlte. In Folge unterstützte der heiße Luftstrom Brennvorgänge anderer Abteilungen und trocknete frisch eingebrachte Ziegel.
So befanden sich andauernd Ziegel in verschiedenen Fertigungsstufen im Ofen, fertig gebrannte und ausgekühlte Exemplare konnten sofort durch neue ersetzt werden, die Verlegung der Absperrung um eine Abteilung liess den Kreislauf neu beginnen.
Später kamen nicht mehr im Grundriss ringförmige Öfen zum Einsatz, sondern, wie dieses Objekt, solche mit zwei geraden, parallelen, durch Halbkreise miteinander verbundenen Kammern, die den Schornstein und den mittigen Rauchsammler umschlossen. Sie ermöglichten eine wesentliche Platzersparnis.
Baubeschreibung:
Mit südwestlich gerichteter Längsachse erhebt sich der rund siebenundzwanzig Meter lange und zwölf Meter breite Baublock über rechteckigem Grundriss.
Das aus breiten Ziegelmauern mit Putzspuren bestehende Erdgeschoß (entspricht dem Brennkanal) verjüngt sich nach oben und geht in ein mit vertikalen Brettern verplanktes, durch eine Holzkonstruktion gebildetes Obergeschoß über.
An den Erdgeschoßlängsseiten befinden sich je sechs rundbogige Einkarrtüren in den Brennkanal, an den Querseiten je eine. Der durch eine Holztüre verschlossene Zugang zum oberen Geschoß an der nordöstlichen Giebelseite ist nur über eine Leiter erreichbar.
In den Gewölben des korbbogigen Brennkanals im Erdgeschoß befinden sich regelmäßige Öffnungen für die von oben erfolgte Einbringung von Brennmaterial. Am Fuß der inneren Kammerwand führten Kanäle in den mittig gelegenen Rauchsammler.
Besitzgeschichte:
1893 wurden grundbücherlich die Bauparzellen des Ringofens und eine Ziegelmeisterwohnung auf dem an Kärntnerstraße und Ostererweg grenzenden Grundstück gebildet. Die Erbauung des Objektes kann damit in diesem Zeitraum angenommen werden. Seit 1889 waren Antonia (durch Erbschaft) und ihr Gatte, der Sparkassendirektor Josef Schirnhofer (durch Kauf) Eigentümer der Liegenschaft. Beim Wiederverkauf des Areals, 1914, wurde die Ziegelei im Vertrag erwähnt. Seit damals befindet sie sich im Besitz der Familie Dörfler, bis 1946 leitete DI Wilhelm Dörfler den Betrieb. Die Ziegelerzeugung wurde 1968 eingestellt.
Die früher frei zugänglichen Einkarröffnungen sind durch Schutt zum Teil erschwert, an der Südwestseite durch Bodenaufschüttungen überhaupt nicht passierbar. Der Brennkanal ist mit Schutt und Sperrmüll stark verunreinigt (daher ist seine tatsächliche Höhe nicht feststellbar, sie dürfte bei zwei Metern liegen).
In weiten Bereichen des Mauerwerkes sind außen Ziegel ausgebrochen und die Mauern von Strauchbewuchs befallen, Teile der Holzverschalung des Obergeschosses fehlen. In einem ersten Schritt wird der Ofen vom Sperrmüll und vom Bewuchs befreit.
Erfreulicherweise scheint seine Zukunft jetzt gesichert!!
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