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Mai
Das barocke Lusthaus des Propstes HieronymusDas Schlösschen inmitten der Weingärten von Dürnstein dient damals wie heute der Erbauung, dem Weingenuss sowie der Geselligkeit.

das Schlössl liegt inmitten der Weingärten von Dürnstein

Einblick in den Mittelraum vor der Restaurierung

Decke des Mittelraumes während der Restaurierung

Decke des Mittelraumes nach der Restaurierung

Westkabinett, Freilegung der Parapetzone

Detail der restaurierten Raumschale, untere Zone

Decke des Westkabinetts mit den vier Jahreszeiten

Zustand der Graphiken vor der Restaurierung

Blick vom Westkabinett in die restaurierten Räume
Das Dürnsteiner Kellerschlössel mit seiner ebenso originellen wie kostbaren Ausstattung aus Wandmalerei, Stuck und Druckgraphik und Zeichnungen auf Papier wurde vor kurzem restauriert.
Die nun weitgehend abgeschlossene Innenrestaurierung des Dürnsteiner Kellerschlössels stellt ein ambitioniertes denkmalpflegerisches Vorhaben dar, das in kurzer Zeit durchgeführt wurde und von großem Engagement aller Beteiligten getragen war.
Als repräsentativer und weithin sichtbarer Abschluss der in den Jahren zuvor angelegten barocken Kelleranlagen wurde das barocke Lusthaus unter dem Propst des Dürnsteiner Augustinerklosters Hieronymus Übelbacher in den Jahren um 1714 bis 1719 errichtet. Mit seiner bemerkenswerten originellen Ausstattung sollte das Schlösschen der Erbauung, dem Weingenuss sowie der Geselligkeit dienen, einer Thematik, die auf der mit dem Chronogramm 1714 bezeichneten Sonnenuhr an der zur Donau gerichteten Schauseite angeschlagen wird. Von der – in mehreren, jedoch in kurzen Abständen erfolgten – Ausstattung des Inneren werden diese inhaltlichen Bezüge aufgenommen.
Im Zuge der Restaurierung stellte sich heraus, dass auch der aus einem zentralen Mittelteil mit -etwas später angebauten- flankierenden Kabinetten bestehende Baukörper in zwei Etappen errichtet wurde, ein Planwechsel der vielleicht mit dem in der Literatur als Vollender genannnten Jakob Prandtauer in Verbindung gebracht werden könnte. Die Räume des Hauptgeschosses wurden um 1715 stuckiert – angeblich von Domenico Piazoll -, die Deckenmalereien allegorischen Inhalts wurden um diese Zeit bzw. in den folgenden Jahren ausgeführt. Die Decke im Mittelssaal ist 1715 datiert und mit dem Wappen und den Initialen des Propstes Hieronymus bezeichnet. Sie wird dem Kremser Maler Matthias Pichler zugeschrieben. Etwas später dürfte die malerische Ausstattung der Seitenkabinette durch die im Stift tätigen Malern Baldassare Scabino de Rosaforte bzw. Gottlieb Starmayr erfolgt sein. Um die Mitte der dreißiger Jahre erfolgte eine weitere wesentliche Ausstattungsphase: Propst Übelbacher ließ an den Wänden aller drei Räume Tableaus mit lavierten Zeichnungen und Graphiken anbringen, die geistliche und weltliche Themen zum Inhalt haben (theologische Thesenblätter, biblische Szenen, Porträts, Veduten, Genreszenen, Karikaturen und vieles mehr).
Diverse Adaptierungen und Anbauten erfolgten im 19. und 20. Jahrhundert. Die Innenräume wurden mehrmals übertüncht, um 1962 im Rahmen einer Renovierung für eine Ausstellung ist die Anordnung der graphischen Tableaus abgeändert worden. 1989 wurden im östlichen Kabinett Voruntersuchungen zur Erarbeitung eines Restaurierkonzeptes der Raumschale durchgeführt, das 1990 teilweise durchgeführt wurde und zu Freilegungen der Wandflächen in diesem Raum führte. In Zusammenhang damit wurden auch der Grafikbestand restauriert und die Tableaus dieses Raumes rekonstruiert.
Neben den angeführten Überfassungen wurde der Zustand der Innenausstattung durch die teils zu starke, die Kapazität der intimen Räume übersteigende Nutzung in den letzten Jahrzehnten beeinträchtigt. Dies führte zu Abnutzungen und Verletzungen der Oberflächen, auch undichte Fenster und Feuchtigkeitsprobleme setzten der Ausstattung zu. Durch die im Jahr 2003 in den ehemaligen Garagen und Wirtschaftstrakten eingerichteten Präsentations- und Verwaltungsräume der „Freien Weingärtner“ konnte das Kellerschlössel insofern entlastet werden, als es nunmehr für Führungen und ausgewählte Veranstaltungen zur Verfügung stehen wird. Dadurch ist der erforderliche pflegliche Umgang mit der kostbaren Ausstattung gewährleistet.
Für die nun durchgeführte Sanierung, die neben der künstlerischen Ausstattung auch die Instandsetzung der Böden, der Fenster und der barocken Türen sowie die der Infrastruktur zum Inhalt hatte, war das Restaurierziel die einheitliche Präsentation der Innenräume, wie sie durch die bereits 1990 erfolgten Arbeiten im östlichen Kabinett vorgegeben war. Das bedeutete eine konsequente Freilegung der zweiten Ausstattungsphase, deren wesentliches Gestaltungselement die Tableaus mit den graphischen Blättern bilden. Um die Mitte der dreißiger Jahre des 18. Jahrhunderts wurde die ursprünglich wohl leichtere Raumfassung zugunsten einer etwas kräftigeren, auf die Tableaus abgestimmten Raumwirkung abgeändert, indem die obere, nicht von den Graphiken eingenommenen und diese rahmenden Wandflächen im Sinne einer gemalten Tapete gestaltet wurden. Über dem kräftigen grünen Fonds mit roter Bänderung liegt eine aufgehöhte Rocaillemalerei, die ursprünglich partielle Vergoldungen zeigte. Wie auch die szenischen Deckenmalereien sind diese dekorativen Malereien in Öltechnik ausgeführt. Im Gegensatz dazu wurden die Landschafts- und Jagdszenen, gelegentlich auch religiöse Motive beinhaltenden Felder der Sockelzone in Kalktechnik al fresco gemalt. Zu dieser nun wieder hergestellten Raumfassung gehört die ebenfalls restaurierte Fassung der Stuckdecke des Mittelsaales mit grünem Plafond und in Gelbocker gefasstem Stuck mit vergoldeten Akzenten an den oben genannten Inschriften. Die Gesimse weisen eine bräunliche Marmorierung ebenfalls in Öltechnik auf.
An den Stuckdecken konnte die frühere Fassung mit Rosa, Grau und gelbem Ocker befundet werden. Im Vorraum wurde diese Fassung - da sie keine wesentliche weitere Überformung erhielt –wieder hergestellt. Die al fresco –Technik der Sockelzone legt die Vermutung nahe, dass deren Malereien teilweise bereits der ersten Ausstattungsphase zwischen 1715 und 1719 angehören und später überarbeitet bzw. ergänzt wurden. In formalem und technischem Zusammenhang dazu steht eine im Zuge der Restaurierung partiell freigelegte gemalte Sonnenuhr und Teile figuraler Malerei an der Ostwand des westlichen Kabinetts. Dieser Fund ist baugeschichtlich von Bedeutung, als damit bewiesen ist, dass es sich bei der nunmehrigen Innenwand um eine ursprüngliche Außenmauer handelt, die seitlichen Kabinette also später angebaut wurden. Auch die vom Dachboden aus sichtbaren Gesimse und die nun verdeckte ehemalige Wandgliederung des Mittelteils bestätigen diesen Sachverhalt. Der für eine Außenmalerei auffallend gute Erhaltungszustand der Malereien, legt die Annahme nahe, dass diese nur kurze Zeit der Bewitterung ausgesetzt waren und die Anbauten recht bald nach Fertigstellung des Mittelteils erfolgten, was die am Bau selbst überlieferten Daten 1714/15 und 1719 belegen.
Die Freilegung der relevanten Wandfassung erfolgte durch Abnahme der aufliegenden Leimfarbenanstriche. Komplizierter gestaltete sich dies bei der Behandlung der Sockelfelder, da deren Sinterhaut und damit die Malereien bereichsweise durch mechanische Beschädigungen verletzt waren, was ein sehr behutsames Vorgehen erforderte. Die Leimfarbe wurde mit warmem Wasser und weichen Schwämmen abgenommen, die oberste Schicht nach dem Vorquellen mit der Spachtel. Starke Verschmutzungen – teilweise auch an den Decken – wurden mit Triammoniumcitratlösung (2%) behandelt und mit Wasser nachgewaschen. Bei den Decken wurden wegen der Gefahr des weitgehenden Substanzverlustes auf eine vollständige Entfernung späterer Übermalungen verzichtet und überwiegend trocken gereinigt. Am Deckenbild des Mittelsaales wurden die Altretuschen jedoch in der beschrieben Weise vollständig entfernt, weil sie die barocke Malerei farblich und formal zu sehr verunklärt hätten. In den durch Feuchtigkeit und Salzgehalt belasteten Bereichen der Sockelzone wurden Salzverminderungskompressen aufgetragen und bis zur vollständigen Durchtrocknung belassen. Die Malschichtfehlstellen wurden reversibel mit Aquarellfarben retuschiert. Im Mittelsaal waren zur Wiedergewinnung der Lesbarkeit in der Sockelzone umfangreiche Retuschen erforderlich. Da einige Felder weitgehend zerstört waren, war dort nur eine formale Ergänzung der Rahmen möglich, die Binnenflächen können hier nur als Fragment präsentiert werden. Insgesamt konnte auch mit der die relevante Form und Materialität herstellenden Stuckrestaurierung das einheitliche Bild der Raumfassung wiedergewonnen werden.
Durch die Restaurierung der Wandfassungen war es auch möglich die ursprüngliche Form der Tableaus mit den graphischen Blättern zu bestimmen und die Tafeln im historischen Format wieder herzustellen. Zur Ergänzung der fehlenden Bereiche wurden teils auf dem Dachboden gelagerte, bei früheren Manipulationen und Änderungen an den Tableaus entnommene Blätter wieder herangezogen, teils die Leerstellen mit Faksimiles geschlossen. Im Zuge der Restaurierung der durch mehrere, auch unsachgemäße vorangegangene Maßnahmen beeinträchtigten Blätter wurden die Graphiken von den Trägern abgenommen, im Wasserbad gereinigt und im Calziumhydroxidbad entsäuert. Risse wurden geschlossen, Fehlstellen ergänzt und die Rückseiten mit dünnem Archivpapier verstärkt.
Im östlichen Kabinett wurden bei der oben genannten, voran gegangenen Restaurierung der Graphiken mangels damals verfügbarer Blätter große Bereiche am nördlichen Tableau frei gelassen. Diese wurden nun mit zeitgenössischen Radierungen des Voralberger Graphikers Armin Pramstaller (+2002) geschlossen, die meist landschaftliche Motive und Strukturen zum Inhalt haben. Trotz des zeitlichen Abstandes fügen sich diese in sich ruhenden Arbeiten dem barocken Ensemble in harmonischer Weise ein.
(WH)
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