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Gemälde von A.Nesselthaler 1796
Augustiner-Chorherrenstift St. Florian, OÖ, Kunstsammlung, Gemälde in Enkaustik-Technik eine Herausforderung in der Gemälderestaurierung

A. Nesselthaler 1796, Historiengemälde nach Restaurierung

Wärmebehandlung, links unbehandelt

Gerät zur punktuellen Wärmebehandlung

Untersuchung der Gemäldeoberfläche

Detail, Signatur

Vor Restaurierung

Detail vor Restaurierung

Der Begriff Enkaustik wird allgemein für eine Summe von Wachsmalverfahren gebraucht, deren Ursprünge bis in die Antike zurückgehen und deren Interpretation seither zu einer Vielfalt von unterschiedlichen Ausführungstechniken führte.

Die Konservierung des Gemäldes aus St. Florian ist ein erster Schritt, sich mit der spezifischen Material- und Restaurierproblematik auseinanderzusetzen.

Das Historiengemälde Antiochus und Stratonice, (sign./dat.: A. Nesselthaler Fecit al Encausto 1796, Lwd./Enkaustik: 66 x 81 cm) wurde nach Restaurierung in der Ausstellung über die Künstlerfamilie Hagenauer, in die auch der Hofmaler Nesselthaler einbezogen ist, im Salzburger Barockmuseum gezeigt.

Das kleine Historiengemälde von Andreas Nesselthaler (1748-1821) wird vom Künstler selbst in seiner Signatur „A. Nesselthaler Fecit al Encausto 1796“, als Enkaustik (1) bezeichnet, obwohl der Malschichtaufbau auch andere Malverfahren erkennen lässt.
Der Erhaltungszustand zeigte eine fortgeschrittene Versprödung der Gemäldeoberfläche, die eine akute Gefährdung darstellte.

Zum Bildaufbau:
Der Bildträger setzt sich aus zwei Leinwänden zusammen. Dazu wurden die Leinwände flächig miteinander verklebt. Vermutlich wurde die präventive Stabilisierung des Bildträgers in Hinblick auf den empfindlichen Malschichtaufbau, mit der unelastischen Wachsschicht, abgestimmt. Die Gewebe sind noch original auf dem einfachen Spannrahmen, überplattete Eckverbindungen, mit handgeschmiedeten Nägeln, im Abstand von ca. 5 cm, aufgespannt. Die Spannränder sind ungrundiert und unbemalt, d.h. das Gemälde wurde auf diesem Blindrahmen grundiert und gemalt.
Die ölgebundene Malschicht liegt auf einer gegilbten Kreidegrundierung mit Calzitkreide. Die Bindung könnte mit Ei sein, der Ölanteil scheint nachträglich von der Malschicht eingedrungen zu sein. Die Malerei ist hell untermalt und mehrschichtig aufgebaut. Der dicke Wachsfilm entspricht eher einer Firnisschicht, der dem Gemälde den Eindruck von Enkaustikmalerei verleiht. Auf dem Wachsfilm (50-60 µ) ist in den Proben, partiell eine dünne Malschicht erkennbar. Da diese Schicht in der Zusammensetzung der unter der Wachsschicht entspricht, könnte sie Teil dieser sein und beim Trocknungsprozess an die Oberfläche „aufgeschwommen“ sein, oder es sind partielle Lasuren die bewusst gesetzt wurden. Das Wachs ist laut des FTIR- Spektrums der Scholle Bienenwachs, da es diesem Vergleichsspektrum sehr nahe ist. Laut Literatur gibt es zahlreiche Varianten und Theorien, die eine Vielzahl von Techniken aufzeigen. Eine Möglichkeit daraus wäre, dass auch bei diesem Gemälde der abschließende Wachsauftrag nach dem Pinselauftrag, mit einer Wärmequelle (Kohlebecken?) auf- bzw. eingeschmolzen wurde. Dafür sprechen auch die geronnenen Wachsansammlungen im Spannrandbereich.

Erhaltungszustand:
Die fortgeschrittene Versprödung der Wachsschicht auf der Gemäldeoberfläche stellte eine unmittelbare Gefährdung der originalen Substanz dar.
Auf dem Gemälde liegt geringer Oberflächenschmutz (Staub). Der Wachsüberzug ist leicht bis erheblich getrübt, zum Teil ist die Transparenz verloren. Die Craqueleausbildung der Wachsschicht hat ganzflächig eine feinteilige Struktur. Die Haftung des Wachsüberzuges ist ganzflächig vermindert, die Trennschicht liegt innerhalb des äußersten Malschichtbereichs. Einige Bildabschnitte neigen vermehrt zu Absplitterungen, Verluste sind bereits eingetreten. Die deutliche Craquelebildung der Malschicht, mit zum Teil sehr breiten scharfkantigen Craqueles, neigt zur Anhebung der Malschicht an den Craqueleekanten (Schüsselbildung). Die Haftung der Malschicht zum Bildträger ist ausreichend.

Zielsetzung:
Das Restaurierziel beinhaltete sowohl die Konservierung und Restaurierung (2), als auch umfassende Präventivmaßnahmen, die auf die erhöhte Empfindlichkeit des Objektes abgestimmt wurden.
Die Konservierung zielte darauf ab, die geringe Haftung und opake Krepierung der versprödeten Wachsschicht zu konsolidieren und eine Verbesserung der Transparenz zu erreichen, ohne zusätzliche Bindemittel einzubringen. Besonders da, wo durch diverse Bindemittel wohl Konsolidierung und Transparenz erreichbar wäre, jedoch die Veränderung der Wachseigenschaften, des Oberflächencharakters und ein Verlust der Reversibilität, möglichst zu verhindern war.
Die präventiven Maßnahmen wurden darauf ausgerichtet, das Gemälde vor belastenden Faktoren (UV Strahlung, Oberflächenschmutz, mechanischen und klimatischen Einflüssen) möglichst zu schützen um so auf das Alterungsverhalten positiv einzuwirken. Dies ist von besonderer Dringlichkeit, da jede Bewegung innerhalb des Bildträgers zu Craquelebildung und Schwächung in der Wachsschicht führt.

Restauriermaßnahmen:
Reinigung der Malschicht:
Abnahme von losem Oberflächenschmutz (Staub).

Reduzierung von Trübungen im Wachsüberzug und Festigung:
Behandlung mit Wärmestrahlung knapp unterhalb des Schmelzpunktes von Bienenwachs.
Mit einem kleinen Wärmestrahler Ø 17 mm (Engelbrecht) wurden in Folge kleinere Abschnitte (ca. 5x5cm) der Wachsschicht erwärmt. Die IR Strahlung ermöglichte die Erwärmung der Wachsschicht im Bereich der Trennschicht, bevor die Oberfläche den Bereich des Schmelzpunktes erreichte. So konnte ohne Veränderung der Oberflächenstruktur und ohne Einbringen von Fremdmaterialien die Verbesserung der Haftung und der Transparenz erreicht werden. Um eine möglichst gleichmäßige Erwärmung zu erzielen wurde der Strahler im Abstand von ca. 6 cm mit kreisrunden Bewegungen über die Oberfläche geführt.

Fehlstellenretusche:
Malschichtausbrüche wurden mit einen Gemisch aus Champagnerkreide, Pigment und Mowilith20 in Ethanol / 5% H2O und Methoxy2 Propanol geschlossen. Lasierende Retusche an strappierten Bereichen der Malschicht, sowie mit geringer Farbangleichung als Zwischenschicht an Ergänzungen mit Bienenwachs.

Ergänzungen im Wachsüberzug:
In die Fehlstellen im Wachsüberzug wurde gelöstes, leicht erwärmtes Bienenwachs mit einem kleinen Pinsel eingebracht. Vor dem vollständigen Abdampfen des Lösungsmittels wurden die zu ergänzten Bereiche mit Wärme
nachbehandelt. So wurde eine ähnliche Sättigung und Glanzwirkung, entsprechend der des originalen Wachsüberzuges erreicht. Der Lösungsmittelanteil im Füllstoff (gebleichtes Bienenwachs 20% in Xylol gelöst), ermöglichte eine deutlich geringere Wärmezufuhr.
Getestet wurde auch PEG 3500 gelöst in Ethanol/+ 5% H2O. Neben dem Vorteil der Reversibilität in Ethanol, H2O ergab sich bei Ergänzung mit PEG eine geringfügig stärkere Aufsättigung sowie Glanzbildung gegenüber Bienenwachs.

Präventivmaßnahmen:
Um die in der Zielsetzung angestrebten Entlastungen für das Gemälde zu erreichen wurde die Bildseite des Gemäldes, durch eine Verglasung (entspiegeltes Sicherheitsglas, 2x2 mm Mirogard Magic VSG extra weiß) geschützt. Das Glas wurde in den originalen Zierrahmen eingesetzt. Die Tiefe des Rahmenfalzes wurde mit einem, zusätzlich auf die Rückseite aufgesetzten Rahmen vergrößert. So konnte das Glas und die Distanzleiste (5 mm) zur Gemäldeoberfläche im Zierrahmen eingesetzt werden konnte. Als Rückseitenschutz wurde abschließend ein säurefreier Karton 3mm auf der Rückseite des Zierrahmens eingesetzt. Um die Hinterlüftung des Gemäldes zu gewährleisten und für ausreichend Mauerabstand zu sorgen, wurden an der Zierrahmenrückseite Distanzklötzchen angebracht.

Das Gemälde wurde in den BDA Restaurierwerkstätten restauriert. Der Kostenaufwand von ca. € 3.473,04, wurde von Seiten des Bundesdenkmalamtes getragen.

(1) T. Hoppe, Eine kleine Geschichte über Enkaustik, in Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, Jahrgang 5/1991, Heft 2, S 263-288

(2) BDA Restaurierwerkstätten, Dokumentationsunterlagen unter W 9641, Beauftragte Restauratoren Mag. G. Prast, Mag. E. Pfützner, Amtsrestaurator M. Loicht, betreut durch Dr. M. Koller und Mag. M. Vigl, Beratung und Analysen durch das BDA Labor, Dr. H. Paschinger und Dr. R. Linke.

(M.V.)

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