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Die Schlosskapelle von Schloss Nikitsch (Gálosháza) im BurgenlandIm Zuge der laufenden Innenrestaurierung soll die barocke Kapelle von Schloss Nikitsch im Bezirk Oberpullendorf wieder ihr ursprüngliches Gepräge erhalten.

Während Restaurierung

Schlosskapelle vor Devastierung

Teilfreilegung der ersten barocken Ausmalungsphase mit Aposteldarstellung


Befundsituation

Zustand vor Restaurierung
Neben einer raumumfassenden Freskierung verfügt die Kapelle vor allem mit der von Stephan Dorffmeister hinzugefügten illusionistischen Apsismalerei über ein Hauptwerk dieses im westpannonischen Raum führenden spätbarock-klassizistischen Malers aus Wien.
Das Schloss liegt am westlichen Ortsrand von Nikitsch, eingebettet in eine malerisch-verwilderte englische Gartenanlage. Die zweigeschossige symmetrische Ehrenhofanlage geht auf mehrere Bauphasen zurück, wobei das heutige Erscheinungsbild vorwiegend von den Um- und Ausbauten des 18. und 19. Jahrhunderts bestimmt wird, die ab 1708 unter Adam Meskó ihren Ausgang genommen haben.
1998 kaufte der heutige Besitzer den vernachlässigten Komplex aus einer Konkursmasse und begann engagiert das schon stark in Mitleidenschaft gezogene Anwesen sukzessive instand zu setzen.
Als Höhepunkt der umfassenden Sanierungstätigkeit läuft seit 2005 die Restaurierung des Kernstücks von „Gálosháza“, der jahrzehntelang völlig vernachlässigten Kapelle im nördlichen Schlossflügel.
Nach außen durch einen vorgelagerten Turm betont, zeichnet sich der außerordentlich reizvolle Kapellenraum durch die Verschränkung von Architektur, Malerei und Plastik im Sinne des barocken Gedankens eines Gesamtkunstwerkes aus. Zwar konnte die bauliche Genese des hochgestreckten zweijochigen Saalbaus mit Wandpfeilern, gurtunterteilten Platzlgewölben und elliptischer Apside bisher nicht einwandfrei geklärt werden, dennoch dürfte es sich um die sekundäre Widmung eines ehemals wirtschaftlich genutzten Raums handeln. Zwei Datierungen geben Aufschluss über die Zeit der bestimmenden Adaptierungs- und Ausstattungsphase: Mit 1776 ist zunächst ein Wandgemälde über dem südlichen Eingangsportal von Stephan Schaller bezeichnet. Und schließlich existiert die Signatur von Stephan Dorffmeisters Freskierung des Chors von 1781. Hier hat Dorffmeister (1729?-1797) eine komplette, erst wenige Jahre alte und möglicherweise ebenfalls von Stephan Schaller geschaffene Ausmalung vorgefunden, bestehend aus einem einfachen aber wirkungsvollen, vom Rokoko beeinflussten Dekorsystem unter Einbindung von Deckenmedaillons mit Evangelistenbüsten. Wie sich nun bei den Voruntersuchungen und Freilegungsproben herausstellte, beinhaltete schon diese erste Ausmalungsphase eine aufwändige Apsisfreskierung, u.a. mit der Darstellung von Aposteln. Diese übermalte Dorffmeister im Chor zwar zur Gänze, an den übrigen Wänden nahm er jedoch nur geringfügige Änderungen im Hinblick auf eine moderate klassizistische Modernisierung vor. Warum bereits nach kürzester Zeit eine Neugestaltung folgte, bleibt offen. Dorffmeister schuf jedenfalls eine architektonische Perspektivmalerei mit Scheinkuppel und allegorischer Darstellung des Glaubens, die gemeinsam mit dem Altaraufbau zu einer künstlerisch-formalen Kulmination und liturgischen Fokussierung im Kapellenraum führte.
Am Beginn der aktuellen Restaurierung stand eine intensive fachliche Diskussion über den Umgang mit dem „Jahresring“ einer historistischen Renovierung von Josef Klenkhart, die 1877 nach der gängigen Methodik des 19. Jahrhunderts als nahezu vollständige Übermalung (abgesehen von Teilen des figuralen Bestandes) eine Wiederholung des barocken Konzepts darstellt. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass die barocke Malerei nahezu vollständig unter der leicht abwaschbaren Leimfarbe des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist, wurde die Entscheidung getroffen, die historistische Schicht – eine für sich genommen technisch qualitätvolle Malerei und Teil der Geschichte der Kapelle – zu entfernen und die Wiederherstellung des spätbarock-klassizistischen Zustands der Raumschale aus der Dorffmeisterphase als Restaurierungsziel anzustreben.
Nach der zügigen Abnahme der Leimfarbe stand im Laufe der Restaurierung die Lösung des ästhetischen Problems von Pigmentveränderungen an, wobei nach Rezepturen des Amtslabors gewisse Erfolge in der Umwandlung von schwarzen Partien in ursprüngliches Weiß zu verzeichnen waren und so der Malerei an einigen figuralen Teilen den ursprünglichen Charakter zurückgegeben werden konnte. Die umfassenden Arbeiten an der Retusche sowie der Rekonstruktion einiger größerer Fehlstellen, vor allem des Sockelbereiches, sind zur Zeit noch nicht abgeschlossen.
Eine noch offene Frage besteht schließlich in einer Ersatzlösung für den im Zuge von Devastierungen nach 1945 in Verlust geratenen Hochaltar, der formal untrennbar mit dem malerischen Konzept Dorffmeisters verbunden war. Dieser Altaraufbau blieb einerseits anhand eines Fotos vom Altarraum vor 1945 dokumentiert, andererseits konnten der Skulpturenbestand sowie einige kleinere Teile gesichert werden. Hier zeichnet sich eine spannende Herausforderung für die weitere denkmalpflegerische Vorgangsweise ab.
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