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EU-Projekt RENDEC 97, Erhaltung und Restaurierung von gestaltetem Verputz um 1900 in Europa G. Krist, J. Götzenauer, O. Schreiber

putzanwerfen


Die kunstgeschichtliche Entwicklung in Europa um die Jahrhundertwende brachte neuartige Gestaltungsweisen der Putzfassaden hervor, wobei hochhydraulische Kalkmörtel, welche zu dieser Zeit entwickelt wurden, als auch traditionelle Kalktechniken zur Anwendung gelangten. Heutzutage sind diese Materialien weitgehend vom Markt verdrängt und wurden vielfach durch moderne Zementprodukte ersetzt, welche kaum den Anforderungen der Denkmalpflege entsprechen. Fehlendes Wissen über Materialzusammensetzung und Anwendungstechnologien sowie mangelnde Bereitschaft, diese historischen Putze zu analysieren, führten zu inakzeptablen Beispielen der Konservierung, Reparatur und Rekonstruktion. Dieses EU-Projekt, in enger Zusammenarbeit mit Naturwissenschaftern und Kunsthistorikern, zielt auf eine interdisziplinäre Zusammenarbeit und internationale Vernetzung der Erforschung historischer Architekturoberflächen - hier im Besonderen Putzfassaden um 1900 - ab, als auch auf die Entwicklung neuer Strategien auf dem Gebiet der Konservierung und Restaurierung. Darüberhinaus wird versucht, das Interesse der Öffentlichkeit bezüglich der Möglichkeiten der Erhaltung von historischen Verputzen zu wecken, sowie die Sensibilität der Praktiker, die mit der Pflege und Erhaltung von Bauten dieser Periode befaßt sind, zu erhöhen.
Projektverlauf

mehrmalige Fachtreffen in Budapest und Wien zur Abstimmung der durchzuführenden Maßnahmen, insbesondere Koordinierung naturwissenschaftlicher Untersuchungen und Dokumentationsaufgaben. Zu diesem Zweck wurden mittels eines fahrbaren Gerüsts je zwei Gebäude in Wien und Budapest untersucht und Putzproben entnommen.


internationale Tagung vom 19. - 20. August 1998 in der Kartause Mauerbach.

16 Vortragende versuchten das Thema "Putzfassade und Putzdekor um 1900 in Wien und Budapest" aus kunsthistorischer, technologischer und naturwissenschaftlicher Sicht vorzustellen. Die Tagung beinhaltete weiters einen praktischen Vorführungsteil, der Methoden zur Rekonstruktion von Putzdekortechniken ausgesuchter Wiener Objekten beinhaltete und zur Diskussion stellte. 47 Teilnehmer aus 16 europäischen Ländern haben an der Veranstaltung teilgenommen; auch die Teilnehmer des ICCROM-Kurses "The Examination and Conservation of Architectural Surfaces/ASC-98" waren dabei vertreten.


Studienreise nach Budapest (1. - 2. August 1998)


Die ungarischen Projektpartner haben die Teilnehmer des ICCROM-Kurses nach Budapest eingeladen. Das Besichtigungsprogramm konzentrierte sich auf die zahlreichen prominenten Beispiele der ungarischen Jugendstilarchitektur, wobei auch Probleme der Denkmalpflege in bezug auf sachgerechte Restaurierung angeschnitten wurden.


Teilnehmer des ICCROM-Kurses wurden methodisch in die Konservierung von Putzfassaden eingeführt. Die Bibliotheksfassade der Kartause Mauerbach diente als praktische Arbeitsstelle, wobei ausgehend von der naturwissenschaftlichen Untersuchung des Bestandes im interdisziplinären Teilnehmerkreis ein Restaurierungskonzept entwickelt wurde, das auch auf die angrenzenden, noch nicht restaurierten, Gebäudeteile abgestimmt werden mußte. Eine umfassende graphische Dokumentation wurde zum Abschluß der Veranstaltung präsentiert; weiterführend übernahm ein Teilnehmer des Kurses die Ausarbeitung einer computerunterstützten Bauaufnahme der Bibliothek.
Partner

Bundesdenkmalamt, Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege, Wien, Österreich
ICCROM, Rom, Italien
National Board for the Protection of Historic Monuments, Budapest, Ungarn
Förderverein für Handwerk und Denkmalpflege, Schloß Trebsen, Deutschland
Hochschule für angewandte Kunst, Institut für Silikatchemie und Archäometrie, Wien, Österreich
Danksagung

Das Bundesdenkmalamt möchte im Namen aller Partner dieses Projekts der Europäischen Kommission DG X, danken, die durch ihre großzügige finanzielle Unterstützung die Durchführung dieses europäischen Forschungsvorhabens ermöglicht.

Zum Abschluß des Projektes (März 1999) werden die vielfältigen Untersuchungen und Dokumentationsmaterialien in einer Publikation vorgestellt sowie die Resultate im Internet zugänglich gemacht.

Weitere Informationen

J. Götzenauer, Bundesdenkmalamt, Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege, Kartause Mauerbach, A-3001 Mauerbach
Tel: 0043-(0)1-979 88 08, Fax: 0043-(0)1-979 88 08/90,
E-Mail: mauerbach@bda.at

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