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Die Geschichte der Kartause Mauerbach

Hl. Bruno

Hl. Bruno

Aquarell, Emil Hütter, dat. 1862

Aquarell, Emil Hütter, dat. 1862

Ostzellentrakt aussen

Ehem. Zellen der Kartäusermönche

stich

Kirchenaltar

Klosterkirche, Hochaltar, um 1700

Versorgungshaus

Historische Fotographie, Laienbrüderkirche als Armenspital, ÖNB Bildarchiv

Kaisergarten zur Rosenblüte

Kaisergarten zur Rosenblüte


Historische Eckdaten:

1314 Gründung der Kartause Mauerbach durch Friedrich den Schönen, Besiedlung durch Prior Gottfried und 12 Mönche aus der Kartause Seiz
1316 Weihe der mittelalterlichen Klosteranlage
1529 Einfall der Türken – Brand, Zerstörung und Plünderung des Klosters
1590 Neulengbacher Erdbeben – weitgehende Zerstörung der Bausubstanz
1616 Unter Prior Georg Fasel: Neukonzeption der heute noch bestehenden Anlage
1616-1660 Etappenweise Errichtung der neuen Klosteranlage
1683 Einfall der Türken, Zerstörung der Innenausstattung der Kartause
1688 Fertigstellung der barocken Innenausstattung der Klosterkirche
1690- 1750 Sukzessive Neugestaltung der Ausstattung der Kartause (Kaisertrakt, Kreuzgang, Zellen, Prälatur, Bibliothek, Refektorium, Klosterkirchenfassade, Kapelle St. Maria Assunta, Kreuzgangecken)
1782 Aufhebung der Kartause durch Joseph II.
1783 Versorgungshaus der Commune Wien, weitgehende bauliche Veränderungen
1945-1961 Obdachlosenheim
1961 Die Kartause fällt durch das Konkordat in Bundesbesitz
1979 Übernahme durch die Bundesbaudirektion
seit 1984 Nutzung der Anlage durch das Bundesdenkmalamt Restaurierwerkstätten Baudenkmalpflege
seit 2003 Nutzung neu adaptierter Bereiche im Nordtrakt der Kartause durch die Restaurierwerkstätten der Abteilung Bodendenkmale 

Grundriss mit Legende

Am Westende des Mauerbachtales im sogenannten Allerheiligental liegt das 1314 von dem Habsburger Friedrich dem Schönen gestiftete Kartäuserkloster, das zu den großen und bedeutenden Baudenkmälern Niederösterreichs zählt.

Der Orden der Kartäuser wurde 1084 vom heiligen Bruno von Köln in der Chartreuse, einem Tal bei Grenoble in Frankreich, gegründet. Die Kartäusermönche führten ein eremitisches Leben in einzelnen, an den großen Kreuzgang anschleißenden Zellen ganz dem Gebet gewidmet mit lebenslangem Schweigegebot und strengen Fastenregeln.

Die mittelalterliche Anlage der Kartause Mauerbach wurde durch die erste Türkenbelagerung 1529 und das Neulengbacher Erdbeben 1590 schwer zerstört. Ab 1616 begann man unter dem Prior Georg Fasel die weitläufige, heute noch in ihrer Bausubstanz bestehende Klosteranlage wiederzuerrichten. Diese frühbarocke Bauphase dauerte bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts. Um 1675 zeigt Prälat Werner - die Prioren der niederösterreichischen Kartausen wurden trotz Protests des Generalkapitels 1670 von Kaiser Leopold in den Prälatenstand erhoben - auf einem prächtigen, detailreichen Stich die vollendete barocke Kartause.

Bei der zweiten Türkenbelagerung 1683 wurde der Großteil der frühbarocken Innenausstattung zerstört, einzig in den beiden Kreuzgangkapellen hat sich der Gewölbestuck des zweiten Viertels des 17. Jahrhunderts erhalten. Gleich nach Abzug der Türken begann man die Kartause in hochbarocken Formen neu zu gestalten. Besonders bemerkenswert ist die bereits 1688 fertig gestellte Ausstattung der Klosterkirche mit Stuck und Grisaillemalerei. Die Kaiserräume folgten ab den späten 90er Jahren des 17. und im ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts; die Prälatur und das Refektorium um 1730 waren gemeinsam mit der Neugestaltung der Fassade der Klosterkirche die letzten größeren Baumaßnahmen der Kartäuser in Mauerbach.

Im Jahr 1782 wurde die Kartause Mauerbach als erstes von unzähligen, kontemplativen Klöstern durch das Dekret Josephs II. aufgehoben und im darauf folgenden Jahr dem Versorgungsfond zur Unterbringung der „Armen, Gebrechlichen oder sonst eckelhaft Kranken“ aus den Wiener Spitälern übergeben. Die Beherbergung von bis zu 800 Patienten in dem neu gegründeten Armenhospital führte zu baulichen Veränderungen, deren Spuren heute stellenweise noch ablesbar sind. Die großen Umgestaltungen wie die Umfunktionierung der Laienkirche zu einem mehrstöckigen Spitalstrakt oder die Unterteilung des Großen Kreuzgangs zu einzelnen Schlafräumen konnten in den letzten Jahren rückgeführt werden, wodurch die barocke Kartause heute wieder erlebbar ist.

Nach 1945 diente die Kartause als Obdachlosenasyl für über 100 Familien. Dies erforderte neuerlich Umbaumaßnahmen zur Schaffung kleiner Wohneinheiten.
Durch das Konkordat von 1961 wurde der von Kaiser Joseph II. gegründete und bis zu diesem Zeitpunkt noch immer existierende Religionsfond aufgelöst, und die Kartause der Republik Österreich übereignet.

Nach 1945 diente die Kartause als Obdachlosenheim für über 100 Familien. Durch das Konkordat von 1961 wurde das Gebäude der Republik Österreich übereignet. Ab dem Jahr 1979 übernahm die Bundesgebäudeverwaltung die bauliche Betreuung und Verwaltung. Seit 1984 wird die Kartause vom Bundesdenkmalamt restauriert und zur didaktischen Aufbereitung vielfältiger Probleme der Baudenkmalpflege genutzt.

Der ehemalige Kaisergarten der Kartause mit seinen christlich symbolischen Beetformen konnte nach einer Stichdarstellung von 1675 in seiner ursprünglichen Form rekonstruiert werden. Mit der dem 17. Jahrhundert entsprechenden Bepflanzung, Heilpflanzen, Kräuter und historische Rosen, erlaubt der Garten heute wieder eine Vorstellung der hochstehenden barocken Gartenkultur.

 Kaisergarten

Im Jahr 2000 wurde die Kartause erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Seither finden jährlich wechselnde Ausstellungen zu verschiedenen Themen der Baudenkmalpflege und Konzertveranstaltungen statt. Nach Voranmeldung ist die Kartause für Gruppen ab 10 Personen auch unterm Jahr zu besichtigen. Die verschiedenen Räumlichkeiten der Kartause (Klosterkirche, Kaisersäle, Kaisergarten, Lapidarium,..) sind für diverse Veranstaltungen, Hochzeiten, Seminare, Konzerte, etc. auch zu mieten.

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