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Bademuseum BraunauIngomar Engel: Sanierung des mittelalterlichen Badehauses "Vorderbad" in Braunau am Inn

Museum im Vorderbad, ein moderner Zubau nimmt das Stiegenhaus auf. Foto: Lindorfer

Braunau, Vorderbad. Transparenter Stiegenhauszubau - im Volksmund "Badewandl" genannt. Foto: Lindorfer

Vor der Silhouette von Braunau - eine gelungene Verbindung des mittelalterlichen Baus mit moderner Architektur. Foto: Lindorfer

Museum im Vorderbad, mittelalterliches Badegeschoß

Museum im Vorderbad, Pulte mit didaktischen Installationen

Braunau, ehem. Vorderbad: die Fassade zeigt ein Stück der Nutzungsgeschichte - die Aufschrift der Kohlenhandlung wurde erhalten.

Im aktuellen Denkmalpflegeheft des Landeskonservatorats f. OÖ und des Vereins Denkmalpflege schildert Ingomar Engel die spannende Sanierungsgeschichte vom  Abbruchhaus zum Bademuseum. 

An einer heute noch erhaltenen mittelalterlichen Stadtgrenze, dem Stadtbach im Bereich des heutigen Färber- bzw. Schleifmühlgrabens dürfte bereits in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts der Gründungsbau des Vorderbades erfolgt sein. Auf den mittelalterlichen Außenmauern dieses 1504 bis 1505 zerstörten Hauses wurde bis etwa 1560 der heutige Bau errichtet.
Die Fundamente der Öfen und Holzeinrichtungen lassen erkennen, dass der ursprüngliche Schwerpunkt des Badebetriebes auf dem altertümlichen Dampfbad beruhte. Gegen Ende des 16. Jahrhundert kam das Dampfbad aus der Mode, das Baden in großen hölzernen Zubern, oftmals mit mehreren Personen in einer Wanne, wurde zunehmend beliebter. 1649 wütete in Braunau eine Pestepidemie, die wahrscheinlich zur vorübergehenden Schließung des Bades führte. Wegen der Syphilis, dem Anstieg der Holzpreise und einem geänderten Körperbewusstsein suchten immer weniger Menschen das Badhaus auf. Während des 18. Jahrhunderts waren trotzdem noch mehrere "Chirurgen" im Vorderbad tätig. 12 Aderlassbecken standen in Verwendung. Ende des 18.Jahrhunderts wurde das Vorderbad geschlossen. Das Badegeschoß diente seither als Keller. Im 20. Jahrhundert wurde das Gebäude von einem Holz- und Kohlenhändler benutzt.

Bauforschung als Planungsgrundlage
Die Ergebnisse der bauhistorischen Untersuchung unter der Leitung von Prof. Johannes Cramer sowie der archäologischen Ausgrabung bildeten eine ideale Grundlage für Adaptierung und Umbau. Das Gebäude selbst wies ja schwere Mängel auf, die Gewölbeformationen im Badegeschoß drohten aufgrund der schlechten Bodenverhältnisse einzustürzen. Es verstrichen einige Jahre, in welchen auch wieder Zweifel auftauchten, ob es überhaupt sinnvoll sei, diese "alte Bude“ zu sanieren, von außen war ja die hochwertige Bausubstanz im Inneren nicht zu vermuten.

Entscheidungsfindung
Durch eine sehr nachhaltige Exkursionsfahrt von Gemeindevertretern und Bundesdenkmalamt in die beiden in Mitteleuropa bekannten sanierten mittelalterlichen Badestuben von Wangen und Crailsheim, wurde allen sehr eindrucksvoll bewusst, welche Möglichkeiten und welche Chance in der Erhaltung unserer mittelalterlichen Badestube im Objekt Färbergasse 13 steckten.
Eine Entwurfsplanung und erste Kostenüberschau wurde beauftragt.
Wesentlich war die Einrichtung eines technischen Arbeitskreises, dem neben dem Architekten und dem Vertreter des Bundesdenkmalamtes, dem zukünftigen Stadtarchivar sowie den Fachbeamten der Bauabteilung auch Konsulenten der Gebäudestatik etc. angehörten. Die eingehende Beschäftigung mit der vorhandenen Gebäudesubstanz im Zuge der Planung bestätigte den bereits bekannten schlechten Bauzustand. Geschätzte Kosten von EUR 1,116.000,-- excl.MWSt waren für die Stadt Braunau ein zu großer finanzieller Brocken.

Grundsatzbeschluss zur Sanierung
Eine Zeit der Nachdenkphase setzte ein, von Seiten des Amtes wurde dem Auftrag gemäß nach Förderungsmöglichkeiten gesucht, fallweise sprach man bereits davon, das Projekt in dieser Form nicht zu realisieren, sondern das Objekt wieder zu verkaufen. Die Möglichkeit einer großzügigen EU-Förderung aus dem EFRE-Programm brachte schließlich die Wende. Auf Anregung von Bürgermeister Skiba wurde im Gemeinderat ein Grundsatzbeschluss zur Realisierung der Sanierung des Vorderbades Braunau gefasst. Die Weiterführung der Architektenleistungen sowie die Bauleitung wurden an Arch. Manfred Lindorfer aus Aschach/Donau vergeben.

Technische Probleme bei der Sanierung
Diese letzte vor dem Baubeginn notwendige Planungsphase brachte eine Anzahl weiterer Gebäudemängel zu Tage: Einsturzgefahr der Gewölbe und große statische Defiziten in der Holzdeckenstruktur beschäftigten das Planungsteam. Die für das geplante Stadtarchiv erforderliche Tragfähigkeit konnte im Erdgeschoß nur durch eine zusätzliche Betondecke, in den übrigen Geschoßen neben den notwendigen Gebäudeverschließungen durch Stahltragwerke erreicht werden.
Mit dem Bau wurde dann im März 2003 begonnen.

Es stellte sich nach durchgeführten Bodenproben heraus, dass der vormals aufgeschüttete Grund unter den Fundamenten weniger Tragkraft als angenommen besaß und dass keine der herkömmlichen technischen Methoden (Pfähle) geeignet war, die Fundamente kraftschlüssig mit dem tragfähigen Boden zu verbinden. Ein neues Verfahren, bei dem Kunstharze in den Untergrund gepresst werden, brachte schließlich den gewünschten statischen Erfolg.

Erschwernisse gab es auch insofern, als die gesamte Sanierungstätigkeit im Objekt selbst mit großer Rücksichtnahme auf die archäologischen Befunde im Kellergeschoß durchgeführt werden musste. Der Archäologe Mag. Klimesch betreute den allgemeinen Baubetrieb und sicherte nach Abschluss der Bauarbeiten am Haus selbst die archäologische Ausgrabung, welche die Grundlage der musealen Aufbereitung des Kellergeschoßes bildet.

Hatte man aus der Sicht des Architekten und der anderen Fachleute bereits geglaubt, alle diese technischen Probleme in den Griff bekommen zu haben, galt es ein letztes, allerdings sehr großes bauliches Problem zu beseitigen:
Für wesentliche Sanierungsarbeiten an den Putzoberflächen der Gewölbe und Wände des Keller- bzw. Badegeschoßes, welche in die Wintermonate hineinfielen, mussten die Fensteröffnungen provisorisch verschlossen werden. Die damit verbundene Veränderung des Raumklimas, welches eine nahezu 100%ige Luftfeuchtigkeit auch bei stetigem Luftdurchzug aufweist, muss dazu geführt haben, dass ein bis dato noch nicht sichtbares Pilzmyzel Aufwind bekam und die Wände des Badegeschoßes in kürzester Zeit mit einem dichten Pilzbartge-flecht, ähnlich wie es in alten Weinkellern vorhanden ist, überzog.
Eine zu Rate gezogene Fachstelle der Universität für Bodenkultur Wien brachte dann die Entwarnung, dass es sich bei dem Myzel nicht um den gefährlichen Hausschwamm handelt, sondern um eine hochwertige Morchelsorte. Zur weiteren nachhaltigen Verhinderung des Pilzbefalles mussten allerdings im Kellergeschoß die bisherigen Klimaverhältnisse wieder hergestellt werden. Das bedeutete, keine zu schließenden Fensterkonstruktionen und keine Heizung – Sommer wie Winter wird die museale Badestube durch Metallgitter offen belüftet und auch die frühere Luftfeuchtigkeit im Raum zwischen 80 und 100 % beibehalten.

Finanzierung
Die gesamten Herstellungskosten beliefen sich auf EUR 1,494.451,--, davon entfielen EUR 290.691,00 EU-Förderung, EUR 76.300,-- Bundes- und Landesförderung, EUR 174.414,00 Co-Förderung, EUR 317.682,00 Kulturressort, EUR 317.682,00 Gemeinderessort – das beträgt einen Ge-samtförderanteil von 79 %. Von der Stadtgemeinde Braunau wurden EUR 317.682,00 aufgebracht, das bedeutet einen Eigenmitteleinsatz der Stadt von 21 %.

Museum und Archiv
In den beiden sanierten Obergeschoßen wurde das Stadtarchiv eingerichtet. Das historische Kellergeschoß wurde für die museale Aufbereitung der ehemaligen Badestube vorbereitet.
Das inhaltliche didaktische Museumskonzept für dieses Badegeschoß wurde an das Büro für Museumskonzepte und Beratung Mag. Susanne Hawlik, Mag. Franz Pötscher, Gutau, vergeben. Nachdem die meisten Originalbefunde am Boden zu finden sind, werden die Besucher über einen nicht zu verlassenden Metallsteg durch das Badegeschoß geführt. Seitlich sind auf Stehern Pulte montiert, in die hinterleuchtete Bildtexttafeln und didaktische Installationen integriert sind. Ausgehend von einer knappen Grundinformation können die Besucher nach eigenem Ermessen tiefer in das Thema eintauchen. Der Museumsbesuch vermittelt durch Ausprobieren und „Angreifen-Können“ Spaß und Freude am Umgang mit der Geschichte. Die Wegführung durch den Musealbereich wurde bewusst wo gewählt, dass der Besucher am Ende der Ausstellung auf Stadtbachniveau, also im Färbergraben die Ausstellung verlässt. Von diesem Standort aus wird ein einmaliger Eindruck einer mittelalterlichen Stadtbachzone wahrnehmbar gemacht. Über eine Brücke über den Stadtbach und eine aufgehende steile historische Stiege gelangt man dann wieder auf das Niveau des Palmplatzes.

Architektonische Gestaltung
Das Stiegenhausbauwerk mit dem transparenten Steg in den historischen Gebäudeteil wurde zum Markenzeichen des gelungenen Umbaus: zeitgemäße Architektur und kein altertümelnder Zubau nehmen das Stiegenhaus und die Übergangsstege auf. So gelang es, sowohl das historische Gebäude gemäß den alten Bautraditionen zu sanieren als auch für den Zubau die richtige Formensprache zu finden: eine Architekturplastik mit ihrem eigenen Wirkungsbereich ohne in Konkurrenz mit der Silhouette des Hintergrundes zu stehen.

Der Museumsbetrieb in der mittelalterlichen Badestube wurde ab November 2004 aufgenommen. Die Besucherfrequenz ist ausgezeichnet und besonders für Touristen ein wesentlicher Bestandteil bei ihren Besuchen der mittelalterlichen Altstadt von Braunau am Inn.

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