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April

Die Stadtpfarrkirche hl. Maria Magdalena in Völkermarkt
Kärnten, Polit. Bez. Völkermarkt

Hauptchor, Blick nach Osten mit 1949/ 50 freigelegten spätgotischen Wand- und Gewölbemalereien und 2006 freigelegten Seccomalereien des 16. Jahrhunderts in einer nördlichen Stichkappe.

Hauptchor, Südwand mit Fragment eines Kopfes nach 1600.

Hauptchor, SO-Ecke: Die „älteren“ freigelegten Teile der gotischen Wandpolychromie mit rot-weißem Fugennetz auf ocker Grund gehen bereits auf die Restaurierung des Jahres 1949/ 50 zurück. Sie wurden z. T. lasierend ausretuschiert und um ein freigelegtes „Verbindungsstück“ zwischen der Fensterlaibung und einem der Dienste ergänzt.

Südliches Seitenschiff, Blick nach Osten mit 1949/ 50 und 2006 freigelegten Gewölbemalereien. Bei der Gesamtrestaurierung des Jahres 1949 wurden die spätgotischen Seccomalereien der Seitenschiffe und –chöre nicht zur Gänze freigelegt. Eine Spende der Rotarier ermöglicht nun in allen Gewölbefeldern die Freilegung und Restaurierung der von Engels-, Heiligen- und Tierdarstellungen durchbrochenen Ranken- und Blütenmalereien.

Südliches Seitenschiff, Gewölbemalerei, Detail

Südliches Seitenschiff, Treppenturm: Freilegung einer durch einen Fensterausbruch des 19. Jahrhunderts an der linken Seite zerstörten Darstellung der „Ehernen Schlange“ in Secco-Technik aus der Zeit des frühen 17. Jahrhunderts. Die Raumfassung der Barockzeit war ein helles Grau, wie es auch im Bereich der Öffnung zur Kreuzkapelle rekonstruiert wurde.

Die 2005 durchgeführte Gesamtinnenrestaurierung erforderte  eine besondere Sensibilität im Umgang mit dem gewachsenen Zustand der im Kern romanischen, seit der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mehrmals veränderten Kirche.

Der vom fränkischen Grafen Engelbert I. von Spanheim 1090 gegründete Markt Völkermarkt, der im Mittelalter neben Kleinhändlern und Handwerkern eine der ältesten Judengemeinden Kärntens beherbergte, verdankte seinen raschen wirtschaftlichen Aufschwung zunächst einer günstigen Verkehrslage. Am Kreuzungspunkt wichtiger Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen gelegen, stellte das auch namentlich als Handelsort ausgewiesene „Volchimercatus“ oder „forum Judeorum“ für die Spanheimer als Kärntner Herzöge des 12. und 13. Jahrhunderts einen erheblichen und erfolgreich gegen außerherzogliche Ansprüche verteidigten Machtfaktor dar.

Die Verlegung des seit 1231 bestehenden Kollegiatkapitels mit zwölf Chorherren und einem Propst vom älteren Markt St. Ruprecht in den Ostteil des heutigen Stadtzentrums und der Bau einer neuen Kirche sind im Kontext herzoglicher Herrschaftsabsicherung zu sehen. Im Spätmittelalter war Völkermarkt für die habsburgischen Landesfürsten angesichts der drohenden Türkengefahr zudem von strategischem Interesse: Kaiser Friedrich III. residierte im Mai und Juni 1470 in Völkermarkt - in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts fällt auch die Konzeption einer gotischen Staffelhalle, was durch die Datierungen „1473“ und „1493“ im Kircheninneren bestätigt wird. In der Barockzeit erhielt die Kirche einen Kapellenanbau an der Südseite, Kapellennischen an der Westfassade und nach einem Erdbeben 1690, bei dem der südliche Turm weitgehend zerstört und nur noch in der Höhe des Kirchenschiffes wieder hergestellt wurde, neue Turmhelme.
Dieser „gewachsene“ Zustand der Kirche wurde im 19. Jahrhundert wenig akzeptiert: Obschon das Westwerk mit dem Portal und den ursprünglich gleich hohen Doppeltürmen noch auf die dreischiffige Basilika aus der Mitte des 13. Jahrhunderts verweist, waren die Renovierungsmaßnahmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Bestreben getragen, der Kirche wieder zu einem „rein“ gotischen Stil zu verhelfen. Diesem Bedürfnis nach Stilursprünglichkeit wurde mit der Anbringung von Blendmaßwerk an der Westfassade, mit der Neueinwölbung des Mittelschiffes und Aufmauerung des Triumphbogens, mit den Einbauten einer Empore mit Maßwerkbrüstung sowie neugotischer Fensterverglasungen im Chorraum und mit einer Teilerneuerung der Ausstattung Rechnung getragen. Den krönenden Mittelpunkt der Neuanschaffungen bildete ein Hochaltar mit Plastiken des slowenisch-kärntnerischen Bildhauers Alois Progar. Der neugotische Altar nahm bis zur Gesamtrestaurierung der Jahre 1949/ 50 die Stelle eines früheren Magdalenenaltares ein, der aufgrund einer negativen Beurteilung vom 2.8.1891 durch den zuständigen Konservator als „an und für sich ohne Kunstwert“ 1895 demoliert worden war. Die Entfernung des neugotischen Hochaltars in der Nachkriegszeit war durch ähnliche, vom Zeitgeist diktierte Entscheidungen motiviert, wie man sie dem barocken Altar entgegengebracht hatte: als Beispiel einer „gefühllosen Reissbrett-Gotik“ wurde er - als vorläufig letzter Akt in einer langen Reihe „fehlgegangener, aber immer gut gemeinter Veränderungen“ (vgl. Diözesankonservator Mahlknecht) - schließlich durch den um 1735 geschaffenen „Dreifaltigkeitsaltar“ der Nordkapelle ersetzt, der seinerseits seiner Opfergangsportale beraubt wurde und durch gewaltsame Streckung auf das Eineinhalbfache der ursprünglichen Höhe seiner Proportionen beraubt wurde.


Die 2005 durchgeführte Gesamtinnenrestaurierung erforderte daher eine besondere Sensibilität im Umgang mit dem gewachsenen Zustand der Kirche, der durch partielle Freilegungen bzw. Rekonstruktionen der spätgotisch-roten und spätgotisch-ocker, barock-grauen und historistisch-ocker Architekturpolychromien deutlicher als bisher auf die Umgestaltungen des 15. bis 19. Jahrhunderts Bezug nimmt. Als Hinweis auf die Zeit des spätgotischen Kirchenbaus wurde die - großteils bereits 1949 - freigelegte Architekturpolychromie in Ocker mit rotweißen Fugenstrichen an Diensten, Rippen und Fenstergewänden im Hauptchor sowie in Rot mit schwarzweißen Fugenstrichen im Mittelschiff und in den Seitenschiffen und -chören beibehalten. Im Zuge der Restaurierung der Wand- und Deckenmalereien aus der Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts konnten bereits 1949 freigelegte Rankenmalereien der Gewölbe durch Freilegungen im Bereich weiterer kleiner Gewölbefelder der Seitenschiffe komplettiert werden. Im Hauptchor wurden in einer nördlichen Stichkappe des Gewölbes Rankenmalereien aus der Zeit um 1600 und an der darunter liegenden Wandfläche wegen barocker Ausstattungsteile in dieser Wandzone nur ein kleines Probefeld freigelegt. An einem Treppenturm des südlichen Seitenschiffes dokumentiert ein Fragment mit der Darstellung der „Ehernen Schlange“ nunmehr exemplarisch das malerische Ausstattungsprogramm des 17. Jahrhunderts.

Die Restaurierung wird 2006 mit der Reinigung, Teilrestaurierung und -neusituierung der überwiegend barocken Einrichtung und Ergänzung der Ausstattung um einen neuen Ambo und Volksaltar ihren Abschluss finden. Letztlich konnte mit der Restaurierung auch eine seit Jahren diskutierte liturgische, der Dreischiffigkeit des Langhauses widersprechende Neuordnung im Langhaus abgewendet werden, die der skizzierten Verlustgeschichte der mit ihrem romanischen Westportal, ihrer überwiegend gotischen Bauplastik, ihren Fresken, den fünf Barockaltären und dem barocken Chor- und Ratsherrengestühl so bemerkenswerten Kirche wohl ein weiteres Kapitel hinzugefügt hätte.




Literaturhinweis:
Eduard Mahlknecht: Die Stadtpfarrkirche und ehemalige Propsteikirche St. Maria Magdalena, in: Stadtpfarre St. Maria Magdalena (Hrsg.): 750 Jahre Kapitel- und Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena, Völkermarkt 1998.

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